Hochgebirgstouren, Heli-Skiing, Multiday-Trekking – Outdoorsportler, denen die Alpen zu klein geworden sind, finden im wilden Kaukasus ihr Paradies. Und das Wasser schießt zu Tale, von März bis November, in Bächen, Klammflüssen und ausgewachsenen Gletscherströmen. Wen wundert's: Georgien ist ein Paddelland par excellence – Wildnis und postsowjetische Kultur inklusive.
Quelle: David Wommer
Der Tag steckt uns in den Knochen, als wir, alle neun Boote im Kofferraum verstaut, unsere Plätze in Merabs Riesen-Sprinter einnehmen. Bis zu 28 Kilometer waren einige von uns auf dem Tekhura gepaddelt. Nach abenteuerlichem Einstieg am Beginn der letzten Klamm hat uns der Wildfluss gesäumt von sattem Grün durch die weiten Schotterebenen Samogrelos mitgenommen. In der endlosen Abfolge von Kiesbettschwällen, garniert mit wuchtigen Grundgesteinspassagen, konnten auch die Härtesten ihre Muskeln müdepaddeln. Der Regen der letzten Tage hatte die Flüsse Westgeorgiens anschwellen lassen, und auch jetzt – gerade rechtzeitig nach dem Booteladen – öffnet der Himmel seine Schleusen.
Quelle: Salome Fritz
Quelle: Salome Fritz
Welch grandioser Zufall, dass Fahrer Merab weitgestreute Verwandtschaft hat, und – man glaubt es kaum – einer seiner Cousins ein Haus nur zehn Minuten entfernt besitzt. Dankbar nehmen wir die Einladung an, der Hausherr lebt zur Zeit in Tbilisi, und wir ziehen mit Sack und Pack ein. Unser georgischer Co-Guide Gio zaubert wie jeden Abend ein köstliches Mahl aus den regionalen Feld- und Gartenfrüchten, frische Kräuter (Wer hat Angst vorm Koriander?) machen den Gaumenschmaus perfekt. Und während der Regen monoton aufs Dach prasselt, holt sie aus zum nächsten Schlag, die überbordende Vielfalt georgischer Kultur und Gastfreundschaft: Die Nachbarn kommen mit hausgemachtem Wein vorbei, die schöne Frau von nebenan ist professionelle Tänzerin und während handgemachte Musik den Takt spielt, wird unsere Paddlertruppe in die Kunst georgischer Volkstänze eingeführt.
Quelle: Boby Frieser
Zwei Tage später 28 Grad und Sonnenschein: Wir sind über den Pass und das Mtkvari-Tal hinauf ins Herz des Kleinen Kaukasus gelangt. Schotter und Geröll sind hier rar, die Flüsse räumen verhältnismäßig wenig Sedimentfracht aus dem alten Gebirge. Wir Paddler freuen uns am Ergebnis, dem ausgeprägten Pool'n'Drop-Charakter der Vardzia-Schlucht des Mtkvari. Dieser längste Fluss der Region hat seine Quelle in der Türkei, durchmisst zwei Drittel Georgiens um in Azerbaidschan ins Kaspische Meer zu münden.
Quelle: Christoph Scheuermann
Quelle: Christoph Scheuermann
Der Einstieg liegt in einem atemberaubendem Setting: In einer Weitung des schluchtigen Tales erhebt sich majestätisch das Höhlenkloster Vardzia über dem träge dahinströmenden Fluss. Ursprünglich waren die Höhlen vollständig hinter der schützenden Felswand versteckt, bis ein gewaltiges Erdbeben die Fassade zum Einsturz brachte. Nun gleißen die teilweise von Mönchen bewohnten Höhlen im morgendlichen Sonnenlicht, der ideale Zeitpunkt für eine Besichtigung. Gegen Mittag vertrauen wir uns der Strömung an und lassen die heißen Schwefelquellen, die uns des Abends die müden Glieder entspannen, hinter uns.
Quelle: Salome Fritz
Quelle: Christoph Scheuermann
Quelle: Salome Fritz
Auch im Sommer finden wir in den breiten Schwällen aus runden Blöcken eine Linie, immer tiefer schneidet sich der Fluss in den weichen Sandstein. Direkt unter der kühn in den Fels gehauen Festung Tmgovi beginnen die schwierigsten Stellen. Unübersichtlich verschwindet der Fluss hinter großen Blöcken, bei genauerem Hinsehen offenbaren sich im stufigen Wildwasser aber stets schöne Routen. Ein verwinkeltes »S« besichtigen wir vom Ufer aus, nicht nur für den Fotografen eine wirklich geniale Stelle. Später paddeln wir an den in Gelb- und Grüntönen geschichteten Sinterablagerungen heißer Schwefelquellen vorbei bevor die Abstände zwischen den Stromschnellen immer länger werden und wir den Ausstieg nahe Khertvisi erreichen.
Quelle: Salome Fritz
Ein klarer Bonus des georgischen Wildwassers ist die lange Paddelsaison. Man kann durchaus schon im März starten, dann am besten ganz im Westen, im subtropischen Adscharien. Das ganze Frühjahr toben die Flüsse Westgeorgiens der kolchischen Tiefebene entgegen, die Schmelze dauert sowohl im Kleinen wie Großen Kaukasus bis Ende Juni. Bis in den Spätherbst hinein sind die Gletscherflüsse des Nordens eine sichere Bank, doch auch im August kann Regen für gute Wasserstande im ganzen Land sorgen.
Quelle: Sebi Bauer
Quelle: Boby Frieser
Quelle: Sebi Bauer
Quelle: Sebi Bauer
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Quelle: Salome Fritz
Quelle: Wommer David
Quelle: Salome Fritz
Mehr Infos zum Wildwasserfahren in Georgien gibt's auf www.toros-outdoors.de. Autor Christoph »Scheuer« Scheuermann bietet im Sommer geführte Touren zu den schönsten Flüssen des Landes an. Der Kaukasus-Express startet Anfang August. Es gibt noch freie Plätze.
Ein ausführlicher Bericht über die Paddeldestination Georgien ist in Kanu Magazin 1/2014 erschienen. Mehr Info hierzu unter diesem Link. Weitere Fotos außerdem im KANU-Blog von 2013.
Quelle: Boby Frieser
Quelle: Sebi Bauer









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