Die USA haben sich für Sveta und David in einem Roadtrip präsentiert. Vom Yosemite- bis zum Zion-Nationalpark sammelten sie Eindrücke abseits des Boots. Höhepunkt aber ihre Grand Canyon Befahrung im Winter!
Der Colorado ist vielen Paddlern bekannt. Er fließt durch den Grand Canyon, eine der tiefsten Schluchten der Welt. Die roten Sandsteinwände ragen mehr als 1.500m in die Höhe. Dieser Ort ist ein Wunder der Natur und zieht eine Mengen an Wildwasser-Enthusiasten aus der ganzen Welt an, doch die meisten bereisen ihn im Sommer bei um die 40°C im Schatten. Bei uns lag die Temperatur meist unter dem Gefrierpunkt.
Quelle: David Krismayr
365 Kilometer, 17 Tage: Manfrad Guseck, Natascha Bammert, Matthias Linhart, Andreas Lampl, Alfred Haslinger, Daniel Toros, Robert Kimberger, Svetlana Krismayr, David Krismayr Dezember 2012
Für uns steht die längste und kälteste Expedition unseres Lebens ins Haus, das wußten wir schon vor dem Beginn der Reise. Zugleich hoffen wir auf eine der aufregendsten und schönsten.Wir planten die Expedition ein halbes Jahr im Voraus. Genauer gesagt, hat die Planung unserer Freund und Tripleader der Expedition, Daniel Toros, übernommen. Daniel hat die Organisation mit voller Leidenschaft durchgeführt, und erarbeitete all die Details:
- Anmietung der Ausrüstungen (Raftingboote, Koch und Camping-Geschirr, Essen, Müll, Satellitentelefon und etc.)
- Entwickelt das Menü; alle Gewohnheiten und Vorlieben der Beteiligten unter einen Hut zu bekommen war eine Glanzleistung
- Erstellen eines Arbeitsplans; Wer hat welche Aufgabe, an welchem Tag: Aufbau der Küche, Lagerfeuer entfachen, Kochen, Trinkwasserversorgung oder Aufbau der Toilette.
Galerie: Following The Summer – Grand Canyon
Dabei immer im Hinterkopt, eine Goldene Regel des Grand Canyons: „Was du auspackst musst du auch wieder einpacken!“ Auch den Toillettengang. Alle Gruppen, die den Grand Canyon befahren, müssen deswegen spezielle Boxen als Toilette benutzen. Selbst die Asche des Lagerfeuers muss aus der Schlucht gebracht werden. Ein Feuer darf nur in einer speziellen Pfanne, die auf Beinen und einem feuerfesten Teppich steht (damit nichts auf den Boden fallen kann), gezündet werden. Danach wird die gesamte Asche gesammelt und ordentlich gefaltet in den Mülleimer geleert.
Quelle: David Krismayr
Quelle: David Krismayr
Unsere Trip startete in Flagstaff, einer Stadt in Arizona nahe am Einstieg zum Grand Canyon. Alle waren erfahrene Kajakfahrer und Raftguides mit Ausnahme von Robert. Er war ein Wildwasserneuling und ist im Grand Canyon buchstäblich ins kalte Wasser gesprungen. Schon beim „Check-In“ wehte uns die Problematik des Trips um die Nase. Die momentane Außentemperatur der Nacht lag bei ca. -10° Celsius. Nicht grade eine Temperatur bei der es einen aufs Wasser zieht. Erst recht nicht zu einem zweiwöchigen Selbstversorgertrip. Wir hofften noch, dass es in der Schlucht ein wenig wärmer sein könnte, denn sie liegt fast 1500m tiefer als unser Treffpunkt. Trotzdem lag unser Hauptaugenmerk nun auf ausreichendem Kälteschutz. Trockenanzug, mehrere Lagen von Thermo-Unterwäsche, Neoprenhauben, Paddelpfötchen und Wärmepads für die Füße waren die Standardausrüstung. Dennoch verspürten wir Unsicherheit, denn sobald wir einmal in die Schlucht eingefahren sind, gibt es fast keinen Weg mehr heraus. Keine Möglichkiet ein drittes Paar Socken zu kaufen.
Bevor wir die Boote zu Wasser lassen konnten, stand noch eine Pflichtübung an: Ein Meeting mit Ranger David Chapmann. Er prüfte unsere Dokumente und Sicherheitsausrüstung und hat uns über die Regeln, die im Grand Canyon zu befolgen sind, aufgeklärt.
Quelle: David Krismayr
Von Anfang an war die Landschaft ein Hammer. Ich erwartete, dass die Umgebung in 17 Tagen irgendwann mal langweilig werden würde, dem war nicht so. Umso weiter die Reise am Fluss ging, umso tiefer fräste sich der Colorado in den Sandstein. So durchfuhren wir verschiedenste Gesteinsschichten und Zeitepochen. Auch die Stromschnellen waren mit Hermit, Radwall, Lavafalls nach den Gesteinsschichten benannt. Das Licht- und Schattenspiel der Felswände ließ uns immer wieder nach Abbildungen in den Gesteinsformen suchen. Die perspektivischen Verschiebungen hauchten den Felswänden Leben ein. Es war oft schwer zu begreifen, wo wir gerade waren. Jeder Moment war einzigartig und unvergesslich. Täglich riss uns der Colorado mit seinen Stromschnellen aus unseren Tagträumen. Bei unserem Wasserstand waren alle Stromschnellen nicht schwer, jedoch zeigte der Colorado seine Kraft mit seiner Wasserwucht und Dimension. Die Wellen waren teilweise so riesig, dass man glaubte, bei einem Haus in den zweiten Stock zu paddeln. Die Rapids machten so viel Spaß, dass wir die Boote schulterten und sie mehrmals gepaddelt sind. Wir kamen auch in den Genuss mehrere Hikes in verschiedene Täler und Canyons zu machen. Großartig!
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Quelle: David Krismayr
Quelle: David Krismayr
Wir würden sofort wieder eine Tour durch den Grand Canyon machen. Das nächste Mal auch wieder im Winter. Erzählungen zu Folge wird im Sommer der Grand Canyon mit allen möglichen schwimmenden und motorisierten Gefährten befahren. Die Lagerplätze sollen überfüllt sein und die Temperaturen so heiß, dass es unmöglich ist zu schlafen. Es darf nur im Winter ein Lagerfeuer gemacht werden, allein deshalb lohnt es sich diese Expedition im Winter durchzuführen. Immer vorausgesetzt paddeln unter dem Gefrierpunkt liegt im eigenen Wohlfühlbereich.
Die Chancen, dass man ein Winterpermit gewinnt, stehen dafür recht gut, man muss die Lotterie spielen. Aber wer nicht spielt, kann nicht gewinnen!
Viel Glück an alle!
Am 19. September geht die Reise von Sveta und David weiter ...
Text: David Krismayr


















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