Das Zentralmassiv gilt Kennern als eines der besten Creeking-Reviere des Kontinents – wenn's denn Wasser hat. Ein kleiner bebilderter Eindruck aus den Cevennen und der Region Ardèche.
Quelle: Scheuermann Christoph
Europas bestes Wildwasser? »Tessin, Piemont, und Korsika. Und Norwegen!« Schnell herrscht in dieser Frage Einigkeit, doch in so mancher Runde fügt ein Einzelner verschmitzt an: »Und die Cevennen!« Und tatsächlich, wer Tarn oder Dourbie einmal bei perfektem Pegel erlebt hat, wird diesen Tag kaum mehr vergessen. Die Geologie des Zentralmassivs passt einfach genau zu den Wünschen der Kajakfahrer. Die Flussbetten sind wahre Meisterwerke der Grundgesteinskunst, das Wasser fast immer klar und sauber, Rutschen und Wasserfälle hoch und zahlreich.Mir war es im Winter 2004/05 vergönnt, über mehrere Monate hinweg während eines Auslandssemesters in Lyon auf den Wasserläufen der Cevennen zu Gast zu sein. Wo könnte man besser einen Einblick bekommen in die Geographie des ländlichen Frankreichs? Wo eine größere Vielfalt an Landschaftsformen studieren, als im »alten« Zentralmassiv, seit Ewigkeiten geformt von den Kräften aus dem Erdinneren, dem erbarmungslosen Herbstwind auf den Hochplateaus und den zur Sintflut anschwellenden Strömen ergiebiger Landregen? Und natürlich die französiche Sprache: Wo könnte sie bodenständiger, lebendiger und echter fließen als beim Kehrwassergespäch mit den Paddelkollegen oder dem gemeinsamen »Apéro« nach bestandenen Abenteuern in den Felsklammen des Ardèche?Foto links: Thomas in einer Rutsche des Lignon, einem Nebenbach der Ardèche.Foto unten: Der Topolino – egal ob laminiert oder in Plastik – zählt bei Cevennen-Paddlern nach wie vor zu den beliebtesten Booten.
Quelle: Christoph Scheuermann
Quelle: Karen Menzel
Es waren fantastische Wochen multikulturellen Paddelns. Gemeinsames Kajakfahren auf Creeks und Rinnen, die ich kaum für paddelbar gehalten hätte. Gruppen solch ansehnlicher Personenzahl, die (so dachte ich) jeder Sicherheitsphilosophie Hohn sprächen. Sicherheit auf dem Bach wurde für mich neu definiert. Der Springer ersetzt den Wurfsack. Praktisch immer. Dafür eilt der Springer dem in Bedrängnis Geratenen auch zur Eile, wenn der noch gar keinen Blickkontakt aufgenommen hat. Geschweige denn das Boot verlassen hat. Wie praktisch. Das Wunderbare an der Sache: Es funktioniert. Nur oft anders, als man denkt.
Foto rechts: Der Roubreau, ein Nebenfluss der Ligne im Ardèche-Gebiet, hat praktisch nie Wasser. Wenn's aber mal langt, zeigen sich Paddler durchaus begeistert.
Foto unten: Thomas Motz auf der allerobersten Beaume.
Quelle: Karen Menzel
Quelle: Salome Fritz
Von meinem Erasmus-Semester mitgenommen hatte ich unzählige Erlebnisse an Bach und Ufer und gute Freundschaften. Im Oktober 2011 war endlich die Zeit gekommen, diese Freunde wiederzutreffen. Beim Besichtigen wieder die reifen Esskastanien unter der Neo-Sohle zu spüren. Mich beim Umtragen in die Schlange zu reihen, weil – warum auch immer – zehn Paddler vor mir und fünf Paddler nach mir zwischen den Steinen balancieren (und alle zu meiner Gruppe gehören). Und am Ausstieg noch im Trockenanzug die Rotweinflasche die Runde macht. Denn der Apéro gilt den Franzosen als probates Werkzeug in fast allen Situationen.
Foto rechts: Ein Drittel meiner Mitpaddler am Einstieg der Dourbie.
Foto unten: Bestes Herbstwetter am Lignon.
Quelle: Christoph Scheuermann
Und das Wildwasser? Lassen wir Bilder sprechen. Die folgenden Fotos sind im Spätherbst 2011 auf Dourbie, Bise (Seitenbach des Mas bzw. der Volane), Roubreau (Seitenbach der Ligne), Oberster Beaume, Lignon (Seitenbach der Ardeche) und Oberster Ardèche entstanden.


















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