Auszeit: Paddeln in Nepal III

Die Gruppen wechseln, doch Florian bleibt. Auch wenn sich seine Zeit in Nepal langsam dem Ende neigt, bleiben genug Flüsse auf der "Abhak-Liste". Hier der letzte Teil seines Nepal-Berichts.

Auszeit: Paddeln in Nepal III

Die Gruppen wechseln, doch Florian bleibt. Auch wenn sich seine Zeit in Nepal langsam dem Ende neigt, bleiben genug Flüsse auf der "Abhak-Liste". Hier der letzte Teil seines Nepal-Berichts.Zum ersten Teil >> |

Es war Mitte Oktober, also Wies’nzeit, als wir wieder durch die netten Gässchen Boudhas spazierten. Daher nahmen wir gerne eine Einladung ins Radisson Hotel an, um dort mit Personal der deutschen Botschaft, am Dach ein kleines Oktoberfest zu feiern. Bei „free flowing beer“ und einem „all you can eat“ Buffet hatten wir einen feuchtfröhlichen Abend.

Artikel Auszeit: Paddeln in Nepal III Primetzhofer

Quelle: Florian Primetzhofer

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Quelle: Florian Primetzhofer

Der Osten Nepals würde noch viele interessante Flüsse bieten, doch wollten wir auch genügend Zeit für Pokhara und den Westen, unsere nächsten Ziele, haben. Wir waren froh ein günstiges Guesthouse in Pokhara gefunden zu haben, denn das Preisniveau ist in der Touristenhochburg deutlich höher als im Rest Nepals. Die Stadt liegt wunderschön an der Nordostseite des Fewa-Lake am Fuße der Annapurna Kette. Von hier aus paddelten wir unter anderem den Seti, machten wieder von Trägern Gebrauch um gemeinsam mit ein paar Amis zum Modhi Khola zu kommen und ich schloss mich als Fotoboater einer Raftcomapny am Kali Gandaki an.Mit einem Jeep fuhren wir zusammen mit Darryn, einem Kiwi, zum Madhi Khola, paddelten dessen interessanten Abschnitt bis zu einer Kajaker – Lodge, in der mich die Moskitos in der Nacht zum Wahnsinn trieben, um im Morgengrauen den einzigen Bus ins Nachbartal, zum Marsyandi, zu nehmen. Auf den letzten Kilometern nach Ngadi wollte uns partout niemand günstig mitnehmen, so dass wir auf einen teuren Ride auf einer Ladefläche angewiesen waren. Die Fahrt im Freien eröffnete uns aber so lange es noch hell war, tolle Blicke auf die Berge und auch den einen oder anderen Rapid konnten wir erkennen.

Als wir am nächsten Morgen aus den Federn krochen und nach einem ausgiebigen Frühstück in die Paddelsachen stiegen, war es empfindlich kalt und wir drei sehnten die wärmenden Sonnenstrahlen herbei. Es dauerte aber nicht lang bis uns der Marsyandi richtig einheizte. Vor allem in den ersten Rapids hätten wir Schweißperlen, aber nicht von der Sonne, im Gesicht gehabt, wären nicht immer wieder die Brecher über uns zusammen gebrochen.

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Quelle: Florian Primetzhofer

Am Stausee aßen wir zu Mittag, umfuhren die Mauer auf einem Hühnerlaster und paddelten bis kurz vor Einbruch der Dunkelheit. Im letzten Licht fanden wir eine Bleibe und paddelten den leichteren Teil bis zum Highway am nächsten Tag.Darryn und ich fuhren zurück nach Pokhara, während Alex nach Kathmandu fuhr um Sophie vom Flughafen abzuholen. Wenn möglich, wollte ich unbedingt den Humla Karnali paddeln. Dazu hinterließ ich bei Raftcompanys und im Ganesh Kajakshop meine Kontaktdaten – leider ohne Erfolg. Jedoch traf ich zwei Chilenen - Daniel und Tom, und einen Engländer -Jamie mit denen ich mich bald aufmachte den Karnali zu paddeln.

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Quelle: Florian rimetzhofer

Der Karnali, einer der größten Flüsse Nepals, liegt sehr abgelegen ganz im Westen Nepals. Das bedeutete 22 Stunden Busfahrt nach Surkhet. Dort kamen wir gerädert, am frühen Nachmittag an und konnten es einfach nicht glauben als wir erfuhren, dass es am selben Tag keine Transportmöglichkeit mehr nach Samauli, unserem Einstieg geben sollte. Nach einigem Nachfragen fanden wir dann doch noch einen Nepali, der sich bereit erklärte uns mit seinem Jeep zu führen. Mit einem doch etwas wehmütigen Auge stand ich am Einstieg und blickte stromauf Richtung Humla. Das Ziel für die nächste Nepalreise war bereits auserkoren. Schnell glitten wir über ruhiges Wasser in Richtung erster Schlucht. Die Kajaks waren so voll, dass meine Kamerabox einfach nur mehr zwischen meinen Beinen Platz hatte, so hatte ich dann doch etwas Stress als mich, trotz aller Vorsicht, eine größere Walze aufmischte. Das Loch war jedoch gnädig und entließ mich schnaufend. Der zweite Tag brachte uns zu weiteren, tiefen Schluchten und tollen Rapids. Dass ein Multiday nicht der geeignete Platz ist um heldenhaft zu sein, lernte Daniel am dritten Tag. Unbedingt wollte er in einem Rapid die Heroline fahren, schaffte jedoch die Querung nicht ganz und schon fand er sich zum Entsetzen aller, in einer riesigen Waschmaschine wieder. Wir mussten zuschauen wie es unseren Freund kräftig durchmischte und wir keine Chance hatten ihm zur Hilfe zu kommen.

Nicht auszudenken, wenn es ihm nicht gelungen wäre sich zu befreien, dann wäre im Fall eines Schwimmers wahrscheinlich viel wichtiges Equipment verloren gewesen. Der Rest der Gruppe setzte deutlich höher zur Seilfähre an und konnte so recht einfach die Einfahrtswalze umfahren.

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Quelle: Florian Primetzhofer

Entweder verjagten unsere großen Lagerfeuer die Pumas oder wir hatten einfach nur Glück keinem zu begegnen. Als nach vier Nächten die Felsen enger rückten und sehr komische Formen annahmen wussten wir, der Ausstieg war nicht mehr weit. Am späten Vormittag erreichten wir ihn und schneller als mir lieb war, hatte uns die Hektik wieder. Es galt auf die Kajaks aufzupassen und einen Transport nach Pokhara zu organisieren. Jeder hatte natürlich wieder das beste Angebot.

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Quelle: Florian Primetzhofer

Argumente eines Anbieters wie um Stunden schneller als der Bus zu sein, genügend Beinfreiheit zu haben, ein guter Dachträger und Unabhängigkeit, bewogen uns dann doch einen Jeep zu mieten. Als sich jedoch in Pokhara herausstellte, dass wir langsamer als der Bus waren, wir weniger Platz für unsere Beine hatten und zu allem Überdruss auch noch einen eingerissenen Spanngurt und einen kaputten Wurfsack, die wir zum Befestigen der Boote am ach so tollen Dachträger benötigten, zu beklagen hatten, entbrannte beim Neuverhandeln des Fahrpreises eine hitzige Diskussion. Als sich die Touristenpolizei einschaltete, hofften wir auf Hilfe. Aber anstatt zu vermitteln forderte uns der Polizist nur auf zu bezahlen, verlangte unsere Pässe und drohte uns in Gewahrsam zu nehmen, wenn wir seiner Aufforderung nicht umgehend nachkommen würden.

Mit hochrotem Kopf gab uns der Polizist fünf Minuten Zeit die Pässe aufzutreiben. Keine leichte Aufgabe in einem noch schlafenden Pokhara – es war erst 5.30 in der Früh. Jamie gelang es dann aber mit viel Fingerspitzengefühl zu vermitteln und die Lage zu beruhigen. Um kurz nach sieben saßen wir endlich beim Frühstück im „Smiling Buddha“.
Am Abend traf ich Alex und Sophie wieder, die in er Zwischenzeit Trisuli, Madhi Kolha und Marsyandi gepaddelten waren. Bei einem „Speziallassi“ am Abend tauschten wir Geschichten aus und schmiedeten Pläne für die paar übrig gebliebenen Tage. Wir wollten den Kali Gandaki ein weiteres Mal paddeln und am Weg zurück nach Kathmandu den Buri Gandaki als Abschluss machen. Gesagt getan.

Nach drei Tagen am Kali fuhren wir zum Buri. Als der „4-WD Tata – Bus“ mit durchdrehenden Rädern im Schotter steckte war für mich klar, dass die Straße zum Belephi Kolha eigentlich ein Kinderspiel war. In einer Ortschaft kurz nach Arketh Bajar verbrachten wir die Nacht um zeitig am nächsten Morgen Richtung Tatopani aufzubrechen. Es waren uns drei Träger versprochen worden, aber als am nächsten Morgen nur zwei erschienen blieb Alex und mir nichts anderes übrig als Sophies Boot selbst zu schultern. Das erste Stück legten wir noch recht gemütlich auf einem Traktor zurück, der jedoch auch recht bald nicht mehr weiter konnte. Glücklicher Weise fand ich auf halben Weg dann doch noch einen Nepali, der gerne unser drittes Boot trug.

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Quelle: Florian Primetzhofer

Es eröffneten sich tolle Blicke auf die Himalayariesen und auch die eine oder andere große Portage konnten wir ausmachen. Am frühen Abend trafen wir in Tatopani ein und staunten nicht schlecht als wir zwei U.S. - Paddler, Richard und Mat, trafen. So starteten wir zu fünft zeitig am nächsten Morgen. In die enge Schlucht kam das wärmende Sonnenlicht leider erst spät, so paddelten wir die ersten schweren, steilen Rapids mit steifen Gliedern. Einen großen Erdrutsch mussten wir mühsam umtragen. Dazu buckelten wir die Kajaks 150Hm zurück auf den Weg nur um sie 400m weiter, wieder 200Hm zurück zum Fluss zu schleppen. Damit nicht genug, wartete eine weitere harte Portage etwas weiter stromab auf uns.

Eine Erfahrung reicher – nepalische Brennessel brennen deutlich länger und stärker als heimische. Die Buckelei dauerte lang und so kamen wir erst in der Abenddämmerung bei der dritten unfahrbaren Stelle an. Nach einer deutlich leichteren Action mussten wir die letzten Rapids im schwachen Mondlicht paddeln. Müde und ausgekühlt kletterten wir die Böschung zu einer Ortschaft hinauf.

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Quelle: Florian Primetzhofer

Am nächsten Morgen stiegen die Amis bei der ersten Möglichkeit ein Taxi zu erwischen aus um zurück nach Pokhara zu fahren während wir bis zur Mündung in den Trisuli weiter fuhren. Am frühen Nachmittag erreichten wir den Ausstieg. Beim Trisuliraftcamp verkaufte ich meinen leicht undicht gewordenen Pure, der mir die letzten Monate, auf Madagaskar und Nepal, treue Dienste erwiesen hatte. Zwei Tage später saßen wir in der Abflughalle und ich hatte wieder einen festen Vorsatz. Ich komme zurück und paddle Humla Karnali, Seti Kohla und Thule Berhi.Jetzt galt es aber mich auf das nächste Projekt zu konzentrieren.

Herzlichen Dank an „Ophion Paddles“, die mich auch auf dieser Reise mit tollem Material unterstützt haben.
Weitere Bilder auf www.auszeiten.at

Text: Florian Primetzhofer | auszeiten.at

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Ausgebildeter Physiker, Redakteur, Herr über Tausend Zeilen Code auf 4-Paddlers.com und spätberufener zugereister Paddler aus Augsburg.

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