Nepal von Ost nach West und Nord nach Süd - Florian Primetzhofer nimmt sich den kleinen Staat im Himalaya paddeltechnisch ganz genau vor. In seinem zweiten Auszeit-Bericht geht die Reise vom Bothe Kosi zum Sun Kosi.
Nepal von Ost nach West und Nord nach Süd - Florian Primetzhofer nimmt sich den kleinen Staat im Himalaya paddeltechnisch ganz genau vor. In seinem zweiten Auszeit-Bericht geht die Reise vom Bothe Kosi zum Sun Kosi. Zum ersten Teil >>
Quelle: Primetzhofer Florian
Am Weg zum Bothe Kosi paddelten wir den Balephi Kola. Die mehrstündige Fahrt am Busdach zum Einstieg war bereits ein Abenteuer, die wunderschöne Landschaft und das herrliche Wildwasser haben einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Den Bothe Kosi, ein nepalesisches Wildwasserjuwel, wollten wir, wenn möglich, vom „Boarderlands Resort“ aus paddeln. Am ersten Abend in diesem wunderschön, nahe der tibetanischen Grenze gelegenen Camp, betranken wir uns mit den Locals fürchterlich, so dass an Paddeln am nächsten Morgen nicht zu denken war. Stattdessen spazierten wir gemütlich den Fluss stromauf, genossen den Blick auf die Berge und staunten über die gewaltigen Schluchten. Tags darauf fühlten wir uns aber wieder fit und booteten, genau beobachtet von zahlreichen Schaulustigen, als erstes Team in dieser Saison am oberen Bothe Kosi ein. Unser Mut wurde mit tollem, sehr wuchtigem Wildwasser belohnt.
Geplant war in den Sun Kosi zu paddeln und kurz unterhalb von Dolalghat den Bus zurück nach Kathmandu zu nehmen. Leider schlug ich mir im letzten schwierigen Rapid „Face against the Wall“ den Ellbogen auf, so dass wir die Fahrt abbrechen mussten, um meinen Cut in der nächsten Klinik nähen zu lassen.
Quelle: Florian Primetzhofer
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Eine Schar von Schulkindern half mir mein Boot die 2km nach Barhabise zu tragen. Die wenigen Tage bevor wir Alex vom Flughafen abholen wollten, erholten wir uns von den Strapazen bei Gwen und Ishwor. Wir labten uns bei königlichem Dahl Baht und genossen den Komfort von richtigen Matratzen. Mein Ellbogen heilte gut, somit konnten wir bereits kurz nach Alex’ Ankunft zu weiteren Abenteuern starten.
Quelle: Florian Primetzhofer
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Zu dritt paddelten wir erneut den Balephi Kohla mit einer weiteren sehr spannenden Busfahrt und danach die über 350km lange Strecke vom Borderlands am Bothe Kosi nach Chatra am Sun Kosi. Der Wasserstand war bereits deutlich niedriger, dennoch kamen wir so flott voran, dass wir bereits die dritte Nacht direkt an der Mündung des berühmten Dudh Kosis campieren konnten. Dudh Kosi bedeutet milchiger Fluss und er machte mit seinen trüben Wassermassen seinem Namen alle Ehre. 1976 campierte bereits Mike Jones im Rahmen seiner Expedition „Sturzfahrt vom Everest“ genau an diesem Ort. Dieses Camp, mit seiner perfekten Mischung aus Sand, Schotter, großen Felsen und einer Menge gutem Feuerholz, umgeben von dicht bewachsenen, hohen Bergrücken wird mir immer in Erinnerung bleiben. Den Ausstieg erreichten wir zu Mittag des fünften Tages nach einer weiteren Übernachtung auf einer riesigen Sandbank.
Schneller als es mir lieb war hatte uns die Hektik wieder. Vor allem ich hatte immer wieder Probleme mich von der Ruhe am Fluss und der Möglichkeit selbst zu bestimmen auf das schnelllebige Stadtleben umzustellen.
Im „Hungry Eye“ füllten wir unsere Speicher wieder auf und das Personal staunte nicht schlecht als jeder von uns mehr als zwei Bier trank. Da die Unterkünfte eher Hühnerställen glichen, machten wir uns zwei Tage später auf den Weg nach Basantapur, dem Ausgangspunkt für den Trek zum Tamur, unserem nächsten Bach. Der Platz am Busdach wurde uns allerdings auf Grund der Höhe bald zu kühl und so standen wir wieder gebückt , Schulter an Schulter, in Mitten von Hühnern, 50kg Reispackungen und erbrechenden Kindern im Bus. Nach mehreren Stunden erreichten wir am frühen Abend, bei einsetzendem Regen, die Yak-Lodge.
Quelle: Florian Primetzhofer
Zeitig marschierten wir am nächsten Morgen los. Alex und mein Kajak schulterten zwei Träger, da Georg beschlossen hatte am Tamur nur zu trekken. Die nächsten Tage brachten uns auf knapp 3000m mit tollen Ausblicken auf Makalu, Kanchenjunga und Everest. Die Lodges wurden spartanischer aber eine Tumba, ein tibetisches alkoholisches Getränk, zum Rehydrieren bekamen wir immer. In der Früh weckte uns der beißende Qualm des offenen Feuers der durch die Ritzen in unser Zimmer drang. Das jeweilige Tagesziel besprachen wir in der Früh mit den Trägern, so konnte jeder individuell sein Tempo und seine Pausen wählen.
Quelle: Florian Primetzhofer
Daher waren wir zu Beginn auch nicht besorgt als zwei Stunden nach unserer Ankunft in Gorja von unseren Trägern noch immer nichts in Sicht war. Erst als es dunkel wurde und einsetzender Regen den Pfad extrem rutschig machte, begannen wir uns Gedanken zu machen. Uns war bewusst, dass unsere Träger keine Stirnlampen bei sich hatten, so beschlossen Alex und ich ihnen entgegen zu gehen. Als wir nach einer Stunde noch immer keine Spur von ihnen gefunden hatten, drehten wir durchnässt um und mussten die folgende Nacht, auf noch immer knapp 2600m, ohne Pullover und Schlafsack verbringen.Die zur Verfügung stehenden Decken waren so räudig, dass Georg uns den Tipp gab, das Licht eingeschaltet zu lassen, da dies Flöhe und andere ungebetene Gäste fern halten sollte. Ich träumte von übergroßen Wanzen, die unsere Kajaks in die falsche Richtung schleppten, aber allen Träumen zum Trotz, standen am frühen nächsten Morgen zwei ziemlich durchgefrorene Träger mit unseren Booten vor der Tür.
Wir konnten nicht ausfindig machen, wo sie die letzte Nacht verbracht hatten. Nach einem warmen Tee waren sie aber schon wieder unterwegs Richtung Dobhan, dem 1600m niedriger gelegenen Einstieg des Tamurs. Georg machte sich von hier aus auf den Rückweg und wir verabredeten uns spätestens in Kathmandu wieder zu treffen. Als wären unsere Kajaks nicht bereits schwer genug, kauften wir noch schnell zwei Dosen Bier um kurz darauf, nach einem ausgiebigen Dahl Baht, unsere Boote für das Abenteuer am Tamur zu beladen.
Quelle: Florian Primetzhofer
Dieses wäre aber fast vorbei gewesen bevor es richtig begonnen hatte. Während der Besichtigung des ersten Rapids machte sich Alex’ Boot selbstständig. Die nahende Katastrophe konnte er nur mit einer schnellen Reaktion und einem mutigen Sprung abwenden. Die nächsten Kilometer brachten tolles, wuchtiges Wildwasser, das aber, bis auf wenige Ausnahmen, mit langem Hals und etwas Gespür für die richtige Linie gut fahrbar war. Vergeblich hielten wir nach einem riesigen Stein Ausschau, der den Fluss, laut Führer, teilt, da der linke Arm in einem bösen Loch enden sollte. Nach einer etwas ruhigeren Passage tauchte plötzlich wieder eine Abrisskante vor uns auf. Rechtsufrig sprangen wir an Land und scouteten die folgenden Meter. Als wir zu unseren Kajaks zurück kamen konnten wir unseren Augen nicht trauen. Ein Nepali saß frech in Alex’ Boot und schaufelte mit dem Paddel im Schotter herum. Wir fuhren ihn scharf an und forderten ihn auf auszusteigen, was er auch widerwillig tat. Er zeigt sich uneinsichtig und aggressiv, war aber eindeutig alkoholisiert, so dass wir lieber schnell den folgenden Rapid paddelten. Auf einer schönen Wiese bauten wir routiniert unser Camp auf. Ein vorbeikommender Local versprach uns am nächsten Morgen Gemüse zu bringen. Bis tief in die Nacht schürten wir das Feuer, genossen den wunderbaren Sternenhimmel und wurden nicht müde zu erwähnen, wie ausgezeichnet die Idee war Bier mitzunehmen.
Dass wir uns auf Nepali verlassen können wurde uns am nächsten Morgen wieder bewusst, denn wir wurden wirklich mit Gemüse, unter anderem einem Kürbis, versorgt. Alleine beim Anblick lief uns das Wasser im Mund zusammen. Der Tag brachte viel Gegenwind, kleine Rapids und viel mehr Flachwasser. Mit verspannter Muskulatur kochten wir unseren Kürbis und krochen zeitig in unsere Moskitozelte.
Der nächste Tag entschädigte aber voll. Nach einem schönem Tempel am Flussufer folgte über 25km Rapid auf Rapid. Als kurz vor der Mündung in den Sun Kosi noch eine sehr eindrucksvolle Mündungsschlucht auf uns wartete wussten wir, dass der Tamur sicher ein Highlight war.
Quelle: Florian Primetzhofer
Ein drittes und letztes Mal musste ich die aufdringliche Meute in Chatra über mich ergehen lassen. Um uns die nervenaufreibende und auch sicher nicht ganz ungefährliche Busfahrt zu ersparen, wollten wir nach Kathmandu fliegen. Leider zeigten sich die Fluglinien als nicht sehr kooperativ. Alex war aber eine coole Haut, kaufte sich einen Vorrat an Rum, gab sich mit unseren Kajaks 21 Stunden Hölle und schickte mich mit dem Flieger. Danke sehr!
Text: Florian Primetzhofer | auszeiten.at









Toller Bericht !
Sehr aufschlussreiche Beschreibungen , schöne Bilder und uns Lust zum Abendteuer vermittelnd.
Ich hoffe Du / Ihr habt mit den neuen Ophion Paddel alles gut im Griff und kommt immer gut durch alle Walzen und Löcher die Wuchtwasserbäche.
viel Glück und Spass weiterhin auf deinem Welttrip rund um Erde.
Franz P. Leiter: Kanuschule-Kitzalp