Nach Madagaskar und dem Zambesi ist Florian nun in Nepal eingetroffen. In einem Dreiteiler berichtet er aus dem Land mit den höchsten Bergen der Welt und tiefsten Schluchten.
Nach Madagaskar und dem Zambesi ist Florian nun in Nepal eingetroffen. In einem Dreiteiler berichtet er aus dem Land mit den höchsten Bergen der Welt und tiefsten Schluchten.
Quelle: Florian Primetzhofer
Quelle: Florian Primetzhofer
Mit einem festen Vorsatz sitze ich 2004 vor nun 8 Jahren in der Abflughalle des Flughafens in Kathmandu - Nepal. In den letzten zweieinhalb Monaten hatte ich mehr erlebt als ich mir je vorstellen konnte.
Den höchsten Bergen der Welt bin ich schon sehr nahe gewesen. Auf einem der schönsten, nämlich der 6856m hohen Ama Dablam, stand ich, obwohl es anfangs nicht geplant war, nach einer Akklimatisationstour auf einen anderen 6000er, sogar auf dem Gipfel. Auf der anderen Seite bin ich einfach mit Herz und Seele Paddler und als uns unsere Wege damals an gewaltigen Flüssen mit sehr klingenden Namen wie z.B.: Dudh Kosi oder Sun Kosi, vorbei führten war für mich klar, dass ich in dieses tolle Land zurückkehren werde. Dann aber mit meinem Kajak. Das war im Jahr 2004.
Es sollte acht lange Jahre dauern bis ich nun im Jahr 2012 endlich die Möglichkeit finde meinen Vorsatz von damals in die Tat umzusetzen.
Tief standen die Regenwolken über Kathmandu und böiger Wind schüttelte das vollbesetzte Flugzeug heftig durch. Ein Blick in die Gesichter meiner Sitznachbarn zeigte mir, dass sie froh waren, als die Maschine am Rollfeld sicher ausrollte. Mir jedoch zauberte folgender Gedanke ein Lächeln ins Gesicht. Ich hatte knapp drei Monate Zeit die Flüsse Nepals, gemeinsam mit Freunden, zu erkunden.
Quelle: Florian Primetzhofer
So klar geht es nur selten zu in Nepal.Dass die Uhren hier anders ticken wurde mir am Immigrationcounter schnell wieder bewusst. Eine Gruppe nörgelnder Deutscher wurde von den Beamten am Schalter einfach links liegen gelassen und daher kam ich recht flott zu meinem Visum und konnte mein Kajak bald darauf in Empfang nehmen. Ein letzter prüfender Blick eines Officers, ob die Nummer meines Bagagetags auch mit der am Kajak übereinstimmte und schon war ich umringt von Taxifahrern, die mir alle den „billigsten“ Tarif nach Thamel anboten.Glücklicherweise wurde ich von Georg, der bereits fünf Tage vor mir angereist war, abgeholt und konnte mich so der gröbsten Abzocke entziehen. Der Taxler staunte nicht schlecht als Georg nicht Thamel, das Touristenmekka, als Ziel nannte, sondern Bouddha angab. Als Georg ihn dann dort zu keinem Hotel lotste sondern ihn bat, er möge uns einfach an einer Straßenecke aussteigen lassen, verschlug es dem sonst sehr gesprächigen Fahrer die Sprache. Auch ich war nicht sicher, ob Georg genau wusste wo wir waren, da er seit der Abfahrt vom Flughafen einen eher fragenden Gesichtsausdruck hatte. Aber zielsicher führte er mich durch ein Wirrwarr von engen Gässchen, deren Sandbelag vom anhaltenden Regen der letzten Tage komplett aufgeweicht war, bis wir an einem großen, grünen Tor anstanden.
Selbstsicher stieß Georg es auf und schon befanden wir uns in einem Garten mit feinstem Rasen und toll gepflegten Hecken. In den Beeten waren die ersten Blümchen zu erkennen. Die große Wohnung im dritten Stock gehört entfernten Verwandten und wir durften diesen Ort der Ruhe im sonst extrem hektischen Kathmandu als Basecamp nutzen. Die Halbnepalifamilie von Gwen und Ishwor mit deren drei Kindern Tara, Maja und Aduaja nahm uns sehr freundlich auf.
Autsch!!! – ich hatte mir die Finger verbrannt. Wie in Nepal üblich aßen auch wir mit den Fingern und natürlich hatte ich in meiner Gier vergessen, dass frisch gekochtes Essen meistens sehr heiß ist. Tara und Maja goutierten es mit einem Lachen und mich sollte eine Brandblase am Daumen noch einige Zeit daran erinnern.
Quelle: Florian Primetzhofer
37 Kilogram - Na und? Auch die können fliegen!
Die nächsten Tage verbrachten Georg und ich mit Stadtbesichtigungen, oft waren die zwei Töchter unsere Reiseführer, und mit den Vorbereitungen für unseren ersten Bach. Langsam konnten wir das Ende des Monsuns merken und so starteten wir eines Tages in Richtung Osten zum bekannten Sun Kosi.
Unsere vollbeladenen Kajaks wogen sicher 37 kg, da wir Essen für eine Woche mitnahmen, als wie sie mittags, in der prallen Sonne, über die Brücke in Dolalghat, unserem Einstieg, schleppten. Es war schon ein besonders Gefühl nach acht langen Jahren endlich wieder zurück in Nepal zu sein und die ersten Paddelschläge fühlten sich einfach toll an. Vorbei ging es an wunderschönen kleinen Ortschaften, durch tolle Schluchten und auch der eine oder andere tolle Rapid war dabei. Einer erwischte mich mit offenem Rückengurt, nicht angezogener Fußstütze und zwang mich so zu meiner ersten Rolle in Nepal. Um fünf begannen wir nach einem Schlafplatz für die Nacht Ausschau zu halten und bald fanden wir eine schöne Sandbank am Ufer.
Quelle: Florian Primetzhofer
Quelle: Florian Primetzhofer
Schnell setzte bei mir wieder die auf Madagaskar erlangte Routine ein, so dass der Lageraufbau schnell ging und bald darauf gutes Essen im Topf am Lagerfeuer köchelte. Wir konnten unseren Augen nicht trauen als wir beim Kartenstudium erkannten, dass wir in vier Stunden knappe 50km geschafft hatten. Ein kurzer aber heftiger Regenschauer erzeugte mitten in der Nacht Hektik, da wir einfach zu faul gewesen waren unser Tarp aufzuspannen.
Der nächste Tag brachte dann die schwierigsten Stellen des Sun Kosis. Herausragend war Hakapur. Dieser Rapid zeigte mir, dass auch ein schwer beladener Creeker fliegen kann. Nach zwei weiteren Nächten am Fluss, dieser war in der Zwischenzeit auf geschätzte 3000 m3 angewachsen, kamen wir zu der Mündung von Arun und kurz darauf des Tamurs. Beide brachten wieder einige hundert m3. Jetzt war es nicht mehr weit bis zum Ausstieg. Eine letzte Rechtskurve, ein paar große Brecher und plötzlich war auch der letzte Hügel gewichen da befanden wir uns plötzlich auf einer unübersichtlichen Wasserfläche am Beginn des Terais. Am Ausstieg in Chatra war die Hektik des Alltags nach den Tagen am Fluss vor allem für mich ein ziemlicher Schock. Für die 400km lange Busfahrt zurück nach Kathmandu brauchten wir 19 Std und sehr gute Nerven. Wir blieben nicht lang und brachen bald zu weiteren Abenteuern auf.
Quelle: Florian Primetzhofer
Groß, größer, Sun Kosi!
Text: Florian Primetzhofer | auszeiten.at









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