Im Januar dieses Jahres waren Kevin Hornhofer und Sandra Lukasser sind Costa Rica paddelnd unterwegs. Jetzt geben die beiden hilfreiche Informationen und einen Einblick ins Paddelleben auf der anderen Seite des Atlantiks.
Quelle: Kevin Hornhofer und Sandra Lukasser
Costa Rica – ich muss zugeben - bis vor einem Jahr beschränkte sich mein Wissen über die „Reiche Küste“ auf „irgendwo in Mittelamerika“, was zugegebenermaßen nicht besonders viel ist. Doch dann reisten Freunde von mir 6 Wochen lang quer durch Costa Rica, hakten einen Bach nach dem anderen ab und ich war von ihren Bildern sehr beeindruckt (Reisebericht und Fotogallerie)Ein Jahr und einige Internetrecherchen auf youtube und co später, stand der Entschluss fest. Costa Rica muss auch ich unbedingt einen Besuch abstatten. Da man meine Freundin Sandra durchaus als „latina-phil“ bezeichnen kann war es nicht sonderlich schwer sie zu begeistern. Wir machten schließlich Peter Jung ausfindig, einen Deutschen der seit über 20 Jahren in Costa Rica lebt und Motorrad- und Kajaktouren organisiert /fincapedro.com.
Galerie: Paddeln in Costa Rica
Einige Emails später waren alle Details abgeklärt und am 30 Jänner startete unsere Reise.
Von Innsbruck aus ging es zuerst nach Frankfurt, von wo aus uns Continental Air zuerst über den großen Teich nach New York und dann weiter nach San Jose, der Hauptstadt Costa Rica´s und einzigen internationalen Flughafen im Land brachte.
Am Flughafen in San Jose trafen wir dann Peter. Er chauffierte uns zu seiner Finca, im 2 Stunden entfernten Sarapiqui-Tal, wo wir geschafft vom langen Flug erst mal in Tiefschlaf verfielen.
Am nächsten Tag wachten wir in einer anderen Welt auf – die Sonne stand um 07:00 Uhr bereits hoch am Himmel, es war herrlich warm und lauter undefinierbare Tierstimmen ertönten aus dem Dschungel rundum. Das Frühstück wartete auch bereits.
Zum Einpaddeln wollten wir es heute ruhig angehen. Aus Peters Flotte wählten wir einen Dagger Mamba für mich und einen RPM für Sandra. Ziel war der Lower Sarapiqui. Der ideale Fluss zum Einpaddeln, warmes WW 2-3+ und mit 6 Meilen nicht allzu lang. Etwas gewöhnungsbedürftig waren nur die vielen Prallwände am Fluss.
Am nächsten Tag steigerten wir uns bereits, der Upper Rio Toro erwartete uns. 7,5 Meilen lang, WW 3-4 und meistens in einer abgeschiedenen Schlucht. Unterwegs trafen wir auch Rafting-Gruppen, welche mit ihren Gummi-Bussen den Toro bezwangen. Peter erwartete uns wieder am Ausstieg und entlang langer Ananasfelder ging es zurück zur Finca.
Am dritten Tag ging es dann bereits etwas mehr zur Sache – Upper Sarapiqi, 7 Meilen WW 3-4. Den ersten Kilometer, der ein glatter 4er ist, sparten wir uns und stiegen stattdessen auf dem Volcan, einem Zubringerbach ein. Über kleinere Hüpfer ging es zuerst ca einen Kilometer dahin, bevor wir den Sarapiqui erreichten. Von jetzt an war paddeln angesagt, mit einem Schlag wurde es wuchtig und Wellen und Walzen ließen nie Langeweile aufkommen.
Quelle: Kevin Hornhofer
Nach drei Tagen paddeln gestand ich Sandra einen Ruhetag zu. Peter brachte uns zum Nationalpark Volcan Poas, einem rund 2700 Meter hohen Vulkan. An schönen Tagen sieht man von hier aus neben dem türkisblauen Kratersee auch den Atlantik und den Pazifik. Leider sahen wir nichts außer Nebel, wir ließen uns aber trotzdem nicht die Laune verderben und sausten in bester Touristenmanier umher, fotografierten alles und jeden und plünderten den Souveniershop, bevor es wieder vom relativ kalten Vulkan hinab in den heißen Dschungel ging.Für die nächsten drei Tage hatten wir mit Peter eine Wandertour ausgemacht. Wir tauschten die Wildwasserkajaks gegen Wanderkajaks und beluden diese mit der Ausrüstung für 3 Tage. Dann ging es in den Norden, nach San Rafael. Ziel war es auf dem Rio Frio von San Rafael bis nach Los Chiles nahe der Grenze zu Nicaragua zu paddeln. Am ersten Tag ging es ruhig dahin, die Sonne strahlte vom Himmel und langsam wurden die Farmen immer weniger und die Urwaldriesen immer mehr. Auch die ersten Krokodile ließen sich sehen. Nach rund 5 Stunden paddeln erreichten wir das Tagesziel, ein verfallenes Haus. Anlanden, Lager errichten und essen. Als es dämmerte und die Mosquitos auftauchten verzogen wir uns ins sichere Zelt.Tag 2 – es regnete in Strömen. Auch ausgiebig frühstücken und abwarten änderte nichts daran. Gottseidank ist Regen nicht allzu schlimm, wenn er rund 25 Grad warm ist! Wieder ging es stundenlang am Frio dahin bis wir den Lagro Negro erreichten. Die von Peter beschriebenen Lodges waren auch schnell gefunden und nach einer schnellen Dusche gab es im Ort erst mal ordentlich was zu futtern. Am Tag 3 unserer Wanderpaddel-Expedition schien brannte wieder die Sonne vom Himmel. Einige Kilometer nachdem wir den Lago Negro hinter uns gelassen hatten, teilte sich der Fluß und wir ließen die Zivilisation hinter uns.
Das folgende Stück Regenwald war sehr beeindruckend, auch wenn für meinen Geschmack etwas zu viele Krokodile im Wasser waren. Gegen Mittag erreichten wir mündete unser Nebenarm wieder in den Hauptfluss und entlang endloser Flussbiegungen und Touristen-Boote ging es nach Los Chiles, wo Peter und ein kaltes Bier bereits warteten.
Quelle: Kevin Hornhofer
Tag 8 in Costa Rica – nach den letzten drei Tagen Flachwasser brannte ich auf Wildwasser! Nach dem Frühstück in der Finca ging es mal ab in den tiefen Regenwald. Eine 15minütige Wanderung mit geschultertem Boot brachte uns zum Poza Azul, der „Blauen Lagune“. Ein 10m-Wasserfall, mitten im Dschungel, mit einem herrlich blauen Pool darunter. Der Fall selbst ist einfach zu befahren, jedoch aufgrund der Höhe und der Geschwindigkeit mit der man eintaucht nicht zu unterschätzen – Peter und der Flussführer hatten mich vor einigen schweren Unfällen gewarnt. Nach einigem Hin und Her war es soweit. Sandra hatte sich mit der Spiegelreflex am Ufer bewaffnet und ich verließ das letzte Kehrwasser vor dem Fall. Über die Kante und in bester Melt-down-Manier tauchte ich tief ins Becken. Eine zweite Befahrung und mein erster Hunger nach Stürzen war gestillt. Nachmittag ging es nochmal zum Upper Sarapiqui – diesmal allerdings inklusive dem ersten Kilometer. Dieser entpuppte sich als herrlich wuchtig-steiler IVer, bevor er nach dann nachließ und wir über den uns bekannten Teil zurück zum Ausstieg paddelten.
Für den nächsten Tag hatte Peter ein besonderes „Schmankerl“ für uns – den Lower Rio Pacuare. Eine 3stündige Autofahrt brachte uns in die Turrialba-Region, in welcher neben dem Pacuare vorrangig schwere Flüsse zu finden sind. Der Lower Pacuare ist der Turrialba-Klassiker! Mit 16 Meilen sehr lang, hauptsächlich 3-4, stellenweise 4 schlängelt er sich hauptsächlich durch ein wildes, einsames und wunderschönes Tal, ein Landschafts-6er!
Nun ging es ab in Richtung Pazifikküste, für die letzten Tage standen Flüsse im Südwesten, surfen und beach-chillen am Programm. Eine lange Autofahrt später erwartete uns in Quepos, der Surfer- und Beachmetropole ein traumhafter Strand mit einem kalten Bier und einem kitschig schönen Sonnenuntergang!
Am nächsten Morgen ging es zum Lower Rio Naranjo, einem ca 6 Meilen langen 2-3, der recht ereignislos vorüberzog, ehe es am Nachmittag wieder in Richtung Strand ging.
Der Rio Savegre am Tag darauf ließ bei mir bereits mehr Freude aufkommen, 7 Meilen genussvolles WW 3 mit einigen Spielstellen. Dafür ortete ich ein anderes Problem – nach 10 Tagen Bootfahren hatte Sandra eindeutig genug vom paddeln! Schweren Herzen stimmte ich 2 Strandtagen zu. So verbrachten wir also die letzten Tage an den Traumstränden rund um Manuel Antonio und Quepos. Bei der Rückfahrt setzte uns Peter beim Coconut House (www.coconuthouse.info ), einem von Deutschen betriebenen Hotel in Alajuela, rund 15min vom Flughafen entfernt ab und wir verabschiedeten uns von ihm.
Am nächsten Tag begann unser Flughafen-Marathon erneut und rund 14 Stunden später hatte uns das heilige Land Tirol wieder, aber Costa Rica hat mich bestimmt nicht das letzte Mal gesehen.
Quelle: Kevin Hornhofer
Wissenswertes zu Costa Rica: Beste Paddelzeit: Ende der Regenzeit, ca zweite Jännerhälfte bis maximal Mitte Februar. Anreise: ich persönlich würde den etwas teureren Direktflug bevorzugen, da Einreise und Aufenthalt in den USA aufwendig ist (Anmeldung ESTA-Formular notwendig, 14 US-$ pro Person, aufwendige Einreisesicherheitschecks, kein durchschleusen des Gepäcks sonder Ein- und danach Ausfuhr beim Zoll usw.) Ausrüstung: Kajaks kann man eigentlich bei den Wildwasserveranstaltern ausleihen. Bevorzugt man dennoch das eigene Boot, muß man die richtige Fluglinie wählen, Continental zb hätte Surfausrüstung bis 3 Meter und 30kg kostenlos mitgenommen, aber Kajaks – no way! Allgemeine Reiseinformationen sind am besten der Homepage des Außenministeriums zu entnehmen, dort sind auch die Kontaktdaten zu den österreichischen Vertretungen im Notfall Fazit – Costa Rica ist ein tolles Land mit freundlichen Menschen und trotz der langen Anreise jedenfalls einen Besuch wert! Für Extrempaddler die sich reihenweise VIer-Hämmer erwarten ist es wahrscheinlich das falsche Ziel, aber vom Genusspaddler, der sich stressfreies WW II und III erwartet bis zum ambitionierten Paddler der die Herausforderung in sportlichen IV und V sucht kann Costa Rica sicher zufriedenstellen!
Text: Kevin Hornhofer und Sandra Lukasser






















Hier noch der Link zum Youtube-Video:
www.youtube.com/watch