Einmal rundum - Teil 9

In fünf Monaten reist Ron Fischer einmal um die Welt. In Südamerika neigt sich die Zeit nun auch dem Ende und die Anzahl der Mitreisenden hat reduziert, trotzdem haben die Verbliebenen im südlichen Chile noch ein paar Erstbefahrungen im Programm.

CHile Ron Fischer

So waren wir also immer noch in Villa O'Higigns am Ende der Carretera Austral. Rio Perez und Rio Mayer konnten wir befahren. Den Einen lief jetzt die Zeit langsam davon und sie mussten zurück nach Pucon oder wollten an den Futaleufu, so dass wir von nun an nur noch zu Dritt waren. Mariann, Severin und ich wollten noch weitere Flüsse auskundschaften und den Süden Chiles geniessen. Wer weiss? Vielleicht finden wir ja noch mehr Klassiker...

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Quelle: Ron Fischer

Dank perfekten Spanisch Kenntnissen und etwas Glück von Mariann konnten wir jemanden Organisieren der uns die Kajaks auf Pferden den Rio Mosco hoch bringt. Ganz ideal verlief es leider nicht. Drei Kajaks auf einem Pferd waren definitiv zu viel, zu oft sind sie verrutscht oder sogar runter gefallen. Nach einem Kilometer wurde dann der Weg auch noch zu eng und steil für den Caballero, so dass er nicht mehr weiter wollte.   Na gut, dann tragen wir halt doch selber. Zwei weitere Kilometer, teils steil Bergauf, gingen wir noch dem Weg entlang bis wir uns entschieden los zu paddeln. Noch weitere drei Kilometer könnte man den Fluss hoch, doch für das hatten wir den Weg auf der falschen Talseite ausgesucht. Nächstes Jahr dann....   Gelohnt hat sich der Aufwand trotzdem! Die Walschlucht war wunderschön, meist mit Wildwasser im mittleren Schwierigkeitsbereich, teilweise mit senkrechten Felswänden auf beiden Seiten.

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Quelle: Ron Fischer

Es gäbe noch mehr zu tun in Villa O'Higgins, aber auch unsere Zeit läuft irgendwann aus. So fuhren wir zwei Stunden nördlich zum Rio Bravo. Auf dem Weg runter war zuviel Wasser für die obere Schlucht, so dass wir nur den Surprise Canyon gepaddelt sind. Doch der Wasserstand ist in der Zwischenzeit gesunken und schien perfekt.  Dieser Tag auf dem Rio Bravo war bestimmt einer der Besten in Chile dieses Jahr. Der Canyon ist mega eindrücklich, das Wildwasser schwer doch alles fahrbar und der Eingangskatarakt in den Boxcanyon sorgt für den nötigen Nervenkitzel! Hut ab vor Tyler Curtis der 2005 absolut Blind in diese zwei Meter hohe Stufe rein gefahren ist, nur in der Hoffnung das es gut geht. Es gibt keine Möglichkeit die Stelle einzusehen oder zu umtragen!

Artikel Einmal rundum - Teil 9 Chile

Quelle: Ron Fischer

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Wir nahmen wieder die Fähre zurück nach Puerto Yungay wo wir einen weiteren Fluss auskundschafteten. Ein kleiner steiler Bach in einer wunderschönen Klamm. Nur eine Stelle ist drin, die weder fahrbar noch umtragbar ist. Schade.  In Caleta Tortell machten wir kurz halt. Das Dorf liegt in einem Fjord und alle Wege und Häuser sind auf Stelzen gebaut. Ganz witzig eigentlich, doch Standard Touristen Ausflüge sind nichts für uns und so machten wir uns gleicht weiter auf den Weg Richtung Norden. Wieder überquerten wir unzählige Flüsse, die noch alle unbefahren sind. Ich komme einfach nicht drum rum nächstes Jahr wieder hier her zu kommen!

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Am Rio Barrancoso machten wir halt. Schon auf dem Weg runter haben Mariann, Severin und ich die Schlucht angeschaut. Schaut alles perfekt aus, doch wie kommen wir mit unserem Material in das Tal hoch? Jorge vom "El Mosco" in Villa O'Higgins gab uns den nötigen Tipp. Er beschrieb uns den Weg zu einer Farm auf der eine Deutsche namens Lili wohnt, Sie sollte jemanden mit Pferden wissen!  Lili war zu Hause und ihr Nachbar Nelson der Pferde besitzt zufälliger Weise bei ihr zu Besuch! Schwarzbrot und hausgemachte Marmelade gab es ebenfalls zu kaufen. Hätte nicht besser sein können. Am nächsten Morgen trafen wir Nelson am Talausgang. Er kam mit sechs Pferden. Zwei Packpferde, je eines für uns und natürlich noch sein eigenes. Ach ja, ein kleines Pony lief auch noch den ganzen Tag der Mama hinterher. Nelson war genial! Obwohl er noch nie zuvor Kajaks transportiert hatte, schien es als hätte er noch nie etwas anderes gemacht.   Die Kajaks und Packsäcke mit Essen, Schlafsäcke und Tarp hielten fast den ganzen Tag auf den Pferden. Nur ganz selten mussten wir die Gurten nachziehen. Fünf Stunden waren wir mit den Pferden in atemberaubender Landschaft unterwegs.

Trotz einsetzendem Regen konnte man auf die Gletscher sehen. Wir ritten über einen Bergrücken in das Tal hinein. Oberhalb von dort wo wir zum Fluss runter kamen war das Tal gross und offen, der Fluss einfach. Wer weiss, vielleicht gibt es ganz oben noch eine Schlucht? Egal, der Tag ging zu Ende und vor uns bog der Fluss um die Ecke in eine tiefe Schlucht hinein. Was will man mehr?

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Quelle: Ron Fischer

Wir spannten Wurfsäcke und bauten uns ein Tarp, suchten trockenes Feuerholz um zu kochen und tranken den Wein den wir auf den Pferden mit hoch getragen haben. PURA VIDA! Zum Glück ging das Wasser über Nacht nicht noch weiter hoch. Auch das Wetter am nächsten Tag war besser. Nach einem feinen Nudelfrühstück packten wir die Boote und los ging es. Obwohl wir den Fluss schon ausgekundschaftet haben und wahrscheinlich alles von weit Oben eingesehen haben, wussten wir nicht genau was kommt. Wir waren zu weit weg um die Details zu sehen. Am Anfang mussten wir ein paar mal einige Hundert Meter weit vor klettern um zu sehen, dass nach der Kurve nichts gefährliches kommt. Wir kamen gut vorwärts, paddelten traumhaftes Wildwasser im vierten bis fünften Schwierigkeitsbereich. Der Tag war einfach zu geil um wahr zu sein!

Wir hatten nur zwei einfache Umtrage Stellen, der Rest war fahrbar und genial. Die "Drecks-Stelle" die einen zwingt aus der Schlucht raus zu tragen, die alles zunichte macht und die man auf einem solchen Trip eigentlich erwartet, kam einfach nicht! Auch den Ausstieg fanden wir nach ca. sechs Stunden auf dem Fluss perfekt und es war einfacher als erwartet zur Strasse hoch zu tragen. Rio Barrancoso! Bestimmt eine der schönsten Erstbefahrungen die wir jemals gemacht haben. An alle die in den Süd-Süden Chiles fahren- geht auf den Rio Barrancoso!

 

Galerie: Einmal rundum - Teil 9

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Noch am selben Tag fuhren wir zurück nach Cochrane um das Rodeo zu schauen. Naja, ganz normal sind sie ja nicht die Chilenen. Ein junges Mädel, dass ein noch nicht berittenes Pferd hätte reiten sollen, flog nach 10 Sekunden in hohem Bogen vom Ross und blieb am Boden liegen. Direkt neben der Arena wartete die Ambulanz die jedoch angeschoben werden musste um zur Unglücksstelle zu gelangen!! Das war unglaublich witzig. Dem Mädel ist auch nichts passiert wie wir danach erfahren haben.

Text: Ron Fischer

Mehr Infos: www.ronfischer.ch

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Ausgebildeter Physiker, Redakteur, Herr über Tausend Zeilen Code auf 4-Paddlers.com und spätberufener zugereister Paddler aus Augsburg.

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