Einmal rundum - Teil 8

In fünf Monaten reist Ron Fischer einmal um die Welt. In Südamerika steht er nun am Rio Mayer - [b]mitten in der Schlucht vor einer Abrisskante[/b]. Wie abenteurlich das ausging, berichtet Ron hier!

Rio Mayer Chile

Der Rio Baker steht schon lange auf der To-Do Liste der Jungs in Südamerika. Nun stehen sie vor einem echten Abenteuer, das eigentlich in wenigen Stunden erledigt sein siollte. Es kommt allerdings anders, wie die Jungs hierher gekommen sind, lest ihr im 7. Teil der Serie.

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Quelle: Ron Fischer

Die AbrisskanteWir paddelten um die nächste Kurve, es folgte ein schwererer Katarakt, ein paar hundert Meter Flachwasser und dann diese Abrisskante. Die Wände, auf beiden Seiten mindestens 50 Meter hoch, waren fast senkrecht. In einem grossen letzten Kehrwasser fanden wir uns wieder und schauten uns fragwürdig an. Fünfzig Meter vor uns die Abrisskante, dahinter Gischt, links eine senkrechte Felswand und von rechts kam ein Erdrutsch runter.Es gab ein Mikro Kehrwasser auf der rechten Seite, jedoch kein zurück mehr wenn man mal dort ist. Auf der linken Uferseite fand ich eine Möglichkeit auszusteigen und hoch zu klettern. Von dort konnte ich auf die Stufe runter schauen. Sie war ungefähr drei Meter hoch und hatte einen unüberwindbaren Rücklauf. Beim Mikro Kehrwasser könnte man vielleicht aussteigen und über den Erdrutsch umtragen, doch ich sah keine Möglichkeit wieder einzusteigen. Selbst wenn, würde man wahrscheinlich von den Pilzen im Kehrwasser direkt in den Rücklauf geschoben werden. Was nach der nächsten Kurve kommt, wussten wir ebenfalls noch nicht. Severin kam zu mir rüber und gemeinsam kletterten wir bis zum Schlucht Rand hoch. Die anderen schauten uns kopfschüttelnd zu. Sicherung? Oben war alles voller Dornbüsche. Klettern und Laufen war sehr mühsam. Um zu sehen was um die Kurve kommt und ob man vielleicht umtragen könnte, machten wir uns trotzdem auf den Weg. Mariann kämpfte sich auf der Flussrechten Seite ein Kehrwasser weiter hoch und kletterte dann ebenfalls auf den Schlucht Rand hoch. Eine Stunde später trafen wir uns wieder im grossen Kehrwasser.

 

Galerie: Einmal rundum - Teil 8

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Fazit: Nach der Kurve geht es fast flach, jedoch stark strömend geradeaus weiter. Nach ein paar hundert Meter kommt die nächste Stromschnelle die wiederum hinter die nächste Kurve verschwand. Auf dem ganzen Abschnitt senkrechte Felswände auf beiden Seiten, keine Chance auszusteigen.

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Quelle: Fischer Ron

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Quelle: Fischer Ron

Rechts könnte man die unfahrbare Stelle eventuell umtragen, besser gesagt "umseilen" und dann mit einem ca. 7 Meter hohen Felsstart zurück in den Fluss. Eines war jedoch klar, bevor wir dort einsteigen, müssen wir zuerst die Schlucht ablaufen und anschauen.

Die Umtrage auf der rechten Seite würde Stunden dauern und so wollte ich mir den Erdrutsch noch genauer anschauen. Ich beschloss in das Mikro Kehrwasser zu paddeln, um von nahem zu sehen, ob man vielleicht doch einsteigen und aus dem Kehrwasser paddeln kann. Mit einem Seil zur Hilfe würde ich zurück klettern können. Das Kehrwasser war gerade so gross, dass das halbe Kajak platz hatte! Um möglichst schnell aus dem Kajak raus springen zu können, paddelte ich mit offener Spritzdecke in das Kehrwasser, sprang aus dem Boot, landete im Wasser, konnte mich jedoch an einem Stein mit der einen und das Kajak mit der anderen Hand festhalten. Geschafft!

Jetzt stand ich direkt bei der drei Meter hohen Stufe. Der Rücklauf war riesig und die Pilze im Kehrwasser danach grösser als sie von oben ausschaute. Mühsam hätte man zwischen den Steinen ins Boot steigen können, doch die Pilze hätten einen danach direkt in den Rücklauf geschoben. Mariann und Severin kamen mir nach einer Weile von Oben mit Seil zu Hilfe und so konnte ich wieder rausklettern.

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Quelle: Ron Fischer

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Quelle: Ron Fischer

Fahrtabbruch am Nachmittag

Es war mittlerweile fünf Uhr Nachmittags. Alle waren müde und so beschlossen wir, trotz weiteren fünf Stunden Tageslicht, einen Weg aus der Schlucht zurück zur Strasse zu suchen. Ich konnte mich daran erinnern, dass direkt nach dem Schlucht Eingang, 500 Meter weiter oben, ein kleiner Seitenbach von links mündete. Es war möglich zur nächsten Stromschnelle zurück zu paddeln, diese auf der Seite hoch zu tragen und dann bis zum Seitenbach gegen die Strömung hoch zu paddeln. Eine Stunde später deponierten wir Kajaks am Ufer und suchten uns einen Weg zurück zur Strasse.

Es war überraschend einfach einen Weg durch die Büsche und später durch den Wald zu finden, so das wir nach knapp einer Stunde bei der Strasse waren. Das einzige Auto das vorbei kam, nahm uns leider nicht mit und so mussten wir die ganzen acht Kilometer bis zu unserem Auto am Ausstieg laufen.

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Quelle: Ron Fischer

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Quelle: Ron Fischer

Abendessen, schlafen und am nächsten Morgen zurück zu den Kajaks. Der Plan war, wieder zurück zur unfahrbaren Stelle zu paddeln, auf der rechten Seite die Kajaks zum Schlucht Rand hoch zu seilen und dann soweit zu tragen, bis man zum Fluss runter kommt. Leider kamen wir nur zu viert bei den Kajaks an. Nach einer halben Stunde warten machte ich mich auf die Suche nach Severin und Seppi, ich dachte sie hätten sich vielleicht verlaufen, doch weit und breit keine Spur von ihnen. Wir harrten drei Stunden bei den Kajaks und beschlossen uns dann wieder zurück zu den Autos zu laufen. Spät Abends um neun Uhr trafen die zwei Vermissten dann auch in Villa O'Higgins ein.

Sie seien auf der linken Seite den ganzen Fluss runter gelaufen um alles anzuschauen. Zwei Kilometer weiter käme eine weitere unfahrbare Stelle und sie wussten nicht ob man davor aussteigen kann. Sie waren K.O. und meinten den nächsten Tag eine Pause einlegen zu müssen. Wenn dem so ist, dann ist so, und so ging ich zusammen mit Jakub am nächsten Tag einen anderen Fluss, den Rio Mosco, auskundschaften.

Am vierten Tag machten wir uns zu sechst wieder auf den Weg zurück zu den Kajaks auf dem Rio Mayer. Wir paddelten runter zur nicht fahrbaren Stelle und seilten die Kajaks rechts die Schluchtwand hinauf. Wir wussten, die nächste unfahrbare Stelle kommt zwei Kilometer weiter unten. So entschieden wir uns, anstatt ohne Boote runter zu laufen um einen Ausstieg davor zu suchen, die Kajaks gleich runter zu tragen. Zweieinhalb Stunden kämpften wir uns durch das Gebüsch, durch Sümpfe oder teilweise ganz einfach im offenen Wald, bis wir endlich am Ziel waren.

Nach einer kurzen Brotzeit stiegen wir endlich wieder in unsere Kajaks. Gleich zu beginn folgte eine langer Katarakt. Maxi allen voraus übersah die Walze am Ende und wurde aufgemischt.

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Quelle: Ron Fischer

Als ich als letzter in der Gruppe an ihm vorbei paddelte war er immer noch am rotieren. Es war klar, dass er gleich aussteigen wird. Irgendwann wird ihm ja wohl die Luft ausgehen. Wir suchten uns Kehrwasser. Die einen waren schon draussen und standen mit dem Wurfsack bereit als er endlich daher geschwommen kam. Maxi war ziemlich ausser Atem, doch das Lachen verliert der Mann zum Glück nie!

Wir konnten alles Material bergen und kurze Zeit später waren wir wieder auf Kurs. Die nächsten sechs Kilometer waren traumhaftes Wildwasser. Die Schlucht atemberaubend, das Wildwasser purer Genuss mit drei perfekten Surfwellen auf halber Strecke. Ein unglaubliches Gefühl überkam uns alle als die Brücke am Ausstieg endlich zu sehen war. Lecker Bier am Ausstieg und alles war in bester Ordnung :)

Rio Mayer ich komme wieder!

Das nächste mal mit Schlafsack und Proviant im Kajak und halb so viel Wasser im Fluss!

Ich würde euch gerne Fotos zeigen von den unfahrbaren Stellen. Doch irgendwie ging das Knipsen vergessen als wir nach Lösungen suchten weiter zu kommen.



Text: Ron Fischer

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