Ron Fischer reist in fünf Monaten einmal rund um die Welt. Der erste Stopp ist Nepal - wo er eine große Mission am Arun hat.[br][/br]Die West - Ost Verschiebung war geschafft. Jetzt kam der Hauptteil des Trips. Die Jungs wollten möglichst weit am Arun hoch tragen und eventuell den Barun befahren. Es gibt nur sehr wenig Informationen über den Barun oder Arun im oberen Teil.
Auf dem Weg nach Tumblingtar mussten wir vom Localbus auf einen Jeep umsteigen. Von jetzt an war nichts mehr mit asphaltierter Strasse. Beinahe im Schritttempo ging es über mehrere Stunden vorwärts, manchmal durch knietief durch Flüsse und erreichten Tumblingtar erst bei Dunkelheit. Am nächsten Morgen mussten wir zuerst einmal feststellen, dass Feiertag ist und wir keinen Jeep und Träger bekommen um weiter nach Num zu ziehen. Wir nutzten den Tag um uns zu erholen, wiedermal zu Waschen und natürlich viel Karten zu spielen. Am achten November ging es weiter mit einem Land Rover. Zusammen mit einem israelischen Bergsteiger, seinem Guide Labka der übrigens schon 14 mal auf dem Mount Evererst stand und mit Trägern, so das wir am Schluss 16 Leute im Offroader waren. Mit meinen langen Beinen war kein Platz mehr im Auto und so stand ich hinten auf die Dachleiter. Das war unglaublich anstrengend. Die Strasse war vom Monsun Regen komplett ausgewaschen und verlangte vom Land Rover alles ab. Nach über sechs Stunden erreichten wir das Ende der Strasse auf 2200 Meter über Meer. Wir liefen noch zwei Stunden bis die Nacht herein brach und übernachteten in Mudhe in einem kleinen Guesthouse. Das darf man sich allerdings nicht sehr komfortabel vorstellen. Es standen zwei schmale Betten zur Verfügung auf denen unsere vier Träger schliefen. Für uns war Platzt auf dem Bretterboden, was auch seinen Vorteil hat: Der Rauch vom Feuer in der Bude ist über einem ;) Am nächsten Tag gingen wir weiter bis Num wo uns Ruedi verliess. Von hier ging er Richtung Makalu Basecamp zum trekken und wir weiter Flussaufwärts bis nach Barun Bazar. Ein Träger gab in Num auf und so mussten wir weiteres Material und teilweise ein Kajak selber tragen
Quelle: Ron Fischer
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Nach drei Tagen laufen durch traumhafte Landschaft waren wir bei der Mündung vom Barun in den Arun. Nur ganz wenige Touristen kommen hier her. Die meisten nehmen die Route vom Ruedi und laufen ins Basecamp vom Makalu. So wurden wir auch des öfteren komisch angeschaut als wir mit unseren Kajak durch die kleinen Dörfer zogen. Uns ist nur von einem, eventuell zwei Gruppen bekannt, dass sie mit dem Kajak hier oben starteten.Vom Barun hatten wir kaum Informationen und wir mussten vor Ort abchecken ob es möglich ist einen Teil zu befahren. Er entspringt am Makalu und sollte eigentlich vom Basecamp weg fahrbar sein für ca. 10 Kilometer, dann bricht er 2000 Meter runter bis in den Arun. Wir wollten von unten in der Schlucht hochtragen um zuerst alles einsehen zu können. Leider mussten wir in Barun Bazar feststellen, dass die Klamm wo der Fluss das meiste Gefälle macht, absolut unzugänglich ist. Das Risiko in die Schlucht rein zu paddeln und dann irgendwo zwischen hundert Meter hohen Felswänden vor einem unfahrbaren Wasserfall zu stehen und nicht mehr raus tragen zu können, wollten wir nicht eingehen.
Quelle: Ron Fischer
So gönnten wir uns einen halben Tag Pause, bevor wir auf dem Arun los paddelten. Vom Weg den wir hochgelaufen sind konnten wir einige Stellen von weitem einsehen. Uns war schon dort klar, dass uns extrem schweres Wildwasser erwartet. Trotzdem, von der Wucht und der Power die der Arun hat waren wir überrascht. Mit schätzungsweise 200 Kubik pro Sekunde führte der Arun hier oben schon 50 mehr als für die untere Standard Strecke vorgeschlagen. Es war nicht die eigentlich Schwierigkeit der Stromschnellen die uns zu schaffen machte, sonder das kontinuierliche Gefälle. Auf einen Wildwasser 5+ Rapid folgten hundert Meter WW 4-5. Bei einem Fehler landet man in den riesigen Rückläufen, sogenannten „Pureovers“ die einen nie mehr raus lassen und wenn dann nur schwimmend. Als Schwimmer jedoch kann dir niemand helfen und man hat keine Chance ans Ufer zu kommen. Diese Pureovers werden auf der mittleren Ötz im Sommer bei Hochschmelze geboren, auf dem Arun werden sie gross und stark!
Nur wenige Rapids konnten wir im Hauptwasser befahren, meistens nahmen wir die WW 5 „Chickenline“ in Ufernähe. Eine Traverse um auf die andere Flussseite zu kommen war schwieriger zu meistern als das meiste Wildwasser, dass wir jemals gefahren sind. Nach ca. sechs Kilometer gelangten wir zu einer Stelle wo alles Wasser auf fünf Meter breite zusammen kam und weitere Hundert Meter später über einen sieben Meter hohen Wasserfall in einen absolut unfahrbaren 500 Meter langen Steilabbruch überging. Vergleichbar mit den Achstürzen, aber mit 200 Kubik! Rechtsufrig konnten wir mühsam umtragen. Über eine Stunde brauchten wir dafür und waren anschliessen komplett kaputt.
Weil es nach Regen aussah suchten wir uns kleine Felsvorsprünge zum übernachte, suchten Holz um was zu kochen und gingen schon bald schlafen. Nach diesem ersten Tag spürte ich eine enorme Zufriedenheit. Ein super Gefühl diesen schweren Abschnitt gepaddelt zu haben.
Quelle: Ron Fischer
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Am nächsten Morgen ging es genau gleich weiter. Nach zwei Stunden kamen wir an einen weiteren Rapid. Toro und ich stiegen aus um ihn uns anzuschauen. Hauptwasser zu gefährlich aber der Seitenkanal geht einfach. Einfach in der Mitte über die Kante und runterrutschen und nicht nach rechts weil das Wasser dort fies unter die Steine zieht. Als Gruppe auf schwerem Wildwasser unterwegs zu sein, heisst sich auf einander verlassen zu können und jedem voll zu trauen. Lukas und Simon blieben im Boot sitzten und wir erklärten kurz wie zu fahren ist. Simon ging als erster und wurde von der Strömung zu weit nach rechts verschoben. Er fuhr mit der Spitze auf einen Stein und sein Heck wurde sogleich vom Wasserdruck nach unten gedrückt. Er steckte senkrecht an dem Stein fest und das Wasser floss schon zur Hälfte über seinen Kopf. Wir konnten schnell reagieren, Lukas sprang vom Ufer auf den Stein an dem Simon klebte und zog ihn aus dem Boot raus. Die Kameratasche und den Schlafsack konnte er noch retten, danach wurde das Kajak komplett unter Wasser gedrückt. Wir versuchten es mithilfe eines Flaschenzugs raus zu ziehen, rissen jedoch nur die Griffschlaufen ab. Das Kajak war nicht mehr zu retten, wir alle jedoch riesig erleichtert, dass Simon sicher im Trockenen stand.
Quelle: Ron Fischer
Es war schnell klar, dass Simon aus der Schlucht bis nach Tumblingtar rauslaufen muss. Wie wenn nicht schon schlimm genug, hat Simon bei der Aktion auch noch seine Schuhe verloren. Meine Teva Flipflops Grösse 42 (Simon hat Gr. 48) waren ein schlechter Ersatz aber besser als gar nichts.Toro, Luke und ich paddelten weiter und Simon machte sich zu Fuss auf für den dreitägigen Hike zurück nach Tumblingtar. Schon nach kurzer Zeit auf dem Fluss nahmen die Schwierigkeiten ab und wir erreichten nach wenigen Stunden den normalen Einstieg für die oberen Arun Schlucht. Es war kalt und immer noch regnerisch, so wärmten wir uns im kleinen Ort mit einem Tee etwas auf, bevor wir wieder los paddelten um einen Schlafplatz zu suchen. Die Nacht verbrachten wir wieder unter einem Felsvorsprung den wir zuerst vom Sand freischaufeln mussten. Auf dem Fluss nahmen die Schwierigkeiten wieder zu, von jetzt an nicht mehr mit WW 4-5 zwischendrin sondern moderateres WW 3. Das erlaubte spielereien im Fluss und war mental nicht mehr ganz so herausfordernd. Wir konnten es richtig geniessen.
Kurz nach Mittag trafen wir auf Ruedi. Er war zurück vom Trekken und fand mithilfe eines Trägers dort zum Fluss runter wo die Schwierigkeiten wieder abnahmen.
In der folgenden Nacht regnete es endlich mal nicht: Wir fanden einen super Strand zum kochen, Karten spielen und schlafen. Am nächsten Tag gab es Traum Wuchtwasser, 40km nonstop. Das meiste immer noch auf der Chickenline in Ufernähe, aber doch voll zu geniessen. Kurz vor der Dunkelheit hatten wir doppelt so viel Strecke gemacht wie Anfangs angenommen und waren in Tumblingtar beim Flughafen.
Als erstes versuchten wir heraus zu finden wo Simon steckt. Wir riefen in den einzelnen Dörfer an und fragten ob der „Grosse“ schon vorbei gekommen ist. „Ahh, der ohne Schuhe!?“ war jeweils die Antwort. So wussten wir wo er ungefähr war und waren sicher, dass er am nächsten Morgen in Tumblingtar sein wird.
Die Landebahn in Tumblingtar war noch immer nicht in Stand gesetzt worden, die Flieger jedoch kamen jetzt trotzdem und landeten/starten einfach auf der Wiese nebenan. Der Flieger gleich am ersten Tag war leider schon voll, doch am 18. November klappte es und wir konnten nach Kathmandu zurück fliegen.
Für mich wird der Trip für ewig in Erinnerung bleiben. Es gab viele Probleme und Herausforderungen die gemeistert werden mussten. Im Nachhinein zurück zu schauen gibt mir ein super Gefühl. Die Landschaft war traumhaft, die Schluchten der Hammer und der Fluss eine super Herausforderung.
Text: Ron Fischer









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