Chile war wild, hart und zeitaufwändig. Viel paddelfreie Zeit zum Berichten gab es nicht. Nun ist Ron wieder in der Schweiz und erzählt aus Südamerika, denn "zum Paddeln ist es nun wieder viel zu kalt".
Nach der Expedition in Kolumbien ging es für Ron Fischer nach Chile - doch in Chile hieß es mehr paddeln als Berichte schreiben. Jetzt ist Ron zurück in der kalten Schweiz - und hat Zeit, zu erzählen, was er in den letzten 5 Wochen erlebt hat.
Quelle: Ron Fischer
Was Ron, Severin und Kees am Anfang ihres Trips in Kolumbien erlebt haben, konntet ihr auf kajak.at schon mitverfolgen:Kajak kam nicht mit in den Flieger, Finger fast abgeschnitten, letzten Bus verpasst, drei Tage Spital in Pasto, ungewollte Nächte ohne Essen und Schlafsack.Doch dann: Kajak vor Ort organisiert, Finger verheilt, konnten Taxi organisieren, gesund aus dem Spital raus und traumhafte Schluchten erstbefahren. Am Ende kam es immer gut und die drei können jetzt auf einen spannenden und unvergesslichen Kajaktrip in Kolumbien zurück blicken.
"Diese 'Hochs und Tiefs', cooler ausgedrückt 'Up and Downs', erleben wir andauernd auf unseren Reisen. Das gibts nicht nur daheim im langweiligen Arbeitsalltag, das gibt es auch in den Ferien, besonders wenn man länger unterwegs ist so wie wir gerade.", erzählt Ron, "Natürlich ging es mit den Up and Downs nach Kolumbien ohne Unterbruch weiter. Von Quito wollten wir mit unseren Kajaks nach Santiago de Chile fliegen, doch das war auf normalem Weg ein Ding der Unmöglichkeit. Der einzige Weg war die Luftfracht von LANcargo. 550 Dollar für zwei Kajaks!".
In Chile holt Sebastian Striebel Ron und Severin am Flughafen ab, sie treffen auf Daniel Herzig und können innerhalb nur zwei Tagen ein perfektes Mietauto organisieren. Am dritten Tag können die vier Julian Mihe und ihre Kajaks am Flughafen abholen und waren noch am selben Abend am Rio Claro.
"Das Wetter war perfekt und die unzähligen Wasserfälle ein genialer Spielplatz für die nächsten zwei Tage.", schwärmt Ron.
In Pucon trafen sie auf viele andere Paddler und Freunde. In der Nacht feiern und am Tag creeken. Gleich am ersten Tag gelang Ron die Befahrung des El Mariman auf dem Trancura im Hauptwasser. Ein Ding, dass ihm schon seit zwei Jahren in meinem Kopf umher schwebt. Ein paddlerisches Highlight!
Quelle: Ron Fischer
Ron am El Mariman
Quelle: Ron Fischer
Nach der ersten Nacht jedoch finge es an zu regnen und es war nichts mehr mit Lagerfeuer und draussen Schlafen, ein Hostel musste her.
Nach vier Tagen hatten Ron, Severin, Julian, Daniel und Basti genug von der Partystadt und von "jungen-vollkrassen-supercoolen-Typen". "Das erste was diese Jungs einen Fragen ist: 'Have you guys run Seventy?' Seventy ist der grosse Wasserfall auf dem mittleren Palguin, ca 23 Meter hoch und wenn man sich da nicht runter gehauen hat, dann paddelt man bestimmt nicht auf derem Niveau und ist uncool. Wir liessen den "Seventy" aus und machten uns auf den Weg zu technisch schwerem, schönen Wildwasser ohne in Gefahr zu laufen sich die Nase zu brechen oder Trommelfelle zu zerreissen. Einige Ausnahmen gab es dann aber doch...", erzählt Ron.
Es regnete ununterbrochen und auf dem Weg Richtung Süden lagen drei Klassiker. Rio Fuy, Gol Gol und der Salto Alerces auf dem Rio Manso in Argentinien. Eigentlich hatten diese Flüsse zu viel Wasser und die Jungs waren sich zu Beginn jeweils nicht sicher ob es viel Sinn macht einzusteigen. Schlussendlich gelang es ihnen jedoch jede Stelle zu befahren und das war für Ron paddlerisch ein riesiges Highlight!
"Allerdings muss ich auch erwähnen, dass vier Schwimmer, ein gebrochenes Paddel und eine blutige Nase dabei waren. Nichts wildes...", sagt Ron. Die genaue Story gibt es hier.
Bild rechts: Der Salto Alerces
Zu Silvester war die Gruppe in Barilotche Argentinien bei Mariano und seiner Familie eingeladen und es gab gutes Essen und Wein. "Ein gemütlicher, mega schöner Silvester!", erzählt Ron begeistert.
Nach Silvester ging es nach Futaleufu. Ein kleines Dörfchen, in dem man sich fühlt als sei man ein einem Wild West Film: Auf den Strassen ist nicht viel los, es regnet und ein starker Wind weht, umgeben von einer atemberaubenden Landschaft. Vor der Panaderia (Bäckerei) trifft die Gruppe auf Josh Lowry, einen "alten Hund". Mit 57 Jahren auf dem Buckel, die letzten 17 davon am Rio Futaleufu, gehört er zu denen die den "schönsten Fluss der Welt", wahrscheinlich schon X-tausend mal befahren hat. Komplett relaxt wie kein Anderer den ich jemals erlebt habe, fragt er uns was für Pläne die Jungs haben und erzählt, dass er den Futa noch nie mit so viel Wasser erlebt hat! Er schäzt circa 900qm3/s!
"Wir wollten eigentlich gleich mal in den Inferno Canyon, meiner Meinung nach der beste Abschnitt. Darauf meint Josh nur, dass erst wenige diese Saison durch den Canyon sind, er und ein paar seiner Raftguides jedoch dabei wären am Nachmittag.", berichtet Ron.
So treffen sich die Jungs dann etwas später schon etwas nervös bei seiner Raftbase im Dorf. Severin, Julian und Ron kannten den Fluss schon - jedoch mit einem Drittel von dieser Wassermenge! Für Daniel war alles neu und somit doppelt spannend. Bei weniger Wasser gibt es klare Linien zum fahren, grosse Walzen durch die man nicht fahren soll und grosse Pools nach jedem Rapid. An dem Tag fanden sie nur noch explodierende Wassermassen vor. Keine grossen Walzen, nur riesige sich ständig ändernde und explordierende Wellen und eine Linie von oben bis unten in der Flussmitte. Am Rand waren grosse Verschneidungen und Whirlpools von denen man mitsamt dem Creekboot einfach verschluckt werden könnte. "Wir hatten unglaublich Spass auf dem Fluss und waren richtig froh endlich wieder am Futaleufu zu sein. Eine Woche am Fluss unter einem Dach campen, Lagerfeuer und jeden Tag richtig geil Boot fahren.", schwärmt Ron.
Quelle: Ron Fischer
Quelle: Ron Fischer
In der Schlucht des FutaleufuDas Lager am Futaleufu
Außer, das es ununterbrochen regnete, waren die Jungs seit langer Zeit ohne "Tiefs" unterwegs. Alles passte und weil sie das erste mal mit einem Mietauto unterwegs waren das erst drei Jahre alt ist und keinen Ärger machte, waren sie guter Hoffnung es runter zum Rio Baker und wieder zurück nach Santiago zu schaffen.
Doch leider sollten sie sich da täuschen...
Warum der Rio Baker doch plötzlich soo weit weg scheint, und warum die Futa-Idylle schwindet, erzählt uns Ron im nächsten Teil.
Text: Ron Fischer & Michelle Hombach












Nach vier Tagen hatten Ron, Severin, Julian, Daniel und Basti genug von der Partystadt und von "jungen-vollkrassen-supercoolen-Typen". "Das erste was diese Jungs einen Fragen ist: 'Have you guys run Seventy?'
Haha, kann mir schon vorstellen wer das war...