Yangtze – Der Fluss der durch den Himmel fließt

Stromschnellen im oberen Schwierigkeitsgrad, ein Basketballturnier mit Einheimischen, singende Mönche, Besuche von Klöstern und vieles mehr hat Asien Experte Toni Grießbach auf seiner Jubiläumsexpedition am Yangtze erlebt.

TopSiteNews Yangtzee

Asien Experte Toni Grießbach, nach eigener Definition "ein echter Bayer der das Reisen in exotische Länder liebt" berichtet uns hier von seiner Yangtze Expedition.

Falls du Lust auf mehr bekommst, Toni macht auch Filmvorträge, nächstes Wochenende ist er im bayrischen Wald, Infos ganz unten, den gesamten Erlös spendet der Toni an SOS Kinderdorf!

“Hallo Leute, dies ist eine sehr seltene Gelegenheit. Ich suche nach ein paar Wildwasser 4 – Kajakfahrer, die mich und meine Schwester und nach Möglichkeit einige geeignete chinesische und tibetische Freunde auf einer Jubiläumsfahrt auf dem oberen Yangtze in Westchina begleiten wollen. Die Absicht ist, die Erstbefahrung des Flusses, die vor 20 Jahren war zu feiern......”, so begann ein Mail von Travis.

6 Wochen später und nach einer Woche Vorbereitungen, Akklimatisation und Anreise sind wir nun hier in Chumalai, unserem Einsatzpunkt in 4600m Höhe.

Yangtze  Grießbach

Quelle: Toni.1

Hier oben im ehemaligen Tibet und heutigen Qinghai wird der Yangtze, „Tongtian He“ = „Der Fluß der durch den Himmel fließt“ genannt.
1986 begann hier der Wettlauf um die Erstbefahrung zwischen chinesischen und amerikanischen Abenteurern. Schließlich gewannen die unerfahrenen chinesischen Rafter das Rennen, aber der Preis war hoch. 11 Chinesen ertranken bei ihrem Horrortrip auf dem Hochwasser führenden Yangtze. Das amerikanische Team musste aufgeben, nachdem sich das Team zerstritten und getrennt hatte. Unglaublich große Stromschnellen und unkontrollierte lebensbedrohliche Situationen führten dazu.

Unsere Gruppe setzt sich aus 9 Amerikanern, einem Deutschen und 8 Chinesen und Tibetern zusammen. Im Gegensatz zu dem Wettlauf vor 20 Jahren ist es unser Ziel auf eine multinationale Expedition mit internationalen Freunden zu gehen.

Yangtze  Grießbach

Quelle: Toni.1

Bald starten wir flussabwärts. Wir treiben nun durch ”den Himmel” und wir sind einfach nur überwältigt.
Am nächsten Morgen werden wir nach einer klaren und kalten Nacht von der Sonne begrüßt. Nach einem einfachen Frühstück, mit Brot und Eiern machen wir uns unter strahlend blauem Himmel auf den Weg in eine unbekannte Gegend.
Unsere Flotte besteht aus 3 Schlauchbooten, 6 Kajaks und 2 aufblasbaren Kajaks.
Drongma Tso und Ron, unsere neuen tibetischen Freunde, haben die Gruppe auf das mögliche Maximum aufgefüllt und Ron übernimmt bald zusammen mit Carmen die Ruder eines Rafts, nachdem ihm gezeigt wurde, wie es geht.
Wir haben einen chinesischen Kajakfahrer, Guo Zheng unter uns. Er ist vielleicht der erste chinesische Kajakfahrer, der an einer solch bedeutenden Expedition teilnimmt. Schnell gewöhnt er sich an die scharfen Kehrwasserlinien und die starke Strömung des Flusses. Die meisten unserer chinesischen und tibetischen Führer und Freunde sind das erste Mal auf einer Fluss-Expedition. Zum Glück ist der Fluß heute freundlich und bietet unseren neuen Freunden eine angenehme Einstimmung. Ihre Feuerprobe wird später folgen.

In den Schlauchbooten ist die gesamte Ausrüstung.
So können die Kajakfahrer sich mit leichten Kajaks auf dem Fluß spielen. Nur das Kajak des Fotografen und Filmers ist schwer mit technischer und teurer Ausrüstung beladen.
Da die Kajaks wesentlich wendiger als die Schlauchboote sind, fällt den Kajakfahrern die Aufgabe zu für Sicherheit zu sorgen. Sie bleiben vor der Gruppe um vor großen Stromschnellen zu warnen und im Falle einer Kenterung sorgen sie für die Bergung von Schwimmern oder Rafts.

Yangtze  Grießbach

Quelle: Toni.1

Nach einigen Stunden auf dem Fluß halten wir für die Mittagspause an und auch um mehr Sonnencreme aufzutragen. Hier oben in über 4000m Höhe ist die Sonne sehr intensiv und die UV-Strahlung sehr stark, so ist es notwendig einen guten Sonnenschutz zu verwenden um ernsthafte Verbrennungen zu vermeiden.
Dank der großen Wassermasse und dem leichten Wildwasserschwierigkeitsgrad legen wir heute an die 80 km zurück, mehr als jeder von uns zuvor an einem Tag zurückgelegt hatte. Zudem haben wir viel Zeit die grandiose Landschaft zu genießen.
Während man solch einen Fluß heruntertreibt ist der Stress und die Hektik eines normalen Lebens in einer großen Stadt schnell vergessen und schnell gewöhnen wir uns an ein Leben geprägt von natürlichen Bedürfnissen und Aktivitäten.

Die tibetische Hochebene, oft als “Dach der Welt” oder “Dritter Pol” bezeichnet ist das höchste und größte Plateau auf dem Planeten Erde. Es ist aber kein Plateau im traditionellen Sinn – es ist ein Talbecken. Im Norden ist es durch das Kunlum- Altyn Tagh und Gobigebirge, im Westen durch das Karakorum, im Süden durch den Himalaya und im Osten durch das Osttibetische Gebirge und noch weitere Gebirgszüge begrenzt. Im Osten haben sich die Flussläufe einen Weg gegraben, um das tibetische Plateau zu entwässern. Sechs der längsten Flüsse der Welt kommen aus dieser Hochebene; der Indus, der Brahmaputra, der Salween, der Mekong, der Yellow und der Yangtze.

Allein die Tatsache hier zu sein, erfüllt uns mit einem großartigen Gefühl und wir verstehen warum der Fluß hier Tongtian He oder “Der Fluß der durch den Himmel fließt” genannt wird. Es ist nicht nur die große Höhe, hier zu sein erzeugt auch ein intensives Gefühl von Frieden, ein Gefühl näher am Himmel zu sein als überall sonst.

Yangtze  Grießbach

Quelle: Toni.1

Wir denken nicht über das Feiern des 20. Jubiläums der Erstbefahrung nach, wir sind vielzusehr mit unserer Gruppe selbst beschäftigt und damit, diese wunderbare Gegend zu genießen.
Immer wieder werden wir von Einheimischen eingeladen Klöster und Dörfer zu besuchen, oft sind wir die ersten westlichen Gäste überhaupt. Vor einem Kloster befindet sich ein Basketballfeld und wir werden zu einem Turnier herausgefordert. Es ist nicht nötig zu erwähnen, dass die Einheimischen um Längen besser sind, als wir. Sie sind an die große Höhe, deutlich über 4000m gewöhnt, und wir – immer noch nicht komplett akklimatisiert müssen alle paar Minuten auswechseln. Aber wir alle haben sehr viel Spaß.
Nach 3 Stunden im Dorf begleiten uns alle Dorfbewohner zum Fluß um “Auf Wiedersehen” zu sagen. Harlan und Don machen ein paar Vorführungen im Kajak und fast hätten sie noch Autogramme geben müssen.

Yangtze  Grießbach

Quelle: Toni.1

Yangtze  Grießbach

Quelle: Toni.1

Wir zählen bereits unseren 7. Flusstag und manche glauben vielleicht, dass diese lange Zeit auf dem Fluß langweilig und monoton werden könnte. In der Tat machen wir die gegenteilige Erfahrung. Jeder Tag bringt uns so viel Neues, neue Sichtweisen und neue Abenteuer. So wollen wir keinen einzigen Tag der Expedition missen.
Auch am nächsten Tag paddeln wir nicht weit bis wir uns entscheiden ein Dorf und Kloster zu besichtigen, das in einer Flussbiegung liegt. Nur unsere tibetischen Freunde entscheiden sich, genug Klöster gesehen zu haben. Sie bleiben lieber am Fluß, fischen und blicken ins Wasser. Darauf angesprochen, sagen sie “wir können den Buddha auch im fließenden Wasser sehen”. Je weiter wir flußab kommen, desto mehr Dörfer und Klöster tauchen auf. Im oberen Abschnitt gab es kaum Bevölkerung, nur manchmal leben dort Nomaden in ihren Zelten.

Obwohl wir noch 60km bis Yushu vor uns haben und es am nächsten Tag erreichen sollten, nehmen wir die Einladung von Mönchen an und steigen hinauf ins Dorf, weit oberhalb des Flusses.
Von unserem Besuch hörend, begrüßen sie uns freundlich und singen für uns ein Gebet. Wir sind sprachlos. Wir steigen auf den Gipfel zu ihrem Kloster. Die Mönche hier sind noch nie Ausländern begegnet und wir verbringen gemeinsam einen sehr heiteren Abend. Sie überhäufen den Tisch mit Essen, Snacks und Getränken. Ihre handgemachten Nudelgerichte schmecken vorzüglich.
Danach sitzen wir auf dem Bergrücken und lassen unseren Blick in die Tiefe, in das majestätische Tal schweifen. Wir sind total überwältigt von der Großzügigkeit der Leute hier. Wir können versuchen was wir wollen, aber wir werden nie die Gelegenheit haben diese Gastfreundschaft zu erwidern. Unsere Spende erscheint uns hilflos und viel zu wenig, für die schönen gemeinsamen Stunden.
Jeder von uns sucht sich einen schönen Platz hier oben und legt sich im Schlafsack unter freiem Himmel bei strahlendem Vollmond zum schlafen.

Yangtze  Grießbach

Quelle: Toni.1

Am nächsten Tag, zurück am Fluß fühlen wir uns daheim. Mittlerweile haben wir uns an die Wassermassen gewöhnt und das schlammige Wasser sieht in unseren Augen längst nicht mehr so braun aus, wie zu Beginn. Auch die dünne Luft macht uns nicht mehr so stark zu schaffen.
Wir lieben diese Art des Lebens: Kajak fahren, Rafften, am Fluß campen, Einheimische treffen, die Kultur, Fotografieren, Filmen und die Natur genießen.
Wie kommt es, dass diese Welt viel angenehmer und schöner ist – zumindest für eine gewisse Zeit – als die Welt bei uns zuhause? Wir wollen wissen, ob die Einheimischen das genauso sehen – und danach gefragt, stimmen einige zu.

Am späten Nachmittag des 11. Flusstages erreichen wir die Zhimenda Brücke an der Straße nach Yushu.
Gut über 300km Yangtze liegen hinter uns, aber es ist zu früh zum Feiern. Wir haben noch über 100km vor uns und wir erwarten einige größere Stromschnellen. In einigen Kilometern kommt die Stelle, wo Yao Maoshu während seiner Erstbefahrung 1985 verunglückte. Hoffentlich erreichen wir unser Ziel gesund und rechtzeitig.
Während wir Qinghai verlassen und der Fluß die Grenze zwischen Sichuan und Tibet bildet, wechselt der Yangtze auch seinen Namen. Wir verlassen den Tongtian He und sind auf dem Jinsha Jiang, dem “Fluß mit dem Goldenen Sand“.
Der Yangtze legt an Geschwindigkeit zu. Einige brüllende Stromschnellen erwarten uns. Um hier heil durchzukommen sind fundierte Rafting- und Kajakkenntnisse gefragt. Die Kajakfahrer sollten die Eskimorolle perfekt beherrschen um im Falle einer Kenterung schnell wieder in die aufrechte Position zu kommen. Hier schwimmen zu müssen, wäre absolut kein Vergnügen.
Aus Sicherheitsgründen bleiben wir in einer Gruppe zusammen und wir konzentrieren uns darauf, sicher den Fluß hinunter zu kommen.
Am Ende einer langen Stromschnelle wird ein Raft gegen einen Felsen in Flussmitte gedrückt. Das Boot rotiert im Wasser und wird mehrmals komplett unter Wasser gezogen. Mit Hilfe der anderen Rafts und Kajakfahrer kommen alle Passagiere wieder ans Ufer. Dies war die erste Kenterung Yeshi's und wir versichern ihm, dass es nicht die letzte bleiben wird. Mit einer improvisierten Reparatur des Rafts können wir die Fahrt flußab fortsetzen.
Am Ende des 13. Tages am Fluß bauen wir unsere Rafts ab und beladen den Lastwagen. Nach einigen Stunden Fahrt, sitzend auf dem Gepäck auf der Ladefläche des Lastwagens und nach 30 Stunden Busfahrt werden wir wieder zurück in Xining sein.

Nach einer wunderbaren Reise holt uns die Realität ein und erscheint uns unwirklich und unpassend. Uns bleibt nichts anderes übrig als uns mit Geschichten unseres großen Abenteuers zu begnügen, zumindest bis zum nächsten Mal!

Yangtze  Grießbach

Quelle: Toni.1

Wie bereits gesagt, der Toni zeigt seine Yangtze Expedition im bayrischen Wald.

Der Erlös des Eintrittspreises wird für SOS Kinderdorf gespendetErwachsene 8 €Schüler, Studenten 6 €Termine 2009Sa 7.3. 19:30Gasthaus Gibis, 94133 KumreutSo 8.3. 18:30Gasthaus Bachlwirt, Lieblmühle 6, 94051 HauzenbergDas ist auch die Gelegenheit um bei unserem Partner kajakladen.com reinzuschauen!

Text: Toni Grießbach, Peter Feldhammer
WebTipps: Tonis Homepage www.dia-ag.de || Paddeln im Reich der Mitte ein Bericht auf kajak.at

Im Social-Web teilen:

3 Kommentare

  1. TrustedPaddler

    Sehr schöner Bericht, klasse Expedition.

    Das macht Lust auf mehr, weiter so!!

  2. TrustedPaddler
    steinbruchvor 11 Jahren

    gfrei mi a scho unbaendig auf den beitrag

  3. TrustedPaddler

    ....und als Zugabe gibts noch einen kurzen Trailer meiner Kirgistan-Expedition vom letzten Jahr, den ich gerade noch im Hintergrund render. ;-)
    Bis morgen bzw. übermorgen
    Toni

Hinterlasse einen Kommentar

Deine Mailadresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind markiert mit *.

Deine Daten

Bitte achte auf eine korrekte Mailadresse. Wir schicken dir gleich eine Mail, um deine Identität zu verifizieren. Dein Eintrag wird erst danach angezeigt.