Wasserkraft als Allheilmittel in Tirol

Die Landesregierung Tirol forciert noch einmal den Ausbau der Wasserkraftanlagen, als Allheilmittel gegen Klimawandel und Gasstreit. Andere regenerative Energiegewinnungsmöglichkeiten und effizienzsteigernde Maßnahmen treten immer weiter in den Hintergrund.

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wOLFGANG rETTER Osttirol

Quelle: wasser-osttirol.at

Mit der „Bitte um Unterstützung in der kommenden, nicht ganz leichten Zeit“ trat Wolfgang Retter vom Netzwerk Wasser Osttirol an kajak.at heran. Unter dem Deckmantel der „Unabhängigkeit im Energiebereich“ in direktem Zusammenhang mit der Gaskrise der letzten Wochen und des Einhaltens der Klimaschutzziele drängen Stromwirtschaft, Industriellenvereinigung und so manche Politiker auf Sondergesetze zur rascheren Errichtung neuer Wasserkraftwerke.

Dabei ist das Wasserkraftpotenzial der Alpenrepublik laut Netzwerk Wasser Osttirol „gewaltig“ überschätzt. Bisher sind schon nahezu drei Viertel der nutzbaren Gewässer ausgebaut.

Der Anteil des Wasserkraftstroms am Gesamtenergieverbrauch Österreichs beträgt jedoch lediglich neun Prozent. Mit einem Vollausbau wäre also maximal ein Anteil von 12 % am Gesamtenergieverbrauch erzielbar.

Die Wasserkraft als Ersatz für russisches Gas zu benutzen, scheint dabei besonders naiv, denn grade im Winter fallen die meisten Wasserkraftwerke in ein „Winterloch“. Das Dorferbachkraftwerk in Kals liefert im Winterhalbjahr beispielsweise nur ein Fünftel des Ertrags des Sommerhalbjahres. Diese Ausfälle müssen im Winterhalbjahr dementsprechend kompensiert werden und dies geschieht meist über thermische Kraftwerke, die mit Gas betrieben werden.

Hochspannung Osttirol

Quelle: wasser-osttirol.at

Das Netzwerk Wasser Osttirol ruft deswegen die Landesregierung und Lokalpolitik nochmals auf, ihre ökologischen Förderkonzepte zu überdenken und den Ausbau anderer CO2-armer nachhaltiger Energiequellen zu forcieren. Insbesondere das Umlenken der Fördergelder zu Projekten, die weit weniger ökologische Schäden hervorrufen, steht somit ganz oben auf der Agenda. Windkraft-, Solarthermie-, Photovoltaik- und Biomasseprojekte sollten weiter vorangetrieben werden, denn grade sie sichern im ländlichen Raum neben der Energieversorgung „unabhängige und breitgestreute“ Arbeitsplätze.

Die beste Lösung wäre es jedoch, endlich das Einsparpotential zu erkennen und entsprechende Projekte zur besseren Wärmedämmung und einen bewussten Umgang mit dem Auto zu fördern. Laut Landesrechnungshof ist dies grade in Tirol nicht der Fall. Das Bundesland mit den meisten Ölheizungen weißt in Österreich die weitaus größte Zunahme an CO2-Emissionen aus Raumwärmegewinnung auf. Das „Wundermittel“ Wasserkraft kann diese Missstände in keinem Fall bekämpfen.

Download: Flyer I, Flyer II
Web-Tipp: www.wasser-osttirol.at

Text: Wolfgang Retter, Sebastian Lüke

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Ausgebildeter Physiker, Redakteur, Herr über Tausend Zeilen Code auf 4-Paddlers.com und spätberufener zugereister Paddler aus Augsburg.

1 Kommentar

  1. no-avatar
    toni kuenvor 8 Jahren

    Der härteste und wichtigste Kampf des 21. Jahrhunderts wird ohne Waffen geführt. Die Werkzeuge dieses Kampfes heißen: Energieeffizienz, Energie sparen und erneuerbare Energien.
    Franz Alt

    Die Zerstörung der Natur durch den Menschen ist leider vielfältig: Rücksichtslosigkeit, Unwissenheit, Egoismus, Gier sind die bewussten oder unbewussten Motve.
    Die Isel zu zerstören ist ein nicht zu wiedergutmachender Naturfrevel. Betrachtet man die Schönheit der Flora und Fauna an der Isel,wundert man sich über die Kraftwerkspläne. Die Rote Liste wurde nicht umsonst erstellt.Diese Liste sollte schützen und nicht weitervernichten.
    Man muss nicht ein anerkannter und hochgeschätzer Biologe wie Herr Dr. Retter sein,der meine große Bewunderung hat, um für diese Naturjuwele einzutreten. Es genügt der Blick über den Teller, dass man die Isel als Natura 2000 ausweisen MUSS !
    Die Deutsche Tamariske steht unter strengen Naturschutz. Und die Stromkeule mit der Drohung, es braucht aber alle Licht, kann sich die Tiwag sparen. Es ist genug Strom in Osttirol vorhanden. Es geht um die Strombörse. Zusätzliche sinnvolle Alternativen werden von Herrn Dr. Retter genannt.
    Naturschutzrechtlich besonders geschützte Teile von Natur und Landschaft weist die Isel zur Genüge auf.
    Von dieser Seite NEIN zu den Kraftwerken und Vernichtung eines Naturjuwels Isel.
    mfg. toni kuen

    p.s.
    ich war diese Woche einen Vortrag von Herrn Dr. Retter über Wasserkraftwerke. Der große Applaus von Wissenschaftlern und Naturschützern sprachen Herrn Dr. Retter sicher großen Mut zu, für die Isel so toll weiterzukämpfen.
    www.netzwerk-wasser-osttirol.at/netzwerk.php

    noch ein p.s.

    viel Freude an euren Sport und kommt immer gesund nachhause

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