Matze Brustmann - trotz wochenweise Bootstage kürrt Matze einen Tag mit nur einer Stunde Paddelzeit zu seinem "Perfect Day 2009". Keine haarsträubende Geschichte, sondern eine ehrliche Geschichte mit der Heidi und dem Simon.
Der "Perfect Day" von Matze Brustmann führt uns an die Sorba. Doch wie das bei den tollen Paddeltagen oft ist, lassen sich diese nicht planen - so gibt es leider keine Fotos.
Ich soll also meinen besten Paddeltag 2009 zum Besten geben. Nun ja, da fällt die Auswahl doch recht schwer, wenn es doch so viele gute waren und man ja auch nicht immer nur von den haarsträubenden und vor Action strotzenden Geschichten erzählen will, die nach dem Adrenalinrausch sowiso total übertrieben klingen, so das sie einem keiner glaubt. Paddlerlatein ist reine Wahrnehmungssache!
Mir ist ein Tag besonders im Gedächtnis geblieben. Auch wenn wir an diesem Tag gerade mal eine Stunde gepaddelt sind.
Das ganze geschah Ende Mai und mir war vergönnt dreieinhalb Wochen im Piemont und Tessin zu verbringen, wo ich einige Paddelkurse für den Olli gab. Der Vorhergehende Winter war ja in den Südalpen recht heftig ausgefallen und so brauchten wir uns um ausreichend Wasser keine Sorgen zu machen. Am Rande bemerkt hat es in der Zeit in der wir dort waren genau 2 Tage lang geregnet uns so hatten wir bei konstanten 27°C konstant Bestwasserstände im Gesamten Val Sesia, Val Verzasca... na Überall!
Quelle: BayernFlo
An dem besagten Tag also hatten wir gerade einen Kurs beendet und waren "On Fire" ein paar Tage auf eigene Faust los zu ziehen. Simon Westgarth und Dr. Stefan Schenk waren auf meiner Seite, hatten allerdings genau wie Ich, der am Vorabend in der Campingbar von Campertogno tobenden Irenfeier nicht aus dem Weg gehen können. So hatten wir unser ehrgeiziges Ziel vor 9 auf dem Bach zu sein auf 11 verschoben, um dann tatsächlich um 12 auf der Oberen Sorba ein zu steigen.Die Sorba liegt dort Oben in einer zwar nicht sehr Tiefen, aber nichts desto trotz schwer begehbaren, wunderschönen Schlucht und man muss je nachdem wo man einsteigen will ein Stück weit Hochtragen. Die Schlepperei tat Stefan und mir offensichtlich gut da wir am Einstieg unseren Enthusiasmus wieder hatten. Nur der Simon war noch nicht wieder voll auf dem Damm. Er schwitzte, beklagte sich er habe jetzt Hunger und konnte sich für die vielen großartigen Rutschen und Wasserfälle nur mässig erwärmen. So tobten Stefan und ich uns einige Zeit aus während sich Simons Miene zusehends verfinsterte und er schließlich nur noch vor sich hin brabbelte und man ausser "Hunger" kaum noch was Verstand. Wir ignorierten es.Bild links: Eine der vielen Rutschen auf der Sorba-Standardstrecke
Quelle: BayernFlo
Wir hatten zwischenzeitlich das Kernstück erreicht, doch um zu Scouten mussten wir zunächst ein Stück aus der Schlucht heraus und oben am Rand entlang bevor wir etwas weiter wieder hinunter kletterten um den Bach gut einsehen zu können. Simon, der nicht das Bedürfnis hatte eine der folgenden Stellen zu fahren, nahm einen anderen Weg. Er zerrte sein Boot keuchend durch den steil abbrechenden Wald. Fluchend durch's Unterholz brechend. Stefan und ich waren gemütlich oben dem Weg gefolgt und erwarteten Simon, der mit Hochrotem Kopf daher kam am Bach. Er hatte sich bei seiner Kletterei ziemlich böse in die Hand geschnitten als er an einer Felsplatte abrutschte. Wir haben uns später gefragt ob er das vielleicht absichtlich getan hat. Jedenfalls bestand sein Wortschatz mittlerweile zu 95% aus dem "H-Wort" und uns wurde klar das wir Ihn hier raus und ins nächste Restaurant schaffen mussten.Bild oben: Scouten an der Sorba
Also schulterten wir Simons Boot damit er mit seiner gesunden Hand, die andere hatte Stefan ihm notdürftig zusammengetaped, aus der Schlucht klettern konnte. Da stieg seine Laune beträchtlich!
Fährt Man das Tal der Oberen Sorba so weit wie möglich hinauf und spaziert dann noch ein Stückchen weiter, kommt man in den Genuss einer umwerfenden Aussicht und eines Geheimtipps für jeden der gern Brotzeit macht. Die Heidi, kein Witz. Eine gemütliche Berghütte, Findlinge auf einer saftigen Wiese, Ziegen, Katzen, ein Einbeiniger Hund viel Sonne und eben die Heidi.
Es war ungefähr halb drei als wir auf Heidis Terasse aufschlugen. Halb drei ist in Italien keine Essenszeit! Simon aber wollte sich dennoch vergewissern, und auf seine Frage hin und einen verwunderten Blick meinte Heidi sie könne uns Pasta machen. Simon war nun einer Extase nahe und als dann plötzlich ein Tisch voll Antipasti vom feinsten, selbst gemachtes Brot und Butter und eine Flasche Wein auf dem Tisch Stand, war Simons Miesepetrigkeit und die abgebrochene Sorbabefahrung vergessen und verziehen. Spaghetti Carbonara, Espresso und ein Nickerchen im Gras. Verdammt so lässt sich's leben!
Quelle: BayernFlo
Das Sorba-Tal
Am frühen Abend beschlossen wir wegen des zu kurzen Paddeltages noch eine kurze runde auf der Gronda zu drehen. Zwei Bäche sind ja schließlich Plicht, ooooooder??? Ausserdem hatte der Simon so die Gelegenheit uns zu beweisen das er ganz wie ein echter Ire (oder wars doch Engländer?) die Zähne zusammen beissen und trotz Verletzung seinen Mann stehen konnte.
Abends tappten sie dann alle drei Blindlings wieder in die gleiche Bar mit den gleichen Iren und dem gleichen Bier.
und wenn sie da nicht geblieben sind, dann Paddeln sie noch heute.
Ende
Matze













geile story, matze!!!
Ja Matze, ein legendärer Tag!
Auch ich erinnere mich gerne...