Kajaksport = Motorsport?! Muss nicht sein, das zeigt die diesjährige Norwegen Tour von Ron Fischer und Freunden mit dem Zug. Eins ist sicher, einfach war es nicht, aber der verlorene Autoschlüssel kann so nicht zum Urlaubsschreck werden!
Paddelsport ist Motorsport? Nicht unbedingt, dachten sich Ron Fischer, Luke Wielatt, Tomass Marnics und Bernjamin Hjort - und reisten zwei Wochen mit der Bahn durch Norwegen. Gar nicht so einfach - hat man als Paddler doch einiges an Gepäck dabei und ist das Schienennetz in Norwegen nicht so gut wie das der Schweiz. Und ganz zu schweigen davon, dass der Zug nicht an jedem Ein- und Ausstieg anhält - doch der "Paddletrain" wird für die vier trotzdem zu einem unvergesslichen Abenteuer!
Quelle: Fischer/Benjamin Hjort Ron
Ein viel gehörtes Sprichwort unter Paddlern: „Kajaksport gleich Motorsport“. Muss nicht sein, dachten wir uns und buchten Interrail Tickets für Norwegen. Die Kajaks gepackt mit allem was man so braucht zum Überleben, stiegen wir in Voss in den Zug und los ging das zweiwöchige Abenteuer.
Wir, das sind: Tomass Marnics aus Lettland, Lukas Wielatt und ich aus der Schweiz sowie der Norweger Benjamin Hjort der den ganzen Trip auf die Beine gestellt hat.
Die Ungewissheit plagte uns am Anfang - in Norwegen fährt nicht jede halbe Stunde ein Zug. Die wenigen Züge jeden Tag haben beschränkt Stauraum für Fahräder respektive Kajaks, aber die sind offiziell im Zug nicht erlaubt. Haben wir jeweils genug Zeit um unser Material ein- und auszuladen und sind uns alle Kondukteure freudlich gesinnt? Wir mussten es einfach mal ausprobieren.
In der Schweiz kauft man sich ein Ticket, steigt in den nächsten Zug und fährt so ziemlich Überall hin wo man will. In Norwegen jedoch ist das Schienennetz verhältnissmässig klein, es verkehren meistens nur ein bis zwei Züge pro Tag, die Platz für Fahrräder bieten und man muss seinen Sitz im Zug immer im Voraus reservieren. Wir mussten also so einiges planen und festlegen und das fällt Paddlern bekanntlich nicht ganz einfach.
Ausgangspunkt war Voss und somit stand der Klassiker Raundalselva als erstes auf dem Programm. Jedoch nicht allzu klassisch, wir starteten in Upsete dem obersten möglichen Einstieg ca. 15km oberhalb vom Mjölfjellet, dem normalen Einstieg. Viel Wasser von unten und oben, dazu tiefe Temperaturen prägten die ersten 25km bis zum Bahnhof in Reimegrend, der wahrscheindlich bekannteste Bahnhof unter Kajakfahrern, ist er doch der Einstiegsort für die „Railway Section“ auf der Raundalselvi. Zu unserem Glück war der Warteraum offen und geheizt! Perfekter Platz um die Nacht zu verbringen.
Zum Frühstück gabs „Poritsch“ das übliche Multidaytrip Menu. Für die nächsten Abschnitte war gut Wasser eingeschenkt, doch Benjamin der Local, lotste uns überall perfekt durch und wir hatten viel Spass trotz anhaltendem Regen.
Quelle: Fischer/Benjamin Hjort Ron
Quelle: Fischer/Benjamin Hjort Ron
Der Tag verlief jedoch nicht ohne einen spektakulären Zwischenfall. Bei „morning glory“, einem der grösseren Rapids mit zwei dicken Walzen stiegen wir wie üblich aus um zu besichtigen. Es war viel Wasser im Bach und die Walzen schienen schon vom Ufer aus riesig, den Direktvergleich zu etwas Handfesten bekamen wir jedoch prompt geliefert. Kam doch auf einmal ein grüner Prjion Cross, Luke oben mit einem gelben Paddel drin auf den ersten Abfall zu geschaukelt. Unsere Blicke schweiften rüber zu Lukas, dessen Augen sich nicht weiter öffnen hätten können. Kamera, Pass, Geldbeutel, Schlafsack, Food und trockene Kleider befand sich alles in seinem Boot, das gerade von einer Monsterwalze mächtig aufgemischt wird! Wir schauten nicht länger dem Kajak nach, sondern machten uns auf den Weg zurück zu den unseren um schneeell zu umtragen und das wichtige Hab und Gut einzuholen. Blind folgten Tomass und ich Benjamin durch die nächsten Stromschnellen bis wir Luke’s Kajak in einem grossen Pool ans Ufer ziehen konnten. Das Material wasserdicht verpackt überstand den Trip unversehrt! Was lernt man dabei? Richtig, Kajak beim scouten immer schön fix am Ufer platzieren :-)
Quelle: Fischer/Benjamin Hjort Ron
Weiter ging unser Trip nach Hallingskeid welches auf ca. 1200 m.ü.M liegt und somit umgeben ist von Schneefeldern und Gletscher etwas weiter oben. Wunderschön und nur mit dem Zug oder zu Fuss zu erreichen. Wir starteten mit ein paar coolen Rutschen und Wasserfällen, dann mussten wir einen See queren, dann gabs wieder Rutschen, wieder etwas See, und so weiter. Die einen Rapids wie der „Konduktör“ waren hoch, lang, schnell, vor uns noch nie befahren und sorgten für viel Adrenalin. Gegen Abend kamen wir langsam in den Stress. Der Zug fuhr in Myrdal um 18.09 Uhr und den mussten wir kriegen! Um 17.25 waren wir am Ende des letzten See’s und hatten noch 200 Höhenmeter Aufstieg mit den vollgeladenen Kajaks bis zur Bahnstation vor uns. Wir kamen gerade rechtzeitig, aber waren komplett am Ende!
In Finse verbrachten wir die nächste Nacht in einem Hotel vom Alpenclub. Teuer aber bei dem Regen und diesen Temperaturen wars es auf jedenfall Wert. Am Morgen fiel das Thermometer dann unter 5 Grad Celsius und Kajakfahren stand nicht zuoberst auf meiner Wunschliste, doch uns blieb nichts anderes übrig, denn der Zugfahrplan passt sich nicht uns an und die Reservationen haben wir schon gemacht. An diesem Tag machten wir 28 Kilometer Neuland bis runter nach Haugastöl. Vieles davon war See, doch dazwischen waren immer wieder gute Stromschnellen umgeben von atemberaubender Natur.
Nach einer weiteren Nacht in einem Hotel (Haugastöl Touristcenter, www.rallervegen.com) bei Freunden von Benjamin und einem weiteren Tag auf der Ustedalen gings weiter mit dem Zug nach Oslo wo wir die Nacht im Park bei den „Homies“ verbrachten. Am nächsten Morgen weiter in Richtung Norden zur Driva.
Nach einem super Run auf der oberen Driva von Kongsvoll bis nach Oppdal lud uns Fleming Schmit zu sich nach Hause ein wo wir die nächsten zwei Nächte verbrachten. Die erste davon jedoch mehr oder weniger im Pub, denn jeden Sonntag Abend gibts da Bier für 30 Kronen (ca. 4 Euro, halb so teuer wie normal)! Am Montag war also relaxen angesagt bis Fleming von der Arbeit zurück kam und unbedingt noch mit uns die Graura Schlucht befahren wollte. Zu seinem Shuttleservice konnten wir natürlich nicht Nein sagen und haben somit an diesem Abend ein bisschen beschissen als wir mit dem Auto los gingen um eine der schönsten Schluchten Norwegens zu befahren. Sorry ;)
Quelle: Fischer/Benjamin Hjort Ron
Quelle: Fischer/Benjamin Hjort Ron
Quelle: Fischer/Benjamin Hjort Ron
Unser Plan war zu Beginn, von hier aus weiter mit dem Zug nach Norden zu fahren bis zum Schienenende in Bodö nördlich vom Polarkreis um den mächtigsten Wasserfall Norwegens, den Laksfossen zu befahren. Leider waren alle Züge mit Platz für Fahrräder wegen der Ferienzeit komplett ausgebucht und Benjamins täglichen Anrufe bei der Bahngesellschaft blieben zwecklos. Somit muss ich weiterhin davon träumen die Nordlichter zu sehen, was bei dem schlechten Wetter ohnehin nicht garantiert gewesen wäre.
Einen „grossen“ hatten wir aber noch auf unserer „to do“ liste. Die Rauma zählt bekanntlich zu einem der beliebtesten Flüsse bei Wildwasserpaddler und wird zum Glück von der Bahnlinie zwischen Dombas und Alesund begleitet. Wir erreichten den Einstieg vom oberen Abschnitt um die Mittagszeit. Für diesen Abschnitt hatten wir einen perfekten Wasserstand, doch war es auch möglich die untere Rauma komplett zu befahren? Wir waren skeptisch, doch Benjamin motivierte uns vollgas, obwohl selbst er als Local noch nie bei so viel Wasser alle, ausser den letzten 20 Meter Wasserfall befahren hat.
Die obere Rauma war also perfektes warmpaddeln für die untere, wo die grossen Rutschen und Wasserfälle auf uns warteten. Mit viel Aufregung, Herzklopfen und sauberen Linien konnten wir jedoch alle Rapids meistern, so das ich Abends um neun Uhr komplett stoked zum Kajak ausstieg. Für mich war es das erste Mal auf der unteren Rauma und ich kenne nichts vergleichbares. Einfach super geil!
Am nächsten Morgen machten wir uns per Zug wieder auf den Heimweg nach Voss. Nicht zur freude von allen Zugreisenden denke ich mir. Richen doch vier Paddler nach zwei Wochen mit nur einmal duschen und nur einem Satz synthetik Klamotten, die zwar schnell trocknen aber stinken wie sau, .... bedenklich.
Quelle: Fischer/Benjamin Hjort Ron
Der „Paddletrain“, wie wir es nennen, war auf jedenfall ein aussergewöhnlicher Kajaktrip mit ganz unterschiedlichen Herausforderungen die zu meistern waren. Mit dem Auto kann man wann man will wohin auch immer fahren, doch für den Zug hatten wir keinen eigenen Schlüssel. Zudem liegen die Bahnhöfe nicht immer direkt beim idealen Ein- oder Ausstieg, was einem manchmal zum Seekajaken und Boote schleppen zwingt. Doch dafür hatten wir ein super Team und Höhenpunkte wie die Rauma oder die Nacht im Pub in Oppdal, die den Paddletrain absolut lohnend und unvergesslich machten.
Web-Tipps zur Reiseplanung: www.nsb.no || www.rallarvegen.no || www.turistforeningen.no
Mehr Fotos und Film: www.hjortmedia.com
Text: Ron Fischer, ronfischer.ch












Als Eisenbahner kann ich nur sagen: Sehr lobenswert!
War bestimmt ein unvergessliches Abenteuer.