Ron Fischer unterwegs auf dem Rio Suarez - Solorun, Mehrtagestrip, Big Water und ein Lebenstraum. Ron erfüllt sich diesen in Kolumbien. Ein sehr emotionaler und ehrlicher Bericht aus Südamerika.
Ron Fischer und sein Solo auf dem Rio Suarez. Hier eine Geschichte mal aus Kolumbien fast ohne Bilder.
Mehrere Tage auf schwerem Wildwasser paddeln, am Flussufer übernachten, weit weg von der nächsten Strasse oder Stadt, Stromschnellen und Wasserfälle befahren die noch niemand vor dir gepaddelt hat, nicht wissen was als nächstes kommt und das ganze auch noch alleine, das war schon immer ein Traum von mir. Ich bewundere Menschen die ganz auf sich gestellt, Unglaubliches verbringen in dem sie Berge besteigen oder wilde Schluchten in wild fremden Ländern paddeln.
Die Art paddeln ist ganz bestimmt nicht die, die mich am meisten reizt. Mit Freunden etwas erleben und teilen zu können macht grundsätzlich mehr Spass. Kajakfahren ist ein Team Sport! Man schmiedet Pläne, reist, kocht und lebt zusammen. Auf dem Fluss hilft man einander beim Umtragen oder wenn jemand die Hilfe wirlich benötigt weil etwas schief gelaufen ist. Die Entscheidung den Wasserfall zu paddeln oder nicht, liegt jedoch immer bei dir selber! Niemand drängt dich auf ein Ja oder Nein. Wenn du dann ins Kajak steigst und aus dem Kehrwasser paddelst, gibt es nichts anderes mehr als Dich, dein Kajak und das Wildwasser vor dir.
Es gibt Momente da will ich mir selber etwas beweisen. Da reizt mich die Ungewissheit, die physische und am meisten, die psychische Herausforderung.
Ron Fischer
Quelle: Ron Fischer
Blick in den Dschungel
Letzte Woche in San Gil packte ich das Minimum an Gepäck für eine drei-Tages Tour auf dem Rio Suarez. Der Geplante Abschnitt wurde auf 60 von insgesamt 80km noch nie befahren. Infos bekam ich von Google Earth und Kees, der die ersten fünf Wasserfälle direkt nach dem Einstieg bei wenig Wasser schon befahren hat. Ich fuhr also mit dem Bus nach Barbosa zum Einstieg. Der Wasserstand war niedriger als erwartet und die Hoffnung stieg, die Wasserfälle befahren zu können. Gleich zu Beginn gab es ein paar Rutschen und nach fünf Minuten schon folgten die ersten drei Wasserfälle. Ich fand überall eine fahrbare Linie trotz grossen Rückläufen. Die Linien erwischte ich perfekt und war super glücklich unten im Pool. Was jetzt kommt davon hatte ich ja keine Ahnung. Eine kleine Rutsche und danach gings um die Ecke...und wieder eine Abrisskante vor mir. Die nächsten fünf Kilometer kam ein geiler Rapid nach dem Anderen!! Es war wie in Norwegen, lange Grundgestein Slides, nicht ganz einfach zu fahren und mit viel Wasserwucht. Mega!
Dann änderte sich das Gestein und es folgten knapp zwei Stunden kontinuierliches Wildwasser im vierten Schwierigkeitsgrad. Das meiste konnte ich mit laaangem Hals fahren, nur selten musste ich aussteigen um mir eine Linie zu suchen. Manchmal überraschte mich die ein oder andere grosse Walze und ich musste Rollen, doch bei einer Wassertemperatur von 23 Grad ist das eine gelungene Abkühlung.
Nach insgesamt 20 Kilometer wunderschönem Wildwasser wurde es flach und der Fluss schlängelte sich durch den kolumbianischen Dschungel. Die Bäume hingen auf beiden Seiten weit über den Fluss, Lianen reichen bis ins Wasser, die unterschiedlichsten Vögel kann man hören und sehen. Ab und zu hat es Fischer im Fluss, Bauer von den umliegenden kleinen Höfen die nur zu Fuss oder mit Pferd erreichbar sind.
Quelle: Ron Fischer
Es ging gegen 18.00uhr und ich musste mir einen Schlafplatz suchen, denn dann wird es schlagartig dunkel. Auf einer kleinen Wiese fand ich etwas Feuerholz, dass allerdings feucht war vom letzten Hochwasser und dem tropischen Klima. Ich war gerade damit beschäftig eine gescheite Flamme für meinen Nudeltopf hinzubekommen, da steht auf einmal eine kleine, dunkle Gestalt vor mir und erschreckt mich fast zu tode! Den Hut tief auf dem Kopf und die Machette im Halfter, dazu ein Gestank der mich darauf schliessen liess, dass er mindestens ein Kuh und ein Huhn hat, keine Dusche und sich sein Schlafgemach sozusagen direkt im Stall befindet. Doch er war freundlich und vor allem neugierig! Ich versuchte mit meinem "solo un pogito espagnol- Hand und Fuss", ihm zu erklären was ich den hier mache und dass ich tatsächlich alleine unterwegs bin, was er einfach nicht glauben wollte. Am Schluss lud er mich zu sich nach Hause ein, doch ich lehnte dankend ab, denn ich freute mich endlich wiedermal Pasta zu essen und dann in mein Biwacksack zu liegen und zu schlafen. Leider wurde meine Hoffnung auf ein entspanntes Einschlafen zerstört als ich mit meiner Stirnlampe per Zufall auf mein Paddel leuchtete, dass direkt neben dem Schlafplatz auf dem Boden lag und darauf eine fast handgrosse Spinne zu sehen bekam! Ich schaffte es in der Nacht ein paar Stunden zu Schlafen, wichtiger als das war allerdings, dass mein Biwacksack überall sauber geschlossen war.
Quelle: Ron Fischer
Solo unterwegs mit neuer Frisur: RonAm nächsten Morgen wachte mit der Sonne um sechs uhr auf, kochte Reis und weiter gings auf dem Rio Suarez. Ich schäzte ungefähr 25 Kilometer schon gepaddelt zu sein und gab Gas in der Hoffnung die restlichen gut 50 heute auch noch zu schaffen. Lange floss der Fluss weiter durch schöne Landschaft ohne dabei Gefälle abzubauen. Irgendwo muss das Gefälle aber noch kommen dachte ich mir, denn laut Info baut der Suarez insgesammt 800 Höhenmeter ab und davon hatte ich bestimmt nicht mehr als die Hälfte am ersten Tag gemacht. Nach ungefähr 30km Flachwasser wurden die Ufer wieder steiler und es begann wieder spannend zu werden. Es folgten zwei Canyons, wovon der erste nur kurz war, dafür mit Stromschnellen die es in sich hatten. Ich entschied mich die eine Stelle zu umtragen. Es war nicht möglich um zwei riesige Walzen herum zu paddeln und somit das Risiko das Kajak schwimmend zu verlassen zu gross. Falls dies passieren würde, müsste ich ohne Hilfe ans Ufer kommen, könnte mein Boot und die Ausrüstung vergessen und durch den dicken Urwald aus der Schlucht zur nächsten Strasse raustragen. Also kurz umheben und weiter gings.
Quelle: Ron Fischer
Den zweiten Canyon habe ich "Chicita Baker" genannt. Der Fluss führt hier schon ungefähr 200-250 qm3/s und zwängt sich auf 10km durch ein ca. 12meter breites Bachbett. Die Wellen und Walzen brechen unregelmässig, tauchen mal hier und mal dort auf und es ist schwierig auf der Linie zu bleiben. Auch wenn bei weitem nicht so gross wie der Rio Baker in Patagonien, so hat mich dieser Abschnitt vom Charakter doch schwer daran erinnert.
Um 13.00 uhr erreichte ich erleichtert und ausser Atem den üblichen Raft-Einstieg für die letzten Kilometer von denen ich in meinem im ersten Teil auch schon Bilder gezeigt habe.Mit einem breiten Grinsen paddelte ich noch die grossen letzten Rapids die mir schon bekannt waren. Beim Ausstieg gabs dann das ersehnte Bier und ein Taxi zurück nach San Gil.
Das Gefühl nach einer gelungenen Solo Befahrung ist schwer zu beschreiben. Ein tiefe innere Zufriedenheit, etwas erlebt zu haben, dass niemand hat und dir niemand mehr wegnehmen kann.
Ron Fischer
Text: Ron Fischer & Michelle Hombach













Glückwunsch!
Astreiner Bericht.
Gruß Frank
Super Bericht, tolles Erlebnis und sehr nett zu lesen!
lg
Thomas