Annemarie Glas beendet mit ihrem Lieblingsfluss, dem Tiroler Lech, die Sommerpause der "Mein Paddel-Tipp" Serie. Ein Tipp für Paddelfamilien, Paddelanfänger, Genusspaddler und junggebliebene Paddelsenioren.
Annemarie Glas beendet die Sommerpause der Paddel-Tipp Serie mit dem Tiroler Lech. Als langjährige Wettkampfpaddlerin genießt sie Genusswildwasser auf ihrem Lieblingsfluss von Steeg bis zur Brücke Dorf Martinau.
Quelle: wolfgang
Der Lech - Traumfluss für Genusspaddler, Kanu-Anwärter, Familien und junggebliebene SeniorInnen
Der Lech ab Steeg fließt als relativ unschwieriger Wildfluss (WW I-II+) durch ein herrliches Tal, das von zwei imposanten Gebirgszügen geprägt wird. Orographisch links sind es die steilen, grünen Grasberge der Allgäuer Alpen und rechts die Lechtaler Alpen. Beide Gebirgsgruppen sind durch hochalpinen Charakter gekennzeichnet und viele der Gipfel sind weit über 2000 m hoch. Aus der Perspektive des Paddlers gesehen einfach gewaltig!
Quelle: wolfgang
Eine gute Einsatzstelle befindet sich bei der 2. Brücke oberhalb des Dorfes Steeg. Kurz nach dem Einsetzen bringt der Kaiserbach das erste Zuschusswasser und nach und circa 200m taucht linksufrig das Pegelhäuschen auf. Beim großen Hochwasser im August 2005, als große Teile des Lechtales unter Wasser standen, Brücken weggerissen wurden, ist auch das ehemalige Pegelhäuschen untergegangen und davon geschwommen. Für längere Zeit gab es keine Pegelstände mehr aus dem Lechtal. Der Lech hatte wieder einmal gezeigt, dass er der 'größte Grundbesitzer' im Tal ist.Bei Walchen (Hotel Tannenhof) kommt die erste der neugebauten Brücken in Sicht. Hier bietet sich ein weiterer, sehr beliebter, weil flacher Einsatzpunkt an, vor allem bei niedrigen Wasserständen. Ist man doch mit dem Boot von Steeg bis hierher ca 30 Minuten unterwegs. Der Einstieg liegt direkt am sehr beliebten Lech-Radweg. Beim Hotel Tannenhof befindet sich eine Bushaltestelle. Werktags helfen sehr gute Busverbindungen die Autos zurück zu holen.
Quelle: wolfgang
Auf leichtem, überschaubarem, welligem Wasser erreicht man als nächstes die Nikolausbrücke in etwa auf der Höhe vom Ort Elbigenalp. Vom Boot aus gesehen ist der Anblick phantastisch. Eine Art 'Segeldach', gedeckt mit Holzschindeln, sticht ins Auge. Dass unter der Brücke die Wellen tanzen, macht das Ganze noch besser. Bei höherem Mittelwasser (NW 280, MW 300, HW 340) wird es hier sehr schnell, aber in der Mitte, oder etwas rechts von der Mitte ist alles gut zu fahren.
Quelle: wolfgang
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Wenn auch der Lech vergleichsweise ruhig durch das Tal fließt so ist er doch ein Wildfluss, der jedes Jahr anders und nie langweilig ist. Über Kiesbänke herablaufendes Wasser verursacht Verschneidungen. Unterhaltsame Kiesbankschwälle wechseln ab mit verwirbelten Kurven. Brotzeitplätze warten, so schön wie aus dem Kanu-Kalender.
Wenn jedoch zur Schneeschmelze und nach Regenfällen die zahlreichen Zuflüsse (Kaiserbach, Madaubach, Otterbach, Streimbach, Hornbach, etc.) den Wasserstand des Lech steigen lassen, dann wird der Fluss rasch sehr reißend und man versteht, warum schon die Kelten den Fluss 'Licca' -den 'Schnellfließenden' - nannten. Angesichts der mächtigen Schotterberge weiter unten kann man ihn auch den 'Steinreichen' nennen. Aufpassen muss man bei höheren Wasserständen auf die vereinzelt im Fluss liegenden, überspülten Felsen, die oft heftige Rückläufe (Plumsklo) bilden. So auch vor und unter der Brücke von Häselgehr. Diesen Abschnitt sollte man auf der Fahrt nach Steeg anschauen. Ab Pegel 320 entstehen hier zwei kräftige Walzen. Wer sich schon in der Kurve oberhalb der Brücke rechts hält und dort weiter paddelt kann die Stelle gut passieren.
Ab Häselgehr weitet sich das Tal. Die folgenden 8 km bis Martinau sind landschaftlich besonders schön und auch sportlich anspruchsvoller. Wer nicht nur das Wasser liebt, sondern auch die Berge, der kann genussvoll genießen.
Auf schnellem, welligem Wasser geht es an der Raftstation vorbei und rasch erreicht man nach 1,5 km den Bereich der früheren Umtragestelle. Hier gibt es eine gute Nachricht zu vermelden. Umtragen ist nicht mehr notwendig, weil die niedrige Behelfsbrücke durch eine richtige Brücke ersetzt wurde. Auch die Prallwand mit den gefährlichen Eisenträgern ist entschärft, da diese entfernt wurden. Jetzt ist dieser Abschnitt einfach und schön zu befahren.
Schöne Schwelle folgen. Ich nehme mir die Zeit zum Treibenlassen, zum Dahinschaukeln. Kehrwasser locken zum Verweilen und zum Zurückschauen. Die ganze Szenerie ist einfach großartig. Dieser Abschnitt begeistert mich jedes Mal aufs Neue. Wie glücklich bin ich, dass ich eine Paddlerin bin! Einmal bin ich an einem trinkenden Hirsch vorbeigefahren. Die Illusion von Paddeln in Kanada war perfekt.
An der Mündung des Bschlabser Bachs vorbei, unter der schönen neuen Holzbrücke von Elmen durch und nach ein paar spritzigen, sportlicheren Passagen, kommt sie in Sicht: die große blaue Bogenbrücke beim Dorf Martinau. Hier beende ich meistens die Fahrt. Der Ausstieg befindet sich linksufrig, oberhalb der Brücke.
Im Verlauf von 45 Paddeljahren gab es immer wieder andere Lieblingsflüsse. In den Anfangsjahren war die Steirische Salza der absolute Paddelhöhepunkt. Dann kamen intensive Wettkampfjahre mit Passer, Lieser, Isere ... In den folgenden Jahren wurde die obere Gail zum ständigen Objekt der Begierde und die Loisach der vertraute Hausbach in der Nähe. In den letzten Jahren ist der Tiroler Lech mein liebgewordenes Paddelzuhause geworden.Annemarie Glas ist leidenschaftliche Paddlerin seit über 40 Jahren. Die alten Hasen des Wettkampsports kennen sie noch unter den Namen Annemarie Amslinger, unter dem sie Weltmeisterin im Mannschaftswettbewerb Wildwasser-Abfahrt 1971 auf der Passer bei Meran, Vizeweltmeisterin, Deutsche, Südbayerische und Bayerische Meisterin in den 60er und 70er Jahren wurde. Nach ihrem Wechsel nach Österreich wurde sie noch 7fache Staatsmeisterin im Wildwasser-Einzel, in der Mannschaft und im Vierer-Kajak Flachwasser.
Web-Tipp: Lechtal Tourismus||Rudis Camping||Lechtaler Wildwassersport
Text: Annemarie Glas













Liebe Annemarie,
ein sehr schöner Bericht, danke !
Ungefähr 3 km nach dem hier beschriebenen Ausstieg kommt die Brücke zwischen Stanzach und Vorderhornbach. Ca. 500 m danach kommt nochmal ein kurzer harter Schwall an einer Felsrippe. Unmittelbar danach links ist ein guter Ausstieg mit Straßenanschluss. Da hören meist die Rafter auf.
Wer weiter fährt erlebt bis Weißenbach den Lech in einem superbreiten Kiesbett, die Straße ist sonstwo, Landschaft pur. Bin's mit den Kindern gern gepaddelt.
Keep on going !
Normalo
Liebe Annemarie!
Ein sehr schöner, informativer Bericht! Immer viel Spaß auf deinen weiteren Paddeltouren,! Kann man sich nur zum Vorbild nehmen! .-)
LieGrü aus Graz, IRENE!
Was für ein wunderbarer Bericht!
Bin selber immer mal wieder auf dem Lech unterwegs, entweder zum Entspannen oder mit Anfängergruppen.
Die oben angesprochene Stelle auf der Höhe des Stanzacher Sportplatzes heißt bei uns "Stanzacher Loch", eine Stelle, die zum Verweilen und Spielen, Üben, Trainieren einlädt, die aber bei hohen Wasserständen auch ganz schön ihre Zähne zeigen kann.
Eine weitere wunderschöne Stelle, die wenigstens von der Optik her dem Anfänger einen Eindruck vom alpinen Wildwasserfahren vermittelt. Es ist der "Hexenkessel", also die Blockstrecke zwischen Hägerau und Walchen. Bei normalen Wasserständen ergeben sich immer wieder verblüffend einfache Durchfahrten, bei Hochwasser aber tost die Stelle und bildet bösartige Löcher, "als ob die Hex´kocht".