Hochzeitsreise einmal anders - Teil 2

Der "Big Day" der Hochzeitsreise steht an. Namhafte Rapids, wie Horn Creek, Granite und Hermit, stellen die frische Ehe auf die Probe. Bei kajak.at berichten Nicole und Thorsten Döring in einem Dreiteiler von ihren 400 Kilometern am Fluss der Flüsse.

TopSiteNews Michi Neumann

An einem Abend wird für den nächsten Tag der "big day" (großer Tag) angekündigt. Den ersten Rapid können wir noch bei der Abendwanderung von oben auf dem Bauch liegend über eine Felskante besichtigen. Schluck: Mittig brutale kreuzlaufende Wellen, die sich überschlagen, da sie von der Felswand auf der wir liegen reflektiert werden, rechts die Anfahrt müsste gehen, aber dann zwei versetzt liegende Löcher, die aus dem Boot heraus nicht erkennbar sind und genaues Manövrieren (Kolibrischlag) ohne Bezugspunkt am Ufer erfordern. Also besser ein paar Bierchen früher ins Bett gehen, um den Anforderungen gewachsen zu sein!

Grand Canyon Rapid

Grand Canyon Rapid

Am nächsten Tag lauert diese Stromschnelle gleich hinter der ersten Kurve, liegt noch im Schatten, was sie nicht niedlicher macht und empfängt uns mit ohrenbetäubendem Grollen. Sind wir dem "big day" gewachsen? Schnell wird klar, dass ich die rechte Seite nicht erreiche oder wenn, dann sicherlich in eines der beiden Plumpsklos reinfalle ohne zu wissen, ob jemand an der Spülung zieht, um wieder frei zu kommen. Also den anderen Paddlern hinterher, ab durch die Mitte immer den Köpfchen nach, die ab und zu auf den Wellenbergen auftauchen. Klatsch, die erste Welle schlägt ins Gesicht, Mund und Augen zu, weiterpaddeln, Augen blinzeln um den Wasserfilm zu verdrängen um wieder was zu sehen und atmen. Schwer aber fair - so kommen wir meist ganz stolz wieder aus dem Getöse raus, in das wir zuvor zweifelnd eingefahren sind. Langsam gewöhnen wir uns an die Wassermassen, 600-700m³/s fließen kraftwerksgesteuert durch die Schlucht, so was gibt's bei uns im Alpenraum nicht - gewaltig.

Komisch, der Sandwichburger in der Mittagspause will heute gar nicht so richtig in den Mund passen, soviel Material versuche ich zwischen die zwei Brotscheiben zu stapeln. Heut geht auch noch ein zweiter Durchgang, wir sind ja noch nicht am Ende: "Horn Creek" (Schwierigkeit 7-9 von 10), "Granite" (7-8) und "Hermit" (7-8) warten noch auf uns und entlocken uns erstaunliche Manöver, so genannte "mystery moves".

Grand Canyon Rapid

"Horn Creek" und "Granite"

Nicole hatte diesen Vormittag im Raft verbracht und steigt nach der Rast auch ins Kajak, stellt sich den Herausforderungen. Warum fährt sie denn beim "Granite", einer Impression aus Wucht, Länge und glänzender Granitfelswand am rechten Ufer wieder Mike mit seinem kleinen gelben Spielboot hinterher? Zuvor hatten wir doch mit langen Hälsen, dicht gedrängt im letzten Kehrwasser das Spektakel angeschaut. Für mich verschwinden sie bald im gleißenden von Gischt durchsetzten Sonnenlicht und ab und zu vermag ich noch den Kopf als schwarzen Punkt auszumachen, bevor auch der verschwindet. Lang warten hilft auch nicht und in einem Moment, an dem ich ganz vorn im Kehrwasser stehe beschleunige ich mein Boot und fahre leicht aufgekantet in die auf unserer Seite verlaufenden Hauptstromzunge auf.

Die Sonnenbrille, die ich tagsüber meist aufhabe ist schon wieder in der Ärmeltasche der Trockenjacke verschwunden, da der Überblick durch Tropfen auf der Brille unter der Brille und zwischen den beiden Glasschalen des Sonneschutzglases und dem Optikglas nicht besser wird. Kontaktlinsen habe ich auch dabei, aber wahrscheinlich wären sie entweder gleich wieder im Vorwaschgang der Stromschnellen ausgespült worden oder hätten im schlammigen Wasser zu Reizungen geführt. Die Nasenklammer sitzt auch fest auf den Flanken und schützt davor, dass einem das Wasser nicht direkt die Nebenhöhlen ausspült.

Grand Canyon Rapid

Grand Canyon Rapid

Am linken Rand der abkippenden Stromzunge paddle ich das Boot immer weiter beschleunigend durch die erste sich schräg überschlagende Welle durch. Hier dahinter könnte sich ebenfalls ein gemeiner Rücklauf befinden, wenn ich nicht schon von oben einen anderen Paddler auf dieser Route beobachtet hätte, dann öffnet sich das ganze Inferno. Was rechts von mir passiert interessiert mich nicht, es donnert nur ganz fürchterlich. Aber auch die vor mir liegenden Brecher begraben mich das ein oder andere Mal und ich bin überrascht, immer wieder Licht zu sehen. Klar, höchste Paddelfrequenz, die stabilisiert und etwas außer Atem komme ich unten links im ruhigeren Wasser an, wo mir auch Nicole von ihrem heißen Ritt erzählt. Begraben von einer dicken Welle wollte sie sich unter Wasser auf die Eskimorolle vorbereiten, als ihr das Paddel aus einer Hand gerissen wird. Noch bevor sie sich auf die neue Situation einstellen konnte, war sie aber wieder oben, konnte das Paddel wieder mit beiden Händen umgreifen und auch zum Ufer paddeln. Tja, Strömungen und Turbulenzen sind unberechenbar. Glück gehabt oder wie sie sagt - gekonnt ist gekonnt.

In einem anderen dicken Getöse zeigt uns Nicole noch einen spektakulären Rückwärtsritt. Sie wird, wieder dem Amerikaner folgend, von einem Monster gestoppt aber nicht umgeworfen, bleibt mit nach vorne gebeugtem Oberkörper im Boot sitzen und hält das Paddel zur Stabilisierung flach. Beifallsbekundungen lassen noch auf sich warten, die Zuschauer auf beiden Seiten der Stromzunge sind zu gespannt auf den Ausgang des Spektakels. Mehrere Sekunden, für Nicole sicherlich Minuten, reitet sie so immer gegen die Welle blickend, bis sie die Strömung nach rechts zum Ausgang befördert, wo ein rettendes Kehrwasser wartet. Tosender Beifall aller Beobachter, aber noch immer ohne Orientierung fällt sie beim Einfahren ins Kehrwasser um, ist für die Rolle zu erschöpft und steigt aus. Andere Paddler auf den Logenplätzen paddeln zu ihr, sie hält sich an der Heckschlaufe fest, doch bevor sie sicher ans Ufer gezogen werden kann gilt es erst noch die angespülte rechte Felswand zu umschwimmen, auch für den Abschlepppaddler kein leichtes Manöver, aber sie ist nicht unterspült. Hinter der Felswand in einer kleinen schattigen Nische gelingt das Ausleeren des Bootes und der Wiedereinstieg. Warum ich wohl wieder die Hauptströmung nach links verlassen hatte?

Grand Canyon Rapid

"Hermit"

Am Ende des Tages freuen sich alle auf "Hermit" der mit den größten aber fairen Wellen für einen Höllenspaß sorgen soll. Alle? Tja, mal mehr Hölle, mal mehr Spaß. Wir sind gespannt und schlaff. Sollen wir das ganze erst mal vom Ufer aus besichtigen oder gleich fahren? Ich folge den anderen, die schon über der Kante verschwunden sind, Nicole folgt zögernd. Schluck, wo ist denn die Fairness geblieben? Das bricht und überschlägt sich doch alles und pumpt und gischtet. Obwohl ich mit voller Kraft meine Wenigkeit und mein Bootchen den Wellenkämmen entgegen werfe packt mich eine Welle und dreht mich um, Frechheit - kein Respekt! Nein, nicht um die Längsachse sondern um die Hochachse, so dass ich etwas verdattert die nächsten Meter rückwärts fahre, bevor ich mein Boot wieder abwärts drehen kann und mich am Rest versuche. Den Abschlusshammer passiere ich links, um noch ins Kehrwasser zu kommen, bevor die dahinter aufsteigenden Felswände das Aussteigen nicht mehr zulassen. Die restliche halbe Stunde verbringen wir mit Fotografieren während die Jungen immer wieder unermüdliche ihre Boote nach oben tragen, um mit allen spektakulären Figuren auf den Wellenkämmen der Stromschnelle etwas von ihrer Ernsthaftigkeit abzunehmen und sie zum Spielplatz zu erniedrigen.

Fotos: Michael Neumann/KM
Text: Nicole Döring

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Hochzeitsreise einmal anders

3 Kommentare

  1. TopSiteNews Michi Neumann
    christoph demmervor 12 Jahren

    Sehr netter Bericht! Danke!

    Lg Christoph

  2. TopSiteNews Michi Neumann

    hallo,
    gibt es eine Kontaktadresse von den Dörings???
    lg

  3. TrustedPaddler

    Jochen sende bitte eine e-Mail an peter ÄT kajak . at, dann sende ich dir die Adrese!

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