Bei spontanen Hochzeiten ausgeschlossen: Die Hochzeitreise in den Grand Canyon mit dem eigenen Kajak. Nicole und Thorsten Döring hatten es schon lang geplant. [br][/br]Bei kajak.at berichten sie in einem Dreiteiler von ihren 400 Kilometern am Fluss.
Bei spontanen Hochzeiten ausgeschlossen: Die Hochzeitreise in den Grand Canyon mit dem eigenen Kajak. Nicole und Thorsten Döring hatten es schon lang geplant und sich ein Permit für den großen Fluss gesichert. Bei kajak.at berichten sie in einem Dreiteiler von ihren 400 Kilometern am Fluss.
Anreise
Im August 2007 sind wir samt Kajaks von Frankfurt nach Las Vegas geflogen, von dort mit zwei Transportern nach Lee's Ferry am Lake Powell. Aber leider wird schon auf der Stadtautobahn eines der beiden Fahrzeuge defekt, 6 Std. warten bei 40°C im Schatten… Dann noch 4 Std. Fahrt ehe wir weit nach Mitternacht bei "Hatch River Expeditions" auf unsere Matratzen fallen!
Ein toller Sonnenaufgang in der Wüste und ein deftiges Frühstück im Warehouse, der letzten Einkaufsmöglichkeit, entschädigen uns am nächsten Morgen. Unterhalb des Lake Powell werden die beiden Rafts mit der Ausrüstung für 22 Kajakfahrer und sechs Raftguides beladen Jedes Raft ist 11 Meter lang und wiegt leer ca. eine Tonne, hinzu kommt eine Tonne Eis, um die Lebensmittel fast 2 Wochen zu kühlen und sicherlich noch eine Tonne Gepäck!
Die Fahrt beginnt
Trotz 40 °C Außentemperatur hat der klare blaue Colorado nur ca. 10 °C. Vor uns liegen 239,5 Meilen (ca. 400 km) mit 161 Stromschnellen verteilt auf 12 Paddeltage. Wir werden die meiste Strecke in unseren Kajaks paddeln, nur längere Flachwasserpassagen werden wir auf dem Raft hinter uns bringen. Nach 700 m Paddeln mündet der "3 Mile Wash" in den Colorado und trübt das Wasser braun; so wird es nun während unserer gesamten Fahrt bleiben, der Fluss verfügt über wenig Selbstreinigungskräfte. In blau wäre es sicherlich schöner gewesen, zumindest bis zur Einmündung des Kleinen Colorados, der normalerweise immer für den Wechsel der Wasserfarben von blaugrün auf braun verantwortlich ist, aber die gigantische Landschaft entschädigt für alles.
Neben dem Paddeln sind die Wanderungen in die Seitencanyons der zweite Teil des Vergnügens. Es gibt trockene und nasse Wanderungen, d.h. manchmal müssen Bäche überquert werden. Aber jede Wanderung ist die Anstrengung wert (ja, die Außentemperatur liegt tagsüber bei ca. 40 °C) und man sollte keine Wanderung verpassen, die die Raftguides vorschlagen. Jede Wanderung hat ihre Reize; es gibt kurze Ein-Stunden-Wanderungen vor dem Abendessen oder zur Mittagspause oder Halbtageswanderungen. Jede endet in einem ausgewaschenen Tal mit bizarrem Gestein oder an einem Wasserfall, der zum Baden, Klettern und Springen einlädt.
All inclusive
Wie es sich für eine Hochzeitsreise gehört, hatten wir natürlich "all inclusive" gebucht. Hierfür benötigt man im Grand Canyon aber kein Armbändchen, "all inclusive" bedeutet hier, dass für alles gesorgt wird, außer für alkoholische Getränke. Den Alkohol hatten wir uns bei unserer Zwangsrast in Las Vegas gekauft. Das Frühstück ist den einen Tag warm, den anderen kalt aber immer mit frischem Obst; mittags gibt es immer ein Sandwich, welches man sich selbst belegt (natürlich auch mit knackigem Salat, Tomaten, Gurken und Sprossen) und das warme Abendessen ist sehr abwechslungsreich und immer ausreichend. Wer also vor der Fahrt Angst hatte zu verhungern, ist hier definitiv falsch am Platz. Die Raftguides sind für die Verpflegung zuständig und sie sind hierin Meister. Die Krönung sind die noch warmen Kuchen aus dem Dutch Oven. Der einzige Unterschied zum Cluburlaub ist, dass man nach dem Essen sein Geschirr selbst abwaschen muss.
Aufgestanden wird morgens um kurz vor 6:00 Uhr und wir packen immer unser Innenzelt, das uns vor Schlangen, Skorpionen und sonstigem Getier schützen soll gleich zusammen und haben zusammen mit unserem Gepäck zwei große wasserdichte Säcke, die als Hauptgepäck zuerst aufs Schlauchboot kommen. Der Kaffee ist schon fertig und wir genießen den Komfort von Klappstühlen, die vom amerikanischen Veranstalter Hatch mitgenommen wurden. Während wir frühstücken geht in atemberaubenden Bildern die Sonne auf und jetzt ist jedem klar, warum so früh aufgestanden wird. Denn bald strahlt der Planet wieder, als wolle er hochofengleich Stahl zum Schmelzen bringen. Um 8:00 Uhr ist alles verladen und verzurrt, obenauf kommt unser Tagesgepäck, welches durch einen Karabiner gesichert wird, damit es bei den Stromschnellen nicht über Bord gespült wird. Jeden Morgen müssen die zig Luftkammern der beiden Schlauchboote nachgeblasen werden, hierzu wird der Generator angeworfen. Fürs Rasieren, Handy oder die Fotoakkus darf das nicht sein, braucht's aber auch nicht. Wir haben 6 Akkus für den Foto dabei, Nassrasierer und das Handy bleibt - ach wie schön - ausgeschaltet!
Die ersten Rapids
Nach einem kurzen Bericht, was die nächsten Kilometer auf uns zukommt rutschen wir ins Wasser, fahren aus dem manchmal fußballfeldgroßen Kehrwasser der Sandbänke in die Hauptströmung und werden von dieser schnell in die neuen Abschnitte der Schlucht getragen. Morgens ist es auf dem Wasser sehr angenehm: Die Berge spenden noch viel Schatten, es ist windstill und häufig sehen wir Antilopen und steinbockähnliche Tierchen (desert bighorns) am Wasser grasen. Meist säumt ein 10 Meter breiter Grünstreifen den Fluss. Dieses Jahr war es relativ feucht (6 Regentage!) darum sind auch die Flanken der senkrecht emporsteigenden Felsgebilde durch niedere Gräser oder Kakteen etwas begrünt. Manch saftig wirkendes Gras schützt sich mit gemeinen Stacheln, auf die man besser nicht treten sollte.
Ruhe und Harmonie sind schnell vorbei, wenn ein zuerst leises Grollen langsam zunimmt und wir Paddler in der Ferne schon pulsierende Wassergischt in die Höhe steigen sehen. Normalerweise sieht man bei einer bevorstehenden Stromschnelle erst im letzten Moment, was einen erwartet. Hier können wir es uns aber schon vorher denken, denn kleine Wellen spritzen nicht so hoch und verursachen kein so bedrohliches Getöse. Zumeist lässt sich aber kurz bevor man von der schneller werdenden Strömung über die Kante gezogen wird noch eine machbare Fahrtroute erkennen. Dann heißt es "ran an die Riemen" und mit weit aufgerissenen Augen auf einer flussbreiten Stromzunge meterhohen Wellen entgegen. Sind es nur Wellen? Überschlagen sie sich nicht in dem Moment, in dem ich auf sie treffe? Gedanken, die gleich ausgelöscht werden, sobald die ersten Brecher ins Gesicht klatschen oder über dem kleinen Paddler zusammenbrechen! Paddelfrequenz erhöhen (kolibriartig!) und freuen, wenn nach braun wieder Licht zu sehen ist. Bei den schwierigsten Rapids, z.B. "Granit" oder "Crystal" lohnt sich ein Blick von hoch oben am Ufer auf die Wellenpracht, um eine Chance und eine mögliche leichtere Linie auszumachen. Die muss dann nur noch erwischt werden, was nicht immer gelingt! Wird die gute Linie nicht erwischt wird man nach einem wildem Ritt hunderte Meter weiter trotzdem wieder ausgespuckt.
Die tiefste Gangart
Die tiefste Gangart, um die gewaltige Schlucht zu erleben ist schwimmen… Gut, wenn das Boot noch erwischt wird um sich daran festzuhalten, denn bei diesen Wassermassen sind Schwimmhilfen gerne gesehen! Es dauert eine Weile bis zum Ende der Achterbahnen, ehe man von anderen Paddlern ans Ufer gezogen werden kann. Aber es schwimmt sich gut - man braucht als Schwimmer keine Angst zu haben über Steine und Abfälle gespült zu werden, die den Körper Dalmatiner-artig mit blauen Flecken und Prellungen überziehen. Ab und zu mal den Mund halten und die Atmung einstellen, wenn es braun und dunkel um einen rum wird und weiter machen, wenn es ein Wellental zulässt und man wieder Licht sieht.
"Hallo, hallo", meine Rufe als Schwimmer sind kaum zu hören, obwohl der rettende Paddler zum greifen Nahe vor mir paddelt. Zum Glück ist an der Stelle meiner Schwimmprüfung auch einer der amerikanischen Safety Kajaker baden gegangen. Resümee: Nicht der Welle ausweichen, die sich plötzlich wie eine Wand aufbaut, sondern die Bootsspitze in die Flanke stechen und durchstoßen, so kam hier Nicole gut durch. Ist man gerade in einem Abschnitt mit senkrechten Felswänden bis ins Wasser gekentert, so muss der Helfer das vollgelaufene Kajak über das eigene ziehen, durch Kippbewegungen leeren und dann stabilisieren, damit der Schwimmer wieder auf dem Wasser einsteigen kann. Das ganze ist unbequemer, wie es sich anhört und kostet beide vieeel Kraft.
Hat man die Stromschnelle im Kajak sitzend geschafft ist noch nicht Schluss: unten warten so genannte Presswasser mit ihren sich ständig ändernden Verschneidungslinien, die schon manch grinsenden Paddler umschmissen, bevor sein Fluch vernommen werden konnte! Die so genannten Pilze sind Wassermassen, die aus großen Tiefen den Weg an die Wasseroberfläche finden und an ihren Rändern Verschneidungen mit den sie umgebenden Wassermassen bilden, in denen kein Manöver gelingt. Mein Boot wurde beim Einfahren aus dem Kehrwasser in die Stromzunge auch mal bis zum Sitz senkrecht stehend abgesaugt, und das obwohl sehr viel Volumen im hinteren Bereich davor schützen soll. Diese Presswasser sind auch schuld, dass vor einem befindliche Paddler plötzlich 10 Meter nach rechts versetzt werden und dann wieder einige Meter nach links! Geradeaus Paddeln gelingt hier kaum und auch die motorbetriebenen schwimmenden Gummimonster mit unserem Gepäck müssen dies berücksichtigen, um nicht mit den Felswänden zu kollidieren. Haben den Rapid alle Paddler geschafft, kehrt wieder Ruhe ein, bis zum nächsten leises Grollen!
Fotos: Nicole & Thorsten Döring, Michael Neumann
Text: Nicole Döring











WAU! Spannend! War sicher eine tolle Hochzeitsreise.
Also ich bin ja schon zu Fuß hinunter gestiegen an den Colarado, sehr anstrengender, toller Hike. Aber paddeln dort muss atemberaubend sein! Bin sehr gespannt auf die Fortsetzung!
Und: viel Glück weiterhin :-)
Netten Gruß, IRENE!
Faszinierd! Aber ich wäre zu oft in diesen rapids geschwommen, so habe ich nie eine solche Fahrt versucht! Klar ist der Colorado ja nur nach dem Lake Powell, bräunlich/rötlich ist sein ursprünglicher Zustand (Name), wie das umgebende Sandgestein. Hatte auf der anderen Seite auch nie die Geduld, mich anzumelden und jahrelang auf einen Termin zu warten, den ich dann womöglich nicht wahrnehmen hätte können, aus beruflichen Gründen. Oder wie ist das "heutzutage"? Wie meine "Vorrednerin", war ich auch zu Fuß unten (Bright Angeles Trail)