Großes EMT-Finale auf der Adige

Die erste EMT-Saison 2007 ging zuende. Mit dem dritten und letzten Rennen endete eine gelungene Saison auf der Adige in Pescantina. Während es in Deutschland schneite und die Temperaturen unter Null sanken, konnten im Veneto [...]

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Die erste EMT-Saison 2007 ging zuende. Mit dem dritten und letzten Rennen endete eine gelungene Saison auf der Adige in Pescantina. Während es in Deutschland schneite und die Temperaturen unter Null sanken, konnten im Veneto die Kanuten im T-Shirt fahren. Das Gross-Event präsentierte sich perfekt organisiert. EMT-Gründer Harald E. Wolf konnte wieder selbst mitfahren und berichtet.

EMT-Finale Adige

Warmpaddeln in eisigen Nordwind. Aber die Sonne wird bald des Paddlers Hände wärmen.

Wir reisten Freitag früh an; in leichtem Eishagel am Brenner sank unsere Paddellust noch unermesslich. Aber schon in Vipiteno trafen uns die ersten Sonnenstrahlen. Und in Pescantina konnten wir im Hemd im Freien sitzen. Mehrere Einladungen standen heute an. Und trainieren wollten wir ja auch noch. Gabi Leixner – meine Deutschland-Mitorganisatorin - wollte zudem erstmals teilnehmen und die 20er-Strecke der Amateure im Seakajak ab Dolcé fahren.

Mittags gab es für ein paar geladene Gäste im Clubhaus des C.C.Pescantina ein Essen. Dann ging’s auf die kürzere Strecke zum Einpaddeln. Ein paar organisatorische Dinge lagen noch an. Dann schnell ins Hotel, duschen und für das Dinner in einem bekannten Slow-Food-Restaurant umkleiden. Alle wichtigen Organisatoren, VIPs aus Politik und Wirtschaft, die Sponsoren der Wasserwirtschaft sowie viele Olympioniken reisten an und genossen feine Speisen und Weine. Bruno Panziera, L’Arena-PR-Chef und oberster Italien-Organisator, führte durch das begleitende Programm und präsentierte viel neues Filmmaterial.

EMT-Finale Adige

Ein kurzer Flug hinüber zum Gardasee – jetzt touristenlos.

Samstag früh fuhren wir zum obligatorischen Shopping nach Verona - in die eleganten Shops rund um die Arena. Eigentlich besser, wenn man seine Credit-Cards im Hotel liesse! Bei einem Cappucho genossen wir die wärmende Sonne im berühmten Café La Costa auf der Piazza Bra. Bruno Panziera rief an und lud alle Wichtigen zum Mittagessen in einer kleinen Osteria ein; typische Spezialitäten wie Steinpilzrissotto, Polenta und Veroneser Dolci schmeichelten den Gaumen. Dann sofort zum Clubhaus, wo uns der für zwei Tage gecharterte Helikopter erwartete. Denn ein dreißig Minuten Flug über die Adige stand an, um den gesamten Fluss einmal von oben zu betrachten.

Aus rund 3.000 Fuss über Grund verfolgten wir das durch den Marmor sich mäandrierende grün-klare Wasser. Wie gemütlich und schnell man doch die Strecke abgleiten könnte.... Ein kurzer Schwenk nach Westen zum Gardasee und zurück zum Clubhaus. Dann wieder eine Stunde Intervall-Training und ins Meldebüro, wo sich alle Kanuten einschreiben mussten.

Dieses Jahr gab es (als return-on-investment sozusagen) für die € 25,-- Startgebühr eine schöne mit Logo bedruckte Sporttasche, Shirt, Wein und Kalender. Und einen Essgutschein oben drauf! Abends der nächste Empfang in der Villa Del Bene, wo ein italienischer Olympionike das Feuer entfachte. Im angrenzenden Garten hatte der Ausrichter einen Pavillon aufgebaut, wo später Veroneser Spezialitäten und beste Weine des Terradeiforti serviert wurden. Erst gegen Mitternacht kamen wir wieder ins Hotel.

EMT-Finale Adige

Letzter Equipment Check.

Sonntag 06:45 Uhr. Aufstehen, grosses Frühstück und um 08:30 auf die Piazza in Pescantina. Hier stand schon der VIP-Bus bereit, der Bürgermeister und Sponsoren zum Start fuhr. Auch wir wurden befördert und konnten uns drinnen wärmen (schon in kurzem Neoprene und T-Shirt). Das Thermometer zeigte schliesslich noch eisige Temperaturen an. Dann auf nach Borghetto di Avio. Um 09:30 am Profi-Startplatz - bei gerade 5° plus im Schatten und eisigem Brenner-Wind - versuchten wir uns bei Tee und Zwieback zu wärmen. Für diesen Start hatten 304 Paddler in 22 Rennklassen, verteilt auf 240 Booten, gemeldet (bei den Amatoriale sollten bei Dolcè mehr als 840 Paddler/innen – auch einige Väter mit ihren Söhnen - um 12:00 Uhr die 20 KM bis zum Ziel starten).
Um 10:30 endlich der Kanonenstart – the window is open. Die ganz engagierten Kanuten heizten los – da blieb kein Raum für Fehler. Folge: Mehrere Flachbahnboote kenterten schon unter der Brücke – einige Abfahrtsboote konnten nicht aufdrehen und liessen sich von der Wasserrettung bergen. Das Rennen selbst lief ohne grosse Probleme. Fünf Freizeit-Paddler mussten wegen leichter Unterkühlung aufgeben. Die mehr als 150 Helfer der Wasserwacht kamen zum Glück nur selten zum Einsatz.

EMT-Finale Adige

Dass Kajakfahren und Energiewirtschaft in Synergie stehen können, beweisen die Italiener jedes Jahr. Statt infantiler Demos und endloser Polemik kooperieren die Verantwortlichen mit der ENEL (grösste ital. Wasser- und Stromversorgung). Fazit: Auch 2007 gab es Sonntag pünktlich um 08:00 Uhr zusätzliche 105 cbm – zu dem für diese Zeit üblichen Mindestablass von 20 cbm. Gute Strömung und nette Schwälle gestalteten dann die Fahrt sehr abwechslungsreich.
In Pescantina kamen die schnellsten (im K2 Flachwasser) unter zwei Stunden an und unterboten die Letztjahreszeiten um fast zwei Minuten! Kostenfreier Tee, Gebäck, Tortellini und Weine für alle Teilnehmer stillten jeden noch so grossen Hunger.
Ein Novum in der Preisverleihung: Die Overall-Winner aller Klassen erhielten dieses Jahr neben den hohen Gewinnausschüttungen zusätzliche Sonderpreise der Sponsoren (die Gelder generieren wir über alle Teilnehmerländer in D/CZ/I).
Wie erwartet räumten die Tschechen und Italiener alles ab. Alleine der sympathische Stephan Stiefenhöfer hielt die deutsche Fahne hoch - man stelle sich vor: Nach 36 km stand er als Sieger erst nach einer Fotoauswettung fest! Stephan lag mit nur sechs Zehntel vor dem südtiroler Marco Lipizer. Ergo war er runde 0,0001% schneller.

EMT-Finale Adige

Strahlende Gesichter bei der fast zweistündigen Siegerehrung

Fazit: Wieder ein großes Lob an die Veranstalter des C.C.Pescantina, die rund 360 freiwilligen Helfer, alle Sponsoren und die Wasserwirtschaft! Alles perfekt organisiert. Und für den ganz sparsamen Kanuten stellte die Stadt Pescantina ja wieder die örtliche Turnhalle kostenfrei zur Verfügung.

Aussicht 2008: Das EMT-Konzept wird weiter optimiert. Wir erarbeiten schon die neuen Regelungen. Mit Österreich stehe ich in Verhandlung und werde damit einen weiteren starken vierten Partner migrieren. Damit ist die EMT komplett; der europäische Gedanke lebt. Alle News und das neue Reglement werde ich etwa Dezember/Januar hier auf der HP vorstellen. Parallel werden wir eine eigene HP für die EMT gestalten. Ein für alle verbindliches, einheitliches EMT-Logo muss ich entwerfen, T-Shirts designen..... Es gibt viel zu tun – die Aufgaben für mich nehmen zu, das Trainingsaufkommen leider ab.

Ein herzliches Danke an alle, die unsere EMT mitfuhren. Bis zum nächsten Jahr.

Text & Bilder: Harald Wolf

Anm. der Red.: Der Inhalt dieses Artikels gibt nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

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Bootfahren macht Spaß - Momente davon "einzufrieren" auf einem Bild, macht auch Spaß ...Zum Fotografieren nehm ich oft die Paddler her. Freude und Begeisterung, Mut, Respekt & Ehrfurcht ist aus den Gesichtern zu lesen.

3 Kommentare

  1. Foto

    Meinungs- und Pressefreiheit in allen Ehren! Den zahlreichen engagierten Naturschützern und Paddlern, die sich für den Erhalt unserer Wildflüsse einsetzen, aber Infantilität und "endlose Polemik" vorzuwerfen (und gleichzeitig Besichtigungsflüge im Heli zu unternehmen) grenzt fast schon an Beleidigung. Schön, dass es für das Rennen eine so hohe Wasserabgabe gibt, natürliche Wildbäche und Flüsse kann das aber nicht ersetzen oder ausgleichen und ist erst recht kein Grund, den großartigen Einsatz für die Erhaltung der Flüsse auf derart unangebrachte Weise zu verunglimpfen. Warst Du selbst bei einer der Protestveranstaltungen dabei und hast Dich engagiert?

  2. Foto

    Hör mal Kasperl: das heißt STERZING nicht Vipiteno!

  3. no-avatar

    Das Wasser kommt auf Knopfdruck. Flüsse wie im Disneyland. Ist das unsere Zukunft?

    Für den Leistungssport mag das eine gute Lösung sein wenn man den Wasserstand für die Bewerbe regulieren kann aber für viele PaddlerInnen zählt auch der Naturgenuss.

    Wir wünschen uns freifließende Gewässer. Dafür werden wir uns auch weiterhin einsetzen und das nicht nur aus egoistischen Gründen.

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