30.000 Assist Points und kein Ende - Walter Mück im Interview

Noch nie wurde die Flussdatenbank so stark befüllt wie in diesem Monat, und noch nie wurden über 30.000 Assist. Points von einer einzelnen Person geholt.[br][/br]Walter Mück stürmte quasi von Null auf Hundert und dominiert die Punkteliste klar. Grund genug ihm in einem Interview seinen Antrieb zu entlocken.

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Walter Mück hat in diesem Monat die Assistant Points dominiert und klar für sich entschieden. Bereits seit vielen Jahren ist er ein sehr aktives Mitglied der Paddelcommunity, schrieb einen Kajakführer über den Kamp, für diverse DKV-Kanuführer und fürs Kanumagazin. Nun hat ihn die Koordinatensuche für kajak.at sensibilisiert und er bringt sein Wissen in unsere Datenbank ein.

Endstand der Assist. Points im November >>

Also Zeit den Sieger ein wenig "Selbstzubeweihräuchern", so Walter selbst. Aber nein Walter, das hast du dir verdient!

Walter Mück Balkan

Walter unterwegs zur Lengarica-Einstiegstelle (Albanien)

Hallo Walter,Erst einmal herzlichen Glückwunsch zum Sieg bei den Assistent Points im November, mit einer atemberaubenden Punktzahl von 30.041 Punkten hast du alle anderen weit hinter dir gelassen. Allerdings habe ich das Gefühl, dass dir dieser Sieg gar nicht so wichtig ist?

Anfangs hat mich schon der Ehrgeiz gepackt, die Verfolger abzuschütteln, aber das war nur ein Nebeneffekt.

Welche Motivation trieb dich dann weiter? Schließlich hast du nicht nur bei kajak.at bislang diese Leidenschaft an den Tag gelegt. Andere gehen nur Paddeln, du dokumentierst aber auch noch klasse. Bist wohl ein echter Gutmensch und denkst an deine Mitpaddler?

Ich habe 1978 meinen ersten Artikel in "Österreichs Kanusport" geschrieben, "Urige Gewässer zwischen Waldaist und Kamp". Seit damals ging es mir nicht nur um das Erkunden und Befahren, sondern auch um das Dokumentieren, vielleicht eine berufsbedingte Leidenschaft als Geodät (technische Beschreibung der Erde – landläufig "Vermesser"). Mit Hans Matz habe ich als treibende Lebenskraft die "hydrographische Neugier" erlebt, der Balkan war unser Revier, und diese Region konnte ich jetzt ansatzweise auf den Stand der Technik bringen. Nach dem Tod von Matz und Schoderer (DKV-Redakteur) hatten sich Informationen aufgestaut.

Diesen Informationsstau kriegt unsere Datenbank nun zu spüren. :) Du hast in den letzten Monaten 29 neue Flüsse, 41 Abschnitte und 503!! Koordinaten zu Flüssen und Abschnitten eingetragen. Ist dein Erfahrungsschatz nun am Ende?

Ein paar Reserven habe ich schon noch einzubringen! Nach 33 Paddeljahren, getrieben von der Neugier, habe ich 500 Flüsse in 38 Ländern erleben können, jetzt spielen meine Freunde oft nicht mehr mit, wenn ich immer nur Neues paddeln will.

Walter Mück Ukraine

Rika Ukraine

Mit geeigneten Transportmitteln zur Shala (Albanien)...und zur Rika (Ukraine)

Wenn keiner mehr mit will musst du dir wohl was anderes überlegen? Wo warst du denn heute unterwegs?

Am obersten Weitenbach, bei 50 cm Schnee allerdings mit Langlaufschiern. Wenn der Schnee schmilzt, wartet der Reißbach (Dracice) auf seine erste legale Grenzüberquerung. Aber ich finde schon noch Freunde für ausgefallene Ziele, Jammern wäre ungerecht!

Schnee Langlauf

Schnee Langlauf

Winterbeschäftigung aber auch hier auf der Spur der Flüsse...... am Kampursprung

solch kaltes Wetter kann man auch anders nutzen, zum Beispiel bei kajak.at. Du als Koordinatenprofi, kannst ja mal für die Novizen beschreiben wie man am besten vorgeht. Du hast teilweise sogar selbst bestimmte Daten eingetragen?

Ich hatte seit 1997 mit einem GPS-Handgerät viele Ein- und Ausstiegstellen bei Auslandsreisen festgehalten, die habe ich jetzt eingetippt, leider mit wenig Kontrollmöglichkeiten (Türkei, Bulgarien, Ukraine, Albanien). In Niederösterreich habe ich wegen der schlechten Bildqualität viele Daten aus dem amtlichen Karten übernommen (AMAP, WGS 84 Gitter). Lustiger war aber die Eingabe durch Suchen im Luftbild, da habe ich mich oft gefreut, „alte Bekannte“ (Einbootstellen) hochauflösend wieder zu finden (Kompsatos, Kallaritikos – Griechenland).

Walter Mück Dracice

Dracice - bald legaler Grenzübertritt!

Anfang 2008 werden wir mit den neuen Anwendungen online gehen. Was erwartest du davon? Ist das lange Suchen nach Ein und Ausstieg nun vorbei, oder alles nur eine Spielerei?

Ich freue mich auf eine Anwendung mit Google Earth, das mich seit Bestehen immer wieder fesselt – Flüge durch die Schluchten des weißen Nils, des Brahmaputra oder Huallaga sind Wahnsinnserlebnisse, da habe ich zuletzt Rittlingers Einstiegstelle zur legendären Amazonasfahrt von 1936 gefunden. Dieses „Crowdsourcing“ (Outsourcing von kartographischen Erhebungen an die breite Masse) ist zwar von der Datenqualität her problematisch, von der erzielbaren Datenmenge her aber alles andere als „Spielerei“.

Von anderer Seite haben wir schon zu hören bekommen, das diese GPS Aktion einen schönen Teil des Paddelns, nämlich das Suchen und Finden der Flüsse, überflüssig macht und deswegen dem Paddelsport nicht dient. Was sagst du dazu?

Tja, überall kann man nicht Erster sein, aber es gibt weltweit noch genug zu entdecken. Außerdem habe ich nur die Ein- und Ausbootstellen vermarkt, die kannte ich prinzipiell 1986 auch schon in Griechland – anhand 100 Jahre alter Kartenwerke 1:200.000. Das Problem waren die Anfahrten, und da braucht es heute noch guten Spürsinn und geeignete Transportmittel, etwa zur Shala oder Lengarica in Albanien, oder zum oberen Cheremosh in der Ukraine.

Wie könnte man deinem Erachten nach das Paddlerleben noch vereinfachen?

Mehr Urlaub (Grüße an Franz Bettinger in Neuseeland) und viele Paddelfreunde!

Was wirst du dir von deinem 30€ Bichlmoser & Oberhofer Gutschein kaufen?

Habe mir gerade einen VW Tiguan bestellt, den gibt es imPassauer Kajakshop leider nicht, daher werde ich mir dort Bücher oder Videos bestellen.

Walter Mück Lainitz

Einen Einblick in Walters Leidenschaft bietet dieses Gedicht zum 70. Geburtstag von Hans Matz 1992.


Der Jahre sind es nun schon zehn,
da wir vereint auf Reisen geh'n
um zu suchen nach den Flüssen
über die heut and're lesen müssen.
Nicht alles steht in den Berichten,
d'rum laß mich jetzt darüber dichten
was wirklich sich hat zugetragen
in diesen miterlebten Tagen.

Am Balkan und in Griechenland
erlebten wir schon allerhand
und auch das Auto mußte durt
durch manche breite, tiefe Furt.
Der Mythos dieser blauen Fäden
die aus den Karten zu uns reden
hat uns in Gegenden gelockt
wo and'ren schon der Atem stockt.

Die Krupa war ein solcher Fluß,
wo man recht oft umtragen muß
doch weiß der Hans in dieser Not
zu helfen sich und seinem Boot.
Bei Wasserfällen muß es fliegen,
dort unten werden wir's schon kriegen,
bei Klammen, die den Weg uns sperren,
ruft er verzweifelt nach Chimären
doch kaum senkt sich die Nacht hernieder
träumt er von blauen Linien wieder.Lainitz

Mehr zum Kamp >>

Interview & Layout: Sebastian Lüke
Fotos: Walter Mück

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Ausgebildeter Physiker, Redakteur, Herr über Tausend Zeilen Code auf 4-Paddlers.com und spätberufener zugereister Paddler aus Augsburg.

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