Die Erstbefahrung des Aoos vor 30 Jahren - Teil 2

"Das Licht in der Schlucht wird weniger. Helmut hat eine Uhr dabei, es wird schon bald 19 Uhr. Es ist Düster, in der Schlucht fahren wir abwechselnd voraus. [br][/br]Wir sichern, fahren schauen weiter voraus. 'Helmut, Sigi da bleiben wir!' Auf 5 m Höhe war eine Felsmulde mit Sand, auch Brennholz [...]

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Wir sichern, fahren schauen weiter voraus. 'Helmut, Sigi da bleiben wir!' Auf 5 m Höhe war eine Felsmulde mit Sand auch Brennholz war da. Wir waren nass und etwas müde. Also, raus aus den Klamotten, rein in den Trainingsanzug, Feuer an. Waschen und Zähne putzen wären Luxus gewesen. Ravioli, Tee und Rezina ließen wir uns schmecken, es war für jedem etwas dabei.

Ich untersuchte noch die Boote. Oh Schreck, Sigi seine Banane hatte beim Schwimmen doch etwas abbekommen. Aber auch der allgemeine Zustand vom Unterschiff, eine .... ! Die ca. 15 km zurück war fast unmöglich. Doch ich hatte wohlweislich vorausschauend 1 kg Polyester, Härter, Beschleuniger, Aceton, Feile und Schale mitgenommen. Das Feuer brannte bereits so konnten wir das Boot aufwärmen. Alle drei waren wir emsig mit Reparaturarbeiten beschäftigt. Wir schafften es bis zum Einbruch der Dunkelheit.

Sepp Schächner Aoos6

Keine Bären (aber Bärenspuren), keine Wölfe, nicht mal Vögel sangen. Bevor wir uns einen Schlafplatz aussuchten hielten wir noch Ausschau nach Schlangen, denn es gibt hier Sandvippern. Helmut der Feuermacher war am meisten um Wärme bemüht. Wo schlafen wir und wie? Sigi und Helmut hatten Biwaksäcke mit. Ich hatte mir von Resis Faltboot Stabtasche und Rucksack mitgenommen. Das war ein Einkrümeln. Der Sand in den Felsmulden verrutschte, so lag man auf dem nackten Fels. Die Nacht verging langsam, der Mond schien spärlich. Wir waren in den 'Schluchten Europas' im Aoos. Gute Nacht!

Um 6 hieß es aufstehen, rüttelte uns Helmut wach? Schlaf war's ja keiner. Als Soldat in der Normandie habe ich dies öfter erleben müssen. Tee, Haferflocken, Honig, Dauer- und Griechenbrot mundete uns zum Frühstück. Neopren und Kajak-Kleidung waren soweit trocken, alles verstaut und hinein in den ungewissen Tag. Wir kamen bis Mittag gut voran, mussten 2-mal umtragen und treideln. WW 5 ist nichts für uns Wanderfahrer mit Gepäck.

Sepp Schächner Aoos7

Am Spätnachmittag fahren wir wieder in eine Schlucht hinein. Die Felsen sind größer und runder geworden. Eine großartige Kulisse tut sich auf. Riesige 5-10 m hohe, wunderbar glatt geschliffene Felsen in allen Formen vor uns. Wo geht's da durch? Wir klettern, schauen und beraten. Auf Schleichpfaden und mit umtragen schaffen wir auch diesen Abschnitt.

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Wir werden sichtbar müde, es ist kalt. Plötzlich links oben, 500 m hoch, leuchtet ein Dach. Man will es nicht glauben, wir halten an. Unsere Karte verzeichnet ein Kloster. Nach der Karte wären es nicht mehr viele km bis Konitza. Rechts eine Felsenhöhle mit Sand. Da bleiben wir heute Nacht. Es wurde schnell dunkel. Wir machten Feuer und kochten die Reste. Warmen Tee mit Keks, trockener Kleidung fühlten wir uns wieder wohler. Wir denken nicht an Bären, Wölfe, Schlangen. Es wurde immer kühler. Helmut schürt das Feuer. Nur der Fluss flüstert, ein kühler Wind zieht durch die Schlucht. Zeit zum schlafen.

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Ein klarer Morgen. Sind bereits um 10 Uhr auf dem Wasser. Nach wenigen km sind wir aus der Schlucht heraus. Die Berge treten zurück, blauer Himmel, einige WW III Stellen, ein Betonwehr. Wir suchen und finden eine Durchfahrt. Die griechisch-türkische Bogenbrücke bei Konitsa wird sichtbar. Wir fahren durch die Pionierbrücke.

Wir, Sigi Nickl, Helmut Jahn und Sepp Schächner, haben in 3 Tagen den Aoos als erste mit Polykajaks gemeistert. Ohne Verletzung und ohne Bootsverlust."

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Ich habe den Aoos 6-mal erfolgreich befahren, und das noch mit 63 Jahren, als Initiator und Kenner.

Leb wohl Aoos! Ich bin 80 Jahre und kann dich nur noch auf Bildern und Filmen sehen. 'Servus Aoos'!

Text und Fotos: Sepp Schächner
www.paddlersepp.de

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3 Kommentare

  1. no-avatar

    Servus Sepp,
    schön, sehr schön was Du erlebt hast. Dein Abschied klingt sehr wehmütig vom Aoos. Bist Du traurig?.
    Mich würde interesieren ob Du mit Deinem Leben zufrieden bist und warst. Fällt es schwer im Alter zu verzichten?.
    Wie ist das?. Angst?. Ausgeglichen und Zufrieden?.
    Netten Gruß und Respekt.
    Rainer

  2. no-avatar
    Gerhard Freisingervor 14 Jahren

    hi Sepp
    Respekt !! Ich kann mir das Gefühl beim Einstieg gut vorstellen,so mit keiner Ahnung was einen erwartet.
    Aber dann die Freude.......
    Ich bin diese Stecke "Vouvusa-Konitsa" 2x gefahren----wirklich toll.1988 und 1993.
    Ich wünsche Dir alles Gute und noch viel Freude ----so oder so.
    Gerhard

  3. no-avatar
    Entner Ilsevor 14 Jahren

    Lieber Rainer und Gerhard,

    da Sepp kein Internet hat möchte er euch gerne persönlich schreiben. Aber dazu bräuchte ich eure Adressen um sie weitergeben zu können. Jedenfalls hat er sich sehr über eure Anteilnahme gefreut.

    Liebe Grüße Ilse

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