2/3 der Kanuten verletzen sich während ihrer gesamten Kanukarriere mindestens einmal. Was passiert dabei am Häufigsten, warum und welche Rolle spielt das Material ?
Das macht keinem Kanulehrer Spaß - Bergung eines Schwimmers auf dem Inn. Foto Dominik Täuber
2/3 der Kanuten verletzen sich während ihrer gesamten Kanukarriere mindestens einmal.
Allerdings sind nur ganz wenige schwere Unfälle zu verzeichnen und nur wenige machen eine ärztliche Behandlung notwendig.
Die meisten Verletzungen sind nämlich nur Hautschürfungen, Prellungen und Zerrungen.
Unübersichtliche Kleinflussbefahrung - mit engen Durchfahrten und Holz
Zum Thema Verletzungen beim Kajakfahren gab es die letzte Zeit recht interessante Studien von Mirjam Pfenninger und Roland Graf.
Im folgenden in aller Kürze die wesentlichen Erkenntnisse daraus, ergänzt mit einigen Tips aus dem Leser- und Bekanntenkreis.
Wobei dieser Artikel wohl kaum der Weisheit letzter Schluss ist, eher eine Diskussionsgrundlage.
Foto Florian Zaczek
Kopfverletzungen: Dieser Punkt ist etwas unklar. Während die Teilnehmer der Umfragen kaum Kopf- und Gesichtsverletzungen angegeben haben, stellen unglaublich viele Paddler aufgrund von Erfahrungswerten klar, dass es wichtig ist diesen Körperteil gut zu schützen.
Von Jochbein- und Nasenbeinbrüchen ist die Rede, Verletzungen durch das Paddel der Mitfahrer sind bekannt.
Gehirnerschütterungen und stark blutende Platzwunden tun das übrige, um dem Helm eine große Bedeutung zuzumessen.
Beine: Erstaunlich ist, dass immerhin 1/5 aller Verletzungen an den Beinen und der Hüfte registriert wurden. Dort können Verletzungen abgesehen von Aufprall und Verklemmunfällen nur beim Schwimmen, Bergen oder Besichtigen/Umtragen entstehen.
Foto Johannes Nister
Ein paar Anregungen gab es zu den kurzen Hosen:
Beim Schwimmen gibt es Berichte über gebrochene Kniescheiben, Verletzungen an den Schienbeinen, Platzwunden, großen Blutergüssen und blauen Flecken.
Ein bisschen polstert der lange Neo ja doch.
Schuhe - das bekannte Platzproblem
Teva Sandalen helfen halt nicht, wenn man beim Ausstieg in Eisen-Späne steigt und sich Schnittverletzungen zuzieht.
Des weiteren gibt es Berichte von gebrochenen Knöcheln, Zehen ...
Baumhindernisse gehören zu den gefährlichsten Bedrohungen für Paddler
Überbelastungen: Bei Überbelastungen ist die Sehnenscheidenentzündung im Handgelenk/Unterarm an erster Stelle.
Es folgen Rückenschmerzen.
Foto Johannes Nister
Arme: Hier gibt es eine relativ hohe Zahl an Prellungen. Im Bedarfsfall auf Ellbogenschützer zurückgreifen?
Bei den Händen verwenden manche (wie zum Beispiel bei den rauhen Granitfelsen der Mühlviertler Bäche) Handschuhe.
Foto Christian Zulehner
Erschreckend ist die Zunahme der Luxationen in den letzten zehn Jahren (seit einer Studie von Biener 1992). 2/3 der Armverletzungen betreffen die Schulter! Die meistgenannten Ursachen, die zu Schulterverletzungen führten, sind das Befahren von Walzen, das hohe Stützen und Eskimotieren.
Dass speziell Stützen und Rollen die verletzungsträchtigsten Aktionen sind, war zu erwarten gewesen. Hier ist schon beim Erlernen größeres Augenmerk auf eine richtige und schonende (nicht nur funktionierende) Technik zu legen.
Foto von Pahi Janos
Unter den schweren Verletzungen nimmt die Schulterluxation wie erwartet eine Sonderstellung ein. Sie kann daher als DIE typische (schwere) Paddelverletzung bezeichnet werden.
Foto Andreas Stockinger
Fazit: Kanufahren ist eine Sportart mit sehr wenig Verletzungen, welche einen Arztbesuch benötigen. Es zeigt aber auch, dass Zerrungen und Luxationen im Schulterbereich vermehrt auftreten, was u. a. auf das vermehrte Spielen in Walzen zurückgeführt werden könnte.
Die meisten Verletzungen ereigneten sich entgegen den allgemeinen Vorurteilen nicht in extremen Wildbächen, sondern in Wildwasserstufen mittlerer Schwierigkeit (3 und 4), da sich hier auch die meisten Paddler tummeln.
Gut besichtigt ist halb gewonnen - bei der Schlüsselstelle der Moldau "Blutige Hand"
Auch interessant: dass die Paddler eigentlich fast 3/4 aller Unfälle und Verletzungen auf persönliche Fahr-Taktik oder Einschätzungsfehler zurückführen.
Das betrifft auch Kanulehrer, die die Gruppe überschätzen.
Foto von www.paddeln.at
Danke an Mirjam Pfenninger, Roland Graf, Christian Luksch, Andrea Eder, Johannes Nister, Stefan Kinner und dem Paddeln.at Team










Betr.: Foto von Foto Johannes Nister.
Diese künstlichen Einbauten sind immer mit Vorsicht zu genießen. Bei uns im Norden von Deutschland sind viele Bäche und Flüsse so verbaut. Selbst gute Fahrer tragen hier um. Lieber einmal feige, als ein Leben lang tot. Burckhard
Freuen würde ich mich über eine genaue Literaturangabe, damit ich die Reports, auf denen dies alles hier basiert, ach selbst lesen kann.
Gruß
Hans Joachim
Literaturangabe hab ich keine, dieser Artikel basiert auf 2 Studien und Erfahrungsaustausch mit vielen Paddlern.
Die Studie von Mirjam Pfenninger wurde auszugsweise im "Katarakt" des Kanuclubs Zürich veröffentlicht, der Fragebogen von Roland Graf war von der Universität Regensburg: Institut für Sportwissenschaft
liebe Grüße
Thomas