Inzwischen sind wir seit zwanzig Tagen in der Türkei unterwegs. Ob die türkischen Mentalitäten, die Bräuche und Kulturen, die weite Anfahrt, [...]
Inzwischen sind wir seit zwanzig Tagen in der Türkei unterwegs. Ob die türkischen Mentalitäten, die Bräuche und Kulturen, die weite Anfahrt, oder die Wildwasser der Schwarzmeerküste, alles ist sehr aufregend für uns. Roger Ickerott führt uns super durch die verschlungenen Wege und Straßen der Türkei.
Türkei Expedition 2005 - Teil 2
Türkei Expedition 2005 - Teil 1
3932 Meter hoch ist der Gipfel des Kackkar
Wir sind jetzt in einer Ortschaft namens Ayder angekommen. Von dort aus haben wir eine dreitägige Treckingtour über das Kackkargebirge unternommen. Bevor wir starteten, verwöhnten wir uns noch alle am Abend mit einem türkischen Bad. Die sind sehr heiß. Ich habe eine halbe Stunde gebraucht, bis ich mit dem ganzen Körper drin war, aber dann war es sehr angenehm. Olaf, Manuel, Roger und Hendrik hat das extrem heiße Wasser nichts ausgemacht. Phillis war bei den türkischen Frauen dabei, und was da so los war, dass wusste wohl keiner von uns. Männer und Frauen wurden nämlich strickt getrennt, und Badehosen gab es auch keine. Die haben sich alle mit ihren Unterhosen gebadet.
Danach gingen wir noch in ein Restaurant um unsere Bäuche mal wieder so richtig voll zu schlagen.
Roger und ich starteten die Tour am nächsten Tag hier in Ayder mit einer von Hand gezeichneten Karte bei extremen Nebel. Kann das wohl gut gehen?
Keiner von uns kennt den Weg, der über drei Pässe auf 2800–3400 Meter Seehöhe immer auf und ab führt. Der Gipfel mit dem Namen Kackkar liegt auf 3932 Meter.
Foto rechts: Manuel bei seiner Arbeit an einem Bericht mit schönen Fotos für's Kanumagazin...
Tee zum Abschied: Kurz bevor wir zu unserer Bergtour aufbrachen, saßen wir noch bei einem Cai-Tee beisammen
Die übrigen Teammitglieder fuhren mit dem Auto weit um den Berg rum in Richtung Artvin und Coruh. Wir haben ausgemacht, dass sie von der anderen Seite hoch marschieren und dass wir uns am 2. Basislager unterhalb des Gipfels treffen.
Schöne Aussichten......in der Türkischen Bergwelt
Rogers und mein Weg führte uns von Ayder in Richtung Kavron, die letzte kleine Bergbauernortschaft im Tal, von hier aus führt nur mehr ein kleiner Wanderweg weiter. Aber wir mussten nicht zu Fuß gehen, Einheimische nahmen uns im Jeep mit, unser Auto hätte diese steile und schlechte Straße nicht mehr geschafft. In Kavron spielte uns jemand noch ein kleines Ständchen mit einem Dudelsack (türkisches Volksinstrument) vor, wir aßen in einer kleinen bewirtschafteten Hütte ein Käsefondue und dann brachen wir auf.
Dudelsackspieler in Kavron
Nach 2 Stunden marschieren kamen wir an einem See auf 3200 Metern an, wo wir uns ein noch freies Plätzchen zwischen all den anderen Bergsteigern suchten. Es waren türkische Söldner mit ihren Frauen, sie waren allesamt sehr freundlich und nett zu uns. Wir waren am 1. Basislager Nord angekommen.
Fantastische Abendstimmung am Basislager Nord
Am Abend, kurz bevor die Sonne unterging, zog der Nebel auf und uns überraschte eine gewaltige Aussicht aufs Kackkargebirge. Es war wirklich fantastisch.
Armes Bergdorf am Fuße des Kackkar
Harte Arbeit für Mensch und Tier......so wurde das Gepäck von Touristen ins Basislager gebracht.
Am nächsten Tag standen wir früh auf. Unsere acht- bis neunstündige Wanderung führte uns an Pässen und Seen vorbei, wir lernten wunderbare und viel verschiedene Landschaften kennen. So umrundeten wir das ganze Kackkargebirge, um zum 2. Basislager Süd zu gelangen, trafen dabei Wanderer aus Israel und genossen die Kulisse. Rauf und runter, rauf und runter, es zog sich mit der Zeit. Wegen der ewigen Marschiererei verlor Roger seine linke Schuhsohle. Das war vielleicht blöd, jetzt war unser Improvisationstalent gefragt. Mit einer Gabel bohrten wir die Löcher und mit einem Teil der Schnürsenkel nähten wir die Sohle wieder an. Das war gar nicht so leicht. Mit einem streikendem linken Schuh war der Aufstieg für Roger jetzt nur mehr ein schöner Traum, er tat mir sehr leid, denn er hatte sich sehr darauf gefreut.
Am 2. Basislager Süd angekommen, schlugen wir unser Zelt auf, kochten etwas zum Essen und krochen müde in die Schlafsäcke.
Doch unser Dornröschenschlaf blieb nicht ungestört, plötzlich zog ein schweres Gewitter auf. Wir befanden uns auf über 3000 Meter Seehöhe. Der Boden hat vom Donner gebebt. Wir lagen längs im Zelt und konnten trotzdem die Zeltdecke küssen, so wild wurde sie vom Sturm niedergedrückt. Das Gewitter war furchteinflößender, als einen Zwanzigmeterwasserfall zu befahren. Und alles wurde nass, pfui, war das grausig. Aber wir und die anderen benachbarten 3 Zelte haben alles gut überstanden. ´
Hendrik hat sich während des Gewitters am 1. Basislager Süd, ca. 400 m niedriger, mit einem Kalifornier in einer Höhle versteckt. Der war trocken.
Bild rechts: Ein kleiner Junge dem wir auf dem Weg zum Gipfel begegneten.
Am nächsten Tag brach ich alleine um 5:30 auf, um den Gipfel zu bezwingen. Es war ein mühevoller und langer Aufstieg. Ich musste über einen Pass drüber, den Pass hinten wieder hinunter und dann hinauf zum Gipfel. Als ich am Gipfel auf 3932 m ankam, überwältigte mich eine Aussicht mit einer nahezu perfekten Morgensonne. Es war unbeschreiblich schön. Ein paar Fotos machen, die ganze Mannschaft ins Gipfelbuch eintragen und wieder runter zum Zelt, wo Roger wartete.
Am Gipfel: Bernhard genießt die morgentlichen Sonnenstrahlen und die romantische Aussicht
Am Basislager Süd
Meine anderen Teammitglieder hatten sich später als ich auf den Weg gemacht, und mussten dann noch die 400 m zum 2. Basislager Süd begeben, bevor sie dann in Richtung Gipfel weiter gehen konnten. Ich traf sie deswegen während dem Abstieg neben Bergsteigern aus Israel, Kalifornien und Deutschland. Hendrik kam auch auf den Gipfel, da hatte er dann aber schon fast keinen Platz mehr vor lauter Bergsteigern, und das Gipfelbuch zu finden, war sowieso unmöglich. Manuel und Olaf kehrten früher um und Phillis ist im 1. Basislager Süd geblieben, um die Zelte zu bewachen. Man weis ja nie.
Aussicht zum KackkarBernhard und Roger beim ersten Übergang
Abendstimmung im obersten LagerBlick vom Gipfel
Ich legte eine kurze Pause beim 2. Basislager ein, wartete auf Olaf und gemeinsam stiegen wir zum 1. Basislager ab. Hier warteten wir alle zusammen, jausneten etwas und marschierten talauswärts in Richtung Coruh.
In der ersten Ortschaft tranken wir einen Cay (Tee), kauften ein und suchten uns einen Übernachtungsplatz an einem Bach, um uns den Schweiß von der anstrengenden Wanderung abzuwaschen, und ließen die Treckkingtour revue passieren.
Bild rechts: Erstaunliche Landschaft am obersten Lager
Blick talauswärts zum CoruhUnser Lagerplatz am Ende der Bergtour
Bild links: Olaf entspannt sich nach der Tour bei einer gemütlichen Tasse Kaffee.Im letzten und vierten Teil dieses Berichtes über die Türkeiexpedition geht es um die dreitägige Befahrung des zauberhaften Großflusses Coruh sowie dessen Nebenflüsse, und um den Nachhauseweg. Eigentlich hätten es nur drei Teile werden sollen, aber mir ist soviel eingefallen, dass es irgendwie vier daraus wurden.Also bis nächste Woche auf kajak.at!!
Türkei Expedition 2005 - Teil 2
Türkei Expedition 2005 - Teil 1
Fotos: Hendrik Joosten, Bernhard Mauracher, Manuel Arnu
Bericht: Bernhard Mauracher










Traumhafte Bergwelten. Super Fotos. Klasse