Zur aktuellen Diskussion über die Bewertungsskala mit Vorschlägen zur Einstufung bis WW III ...
Achstürze Ötztaler Ache - WW VI oder doch WW VIII??? Foto Bernhard Mauracher
Die Diskussion über Bewertung von Schwierigkeiten im Wildwasser ist nicht neu. Wenn sie auch öfter ins Lustige gezogen wird (ist das jetzt ein WW I mit 6er Stellen oder WW VI mit 1er Stellen?) kommt der Bewertung doch eine große Rolle zu.
Durch Verbesserung bei Material und Fahrkönnen besteht Gefahr, dass die bestehenden Beschreibungen abgewertet werden.
Wie kann man das Problem lösen?
Klassisches WW I "unschwierig" - die Alm unterhalb des Almsees
Grundsätzlich stehen mit den Bewertungen "+" "-" und "x - y" insgesamt ja nicht 6 sondern 21 Möglichkeiten zur Verfügung einen Fluss zu bewerten. Das ist eine ganze Menge und es bedarf einiger Erfahrung eine genaue Einstufung zu definieren.
Die Bewertungen I+ oder II- sind selten zu lesen. Unter WW I - II fallen viele Abschnitte, hier die Kössener Ache (Niederwasser!)
Beispiele für WW I - II: Abscnitte der Möll, Traun, Untere Steyr, Lech, Kössener Ache, obere Salza
Pegelangaben bei Bewertungen sind mit Vorsicht zu geniesen. Immer noch werden Bezugswasserstände am Lattenpegel angegeben. Gerade im Zeitalter der online Pegel wäre es ev. empfehlenswert auch eine m3/sec Angabe zu machen. Angaben am Lattenpegel sind vorort wichtig, jedoch ändern sich diese Werte oft und es ist nicht sicher, dass ein Pegelstand von 110 cm in 10 Jahren noch einem identen Wasserstand entspricht. Durchflussangaben werden jedoch von den hydrografischen Diensten regelmäßig gemessen und angepasst.
Unterer Lech - übersteigt selten die Schwierigkeit WW II-
Kamp oberhalb Zwettl WW II "mäßig schwierig"
Obere Isar, WW II+
Beschreibt man einen Fluss mit WW II+ so können ja eigentlich nur die schwersten Stellen gemeint sein. Das ist nicht sehr aussagekräftig, vielleicht ist die Bewertung WW II+ besser für Einzelstellen geeignet, um einen gesamten Abschnitt zu bewerten ist in dem Fall vielleicht doch WW I - II+, WW II - II+ oder Ähnliches aussagekräftiger.
Oder nach Gert Spilker zb. WW III+ (V-,VI,IV) also eine Stelle WW V-, eine WW VI und noch eine WW IV, der Rest geht über WW III+ nicht hinaus.
Salza ab Fachwerk - WW II - III Foto: Wolfgang Winkler
Beispiele für WW II - III: Salza, Obere Steyr, Abschnitte der Möll, untere Gail, Slalomstrecke Drau, untere Isel
Die Saalach unterhalb der Lofer Schlucht auf kurzer Strecke WW III-
Imster Schlucht WW III "schwierig" ist gerechtfertigt, zumindest in der Hauptströmung Foto: Günter Ressel
Und genau hier beginnt der Knackpunkt der aktuellen Schwierigkeitsskala. Ab WW III herrscht ein starker Druck zur Abwertung nach unten, die Meinungen gehen stark auseinander. Ab hier erfordert eine Bewertung der etwas schwierigeren Flüsse oft etwas Mut, will man der traditionellen Einstufung folgen.
Bei hohem Wasserstand auf dem Großen Kamp im Waldviertel WW III+.
Vielleich sollte man sich die Definitionen der Wildwassergrade, die im übrigen in den DKV Führern ausführlich nachzulesen sind, auch durchlesen: Bei WW III steht unter anderem bei Wasser: "Hohe unregelmäßige Wellen, größere Schwälle, Walzen Wirbel und Preßwasser" = Imster Schlucht?
Die Erlauf erreicht an mehreren Stellen WW III - IV Foto Franz Memelauer









Hi,
ich finde die Spilker-Bewertung am besten: Da weiß man sozusagen, was man hat. Außerdem gehört natürlich die Info dazu, für welchen Wasserstand die angegebenen Schwierigkeitsgrade gelten. Ich stelle vor allem häufig fest, daß Profi-Paddler die "Bodenhaftung" verlieren und Bäche unterbewerten, was dazu führen kann, daß Anfänger schlimmer scheitern als wirklich notwendig, weil sie meinen, diesen Bach schon paddeln zu können. Außerdem gehören zur Bewertung eigentlich auch Bemerkungen zu chicken-lines (Beispiel Imster Schlucht, wo es ja jede Menge Platz gibt und damit die Wahl zwischen schwerer oder leichter). Nun ja, so wird dann jede Bewertung zum Roman...
Viele Grüße,
Martina
was hat sich wohl ein fred strohmeier seinerzeit gedacht, als er x-mal zur welle "weiberlauf" (für die heutige zeit eine traumwelle) an die salza schauen gegangen ist ob er es schafft oder nicht! er hat sich nicht gefragt welcher schwiergkeitsgrat es ist. er hat es ausgelotet, schaff ich es oder nicht! o-ton Fred strohmeier -skiyakerfinder und erstbefahrer der salza auf diesen brettern.
sorry, ich kenn mich mit dem fotohineinstellen da nicht so aus. das foto geb ich in das forum. hoffentlich gelingt´s.
lieben gruss aus graz, arnold
forscher und dokumentierer der paddelgeschichte an der salza und enns.
Das ist grad eine gute Diskussion.
Auch auf der kajak.at-Seite finden sich Bewertungen, die halt nicht zusammenpassen. Die Königseeache wird mit WW I - II bewertet, genauso wie die Isar ab Sylvenstein. Die Isar fährt auch ein mäßig Erfahrener ohne große Probleme im offenen Zweier(-Kanadier). Die Königseer Ache nicht. Verblockung und Gefälle sind da einfach andere Kaliber. Gerade für AnfängerInnen, die sich auf unsere Bewertungen verlassen.
Es ist schon richtig: In den oberen Kategorien (IV aufwärts) muss der Könner sowieso selber schauen. Aber gerade bei den leichteren (bis III) sollten wir uns viel mehr daran orientieren, was für weniger Erfahrene schwierig ist, als daran, ob uns "Kameraden" wegen "zu vorsichiger" Bewertungen blöd anreden.
Mehr Mut zur Vorsicht !