Christoph Scheuermann berichtet von den Highlights der 1. Ötztaler Wildwasserwoche!
Zehn Tage im Tal der Täler - Die erste Internationale Wildwasserwoche im Ötztal!
Zunächst war es nur eine fixe Idee: Ein Ort in den Zentralalpen, eine Woche im Jahr, Freunde aus nah und fern am Start. Die letzten Jahre hatten meine Freunde und mich quer über den europäischen Kontinent, nach Chile und Neuseeland geführt. Zahlreiche Kontakte entstanden, es war Zeit sich zum Wiedersehen zu treffen.Was liegt da näher als das Ötztal? Traditionell unser Ziel zum Saisonabschluss, das wohlbekannte Heimatrevier der Süddeutschen, herbstliche Pegel erlauben spritzige Abenteuer aller Schwierigkeitsgrade. Da wir nicht die einzigen Paddler sind, die so denken, sind neue Bekanntschaften garantiert.
Paddler sind bekanntlich ziemlich unberechenbare Wesen wenn es um den Besuch öffentlicher Veranstaltungen geht. Werden zehn oder hundert Paddler den Campingplatz bevölkern? Kommt überhaupt jemand zwischen den Wochenenden? Wer übernimmt welchen Teil der Organisation? Wollen Paddler überhaupt Organisation?
Fragen, die uns - eher Neulinge im Eventmanagement - im Vorfeld umtreiben. Sicher war zumindest der Termin: Vom 24. September bis zum 3. Oktober 2005 soll die Fete steigen. Als Standquartier war der Campingplatz Winkle 6km flussab von Sölden auserkoren. Viel Platz, keine ruhebedürftigen Dauercamper, ein großer Aufenthaltsraum, moderate 7 Euro pro Nacht und Nase.
Freitag abend schließlich keucht mein Toyota ziemlich überladen das Ötztal hinauf. Ein Fahrrad, fünf Kajaks, Paddel- und Campingausrüstung, sowie eine Jurte im Kofferraum, in der locker 50 Personen Platz finden. Auf dem Beifahrersitz leistet mir Sebbi Gesellschaft, der nicht nur die Jurte Organisiert hat, sondern hoffentlich auch fähig ist, diese aufzubauen. Nach der obligatorischen Willkommensfahrt auf der Mittleren Ötz geht’s ans Eingemachte. Bis lange nach Einbruch der Dunkelheit schuften wir, reparieren übermannsgroße Holzstangen mit Duck-Tape und Spanngurten. Irgendwann steht das Zelt und das Feuer lodert.Zum Glück war Martin aus Villingen-Schwenningen schon einige Stunden vor uns am Platz eingetroffen. Ohne sein Panzerband und seine Säge wäre das Zelt-Chaos kaum zu besiegen gewesen. In der Nacht stoßen noch Hannes und Quirin aus Regensburg, sowie Robert aus Salzburg zu uns. Hurra, wir sind international und glücklich. Dass es noch viel bunter kommen sollte bewiesen die nächsten Tage. Ein ganzer Transit voller Russen aus Moskau hat sich eingefunden, drei Polen nahmen für zwei Tage den Weg aus Krakau auf sich, Teile der Belegschaft der Kanuschule Versam gaben sich die Ehre, Slowenen aus Ljubljana fanden zu uns. Schwaben, Franken und Badenser waren massenhaft vertreten.
Gepaddelt wurde zwischen Haiming und Meran. Imster Schlucht und untere Ötz standen ebenso auf dem Programm wie Heiligkreuz, untere Venter und obere Ötz. Die mittlere Ötz avancierte zum Abendprogramm, fast täglich ließ hier eine Gruppe den Tag ausklingen. Die Passer in Südtirol erlebte diesen Herbst wohl die meisten Paddler. Allein in unserer Woche begaben sich vier Gruppen an drei Tagen in die Schlucht. Dass die Schlucht unterhalb Moos nicht mit sich spaßen lässt bewiesen einige Schwimmer, teils ausgelöst durch ploppende Spritzdecken am hohen Fall. In jedem Fall muss für diese Traumschlucht im Tessiner Stil eine angemessene Zeitreserve mitgebracht werden.
Die Abende am Camp ließen dank Hannes’ Multimediashows keine Langeweile aufkommen. Wem das flackernde Feuer in der Jurte nicht genug Aufregung bot, fand unter festem Dach Unterhaltung. Paddel-DVDs russischer und ungarischer Produktion, Dias aus Norwegen, den Alpen und Chile sorgten für große Augen und Vorfreude aufs nächste Jahr. Höhepunkt der Festivitäten war zweifelsohne die Diskonacht mit DJ Hansi. Der Aufenthaltsraum wurde zum Tanzboden umfunktioniert, Stirnlampen zu Stroboskopblitzen als Montag früh um halb drei verschwitzte Leiber zu Ska-Musik zuckten.
Früh geboren und lange unsicher war die Idee eines Extremrennens auf der Mittleren Ötz. Vor allem juristische Haftungsfragen im Falle eines Unfalls ließen uns an der Durchführung zweifeln. Schlussendlich konnten uns weder Dauerregen noch rechtliche Bedenken bremsen. Im Gedenken an unseren verstorbenen Freund Klemens wollten wir um die Wette paddeln: Die Klemmer-Rallye war geboren. Zwölf Starter fanden sich ein Sonntag Nachmittag um 14 Uhr am Picknick-Platz unterhalb Au. Das Rennen sollte als Teamwettbewerb starten, und so wurden vier Dreier-Mannschaften ausgelost. Um der Rallye einen Hauch von Paddelprominenz und Internationalität zu verleihen gab sich Lokalmatador Bernhard Mauracher die Ehre im ersten Team zu starten. Den Sieg der ersten Klemmer-Rallye konnte - sicher auch durch einen Glücksgriff bei der Auslosung der Mannschaften - das dritte Team mit den Startern Christian Frieser, Christoph Scheuermann und Matthias Stöckl erringen. In Anbetracht des Feedbacks zahlreicher Teilnehmer dürfen wir die Ötztalwoche als vollen Erfolg verbuchen. Lediglich der goldene Herbst war mit dem Termin im September nicht einverstanden, konnte aber die Paddler nicht wirklich vertreiben: Trotz Dauerregens und niedriger Temperaturen An einigen Tagen -am zweiten Wochenende lag Schnee am Einstieg der unteren Venter- kamen am Camping bis zu hundert Paddler zusammen. Selbst unter der Woche war stets ein gutes Dutzend am Platz zu finden. Mit Freude und Erleichterung stellen wir fest, dass keine größeren Unfälle zu verzeichnen sind. Ein gebrochenes und ein verlorenes Paddel, sowie einige geplatzte Bootshüllen sind die einzigen zu bedauernden Schäden.
Bedanken möchte ich mich beim gesamten Organisationsteam, v.a. Hannes Langer und Sebastian Gut, ohne die diese Veranstaltung sicher nicht möglich gewesen wäre. Für die Bereitstellung der Jurte danke ich dem Kanu-Club Hohenlohe in Schwäbisch Hall. Dank für das großzügige Testangebot von sechs Creekern und River Runnern geht an Blue and White in Riedering, ebenso Dank an Bruno Kempf von Kempfsport in Luzern für vier Testboote. Sebbi Gründler gebührt unser und der Zuschauer Dank für die freundliche Bereitstellung einer Großleinwand.
© Christoph Scheuermann
Fotos: Tobias Heims; aufgenommen am 1.10.05 in der Passerschlucht unterhalb Moos
Danke an Christoph Scheuermann für diesen super Bericht! Hoffentlich kommt auch die 2. internationale Wildwasserwoche im Ötztal!









Dank,an Christoph, ein Bericht der wieder sicher unsere egoistische Paddlerwelt ein Stück mehr zusammen rücken läßt.
Freue mich über die schönen Bilder der Passer und über die Erlebnisberichte, man möchte meinen selber dabei gewesen zu sein.
Ich konnte selber nicht Vorort sein,da ich zur selbigen Zeit noch Kajakkurse laufen hatte.Hoffe es nächstes Jahr zu schaffen und gratuliere Allen die für diese tolle Sache sich einsetzten und dabei waren.
Gruß Franz Puckl Kanuschule-Kitzalp